Gedenken an die Vertreibung vor 80 Jahren
Bad Wörishofen erinnert in diesem Jahr an die Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei, die vor 80 Jahren begann. Die Stadt hat ein umfangreiches Programm mit Zeitzeugenberichten, Vorträgen und kulturellen Veranstaltungen zusammengestellt. Ziel ist es, die Erinnerung an dieses dunkle Kapitel der Geschichte wach zu halten und die Integration der Vertriebenen zu würdigen.
Historischer Hintergrund
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden Millionen Deutsche aus der Tschechoslowakei vertrieben. Die sogenannten Beneš-Dekrete entzogen ihnen Staatsbürgerschaft und Vermögen. Viele fanden in Bayern eine neue Heimat, darunter auch in Bad Wörishofen. Die Stadt wurde zu einem wichtigen Anlaufpunkt für Vertriebene, die hier eine neue Existenz aufbauten.
Programm in Bad Wörishofen
Die Veranstaltungsreihe startet mit einer Gedenkstunde im Kurhaus, bei der Zeitzeugen über ihre Erlebnisse berichten. Ein Höhepunkt ist die Ausstellung „Wege in die Fremde“, die persönliche Gegenstände und Dokumente von Vertriebenen zeigt. Zudem laden Historiker zu Vorträgen über die politischen Hintergründe ein. Für junge Menschen werden Workshops angeboten, um das Thema generationenübergreifend zu vermitteln.
Bedeutung für die Stadt
Oberbürgermeister Stefan Welzel betont: „Die Vertreibung ist ein Teil unserer Stadtgeschichte. Es ist unsere Pflicht, an das Leid zu erinnern und die Leistungen der Vertriebenen anzuerkennen.“ Die Veranstaltungen sollen auch dazu beitragen, die Beziehungen zu Tschechien zu vertiefen. Eine Delegation aus der Partnerstadt Bad Wörishofens wird erwartet.
Zahlen und Fakten
Rund 12 Millionen Deutsche wurden nach dem Krieg aus Ostmitteleuropa vertrieben. In Bayern fanden etwa 1,9 Millionen Vertriebene eine neue Heimat. In Bad Wörishofen machten die Vertriebenen zeitweise über 20 Prozent der Bevölkerung aus. Sie prägten das wirtschaftliche und kulturelle Leben der Stadt maßgeblich mit.
Zeitzeugen im Gespräch
Die 89-jährige Maria Huber, die als Kind vertrieben wurde, wird bei der Gedenkstunde aus ihrem Leben erzählen. Sie kam 1946 mit ihrer Familie nach Bad Wörishofen und erinnert sich: „Wir hatten nichts, aber die Menschen hier haben uns geholfen.“ Solche persönlichen Geschichten sind ein zentraler Bestandteil des Programms.
Blick in die Zukunft
Neben der Vergangenheitsbewältigung soll das Jubiläum auch die Freundschaft mit Tschechien stärken. Geplant sind gemeinsame Projekte mit Schulen und Jugendgruppen. Die Stadt will damit ein Zeichen für Versöhnung und europäische Zusammenarbeit setzen.



