Adoptionen in Brandenburg fallen auf Tiefstand: Lange Wartezeiten
Adoptionen in Brandenburg fallen auf Tiefstand

In Brandenburg sind 2025 so wenige Kinder adoptiert worden wie seit Jahren nicht. Nach Angaben des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg wurden genau 113 Jungen und Mädchen adoptiert – 14 Fälle weniger als im Vorjahr und ebenfalls 14 weniger als 2023. Das entspricht einem Rückgang von 11 Prozent.

Damit setzt sich ein Abwärtstrend fort, der schon 2022 deutlich war: Damals registrierte die Behörde 141 Adoptionen – rund 20 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Zum Vergleich: Berlin verzeichnete 2025 insgesamt 109 Adoptionen von Kindern und Jugendlichen. Die neue Statistik zeigt: Das Interesse an Adoptionen ist ungebrochen, aber die Zahl der zur Adoption freigegebenen Kinder geht weiter zurück.

Fremdadoptionen werden seltener

Der Rückgang trifft vor allem die sogenannten Fremdadoptionen, also Adoptionen durch Personen, die weder Stiefeltern noch Verwandte des Kindes sind. In Brandenburg überwiegen jedoch die Adoptionen durch Stiefelternteile oder Verwandte: Mehr als die Hälfte der 113 Fälle fiel in diese Kategorie. Das Statistische Bundesamt erklärte Anfang Juli zum bundesweiten Trend: „Eine Erklärung für die insgesamt sinkenden Fallzahlen ist der anhaltende Rückgang der klassischen Fremdadoptionen.“ Bundesweit gab es 3.517 Adoptionen – so wenige wie seit 1990 nicht mehr.

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Experten führen diese Entwicklung unter anderem auf Fortschritte in der Reproduktionsmedizin zurück. Für viele Paare ist der biologische Weg heute eine reale Alternative. In Brandenburg sieht die Statistik für 2025 im Detail so aus:

  • 6 Kinder kamen aus dem Ausland.
  • 3 Kinder wurden nach anonymer Geburt oder über eine Babyklappe zur Adoption freigegeben.
  • Über 60 Prozent der adoptierten Kinder waren jünger als drei Jahre.

Die Zahlen zeigen: Die Wege zur Adoption sind vielfältig. Anonyme Geburten und Babyklappen bieten Müttern in Not eine Möglichkeit, ihr Kind ohne Preisgabe der eigenen Identität zur Welt zu bringen. In Brandenburg machen diese Fälle allerdings nur einen kleinen Teil aus: Im vergangenen Jahr waren es genau drei Fälle, also knapp 2,7 Prozent aller Adoptionen.

Lange Wartezeiten und herausfordernde Warterei

Wer in Brandenburg ein Kind adoptieren möchte, muss zunächst ein Eignungsverfahren durchlaufen. Dabei prüfen Fachkräfte der Jugendhilfe die persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse der Bewerber in mehreren Gesprächen und Hausbesuchen. Zu einem vollständigen Eignungsverfahren gehören auch erweiterte Führungszeugnisse und ärztliche Bescheinigungen. Vor allem bei Fremdadoptionen müssen sich Paare und Einzelpersonen auf jahrelange Wartezeiten einstellen. Internationale Adoptionsverfahren können sogar mehrere Jahre dauern, wie das Ministerium für Bildung und Jugend mitteilt. Die Nachfrage ist ungebrochen: Auf eine Handvoll freigegebener Kinder kommen häufig viele Bewerber.

Zuständig ist die Zentrale Adoptionsstelle Berlin-Brandenburg. Die Zusammenarbeit mit den beteiligten Behörden der Herkunftsländer sei „sehr unterschiedlich“, hieß es aus dem Ministerium. Wörtlich erklärte es: „Bewerbende erleben häufig die unbestimmte Wartephase nach einer erfolgreichen Registrierung als herausfordernd.“ Auch die Zahl der vorgemerkten Kinder ist klein: Ende 2025 waren nur sechs Kinder und Jugendliche zur Adoption vorgemerkt, während 101 Bewerbungen von Adoptionswilligen vorlagen.

Aufarbeitung eines dunklen Kapitels

Die heutigen Adoptionsverfahren sind durch das Haager Adoptionsübereinkommen von 1993 international vereinheitlicht. Das Übereinkommen soll grenzüberschreitende Adoptionen transparenter machen und das Kindeswohl sichern. Zuvor habe es in vielen Fällen Unregelmäßigkeiten, Korruption und Kinderhandel gegeben, so das Ministerium. „Die Aufarbeitung dieses dunklen Kapitels beginnt gerade erst.“ Es gebe vermehrt Rufe, die damaligen Vorgehensweisen und Fälle aufzuarbeiten.

Auch in der DDR waren Adoptionen von staatlichen Zwangsmaßnahmen betroffen. Forschungsergebnissen zufolge gehörten Zwangsadoptionen zum Systemunrecht der SED-Diktatur. Ein Nachweis für ein systematisches und explizit politisches Vorgehen des Staates innerhalb von Adoptionsverfahren ist laut einer Studie jedoch nicht zu belegen. Die Debatte über die Aufarbeitung historischen Unrechts dürfte daher weiter anhalten.

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