Bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus im September 2026 treten neben den etablierten Parteien auch zahlreiche Kleinparteien an. Einige von ihnen setzen auf provokante Slogans wie „Sei kein Arschloch“ (Volt) oder „Nazis töten“ (Die PARTEI), andere schocken mit Bildern von gequälten Tieren. Doch welche dieser Parteien haben ernsthafte Chancen auf einen Sitz im Parlament? Ein Überblick über die wichtigsten der Kleinen.
Volt: Europas Lösung für Berlins Verwaltungsprobleme
Volt Deutschland ist der deutsche Ableger der paneuropäischen Bürgerbewegung Volt Europa. Die linksliberale Partei vertritt die Überzeugung, dass nationale Parteien an ihre Grenzen stoßen und aktuelle Herausforderungen nur europäisch gelöst werden können. In ihrem Grundsatzprogramm fordert sie eine EU-Reform mit mehr Effizienz, Transparenz und Bürgerbeteiligung.
Für Berlin will Volt eine handlungsfähigere und schnellere Verwaltung erreichen, um etwa lange Baugenehmigungsverfahren zu verkürzen. Zudem plant die Partei, Start-ups zu unterstützen und den Zugang zum Erasmus-Austauschprogramm zu erleichtern. Laut einer Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen könnte Volt mit 3 Prozent der Stimmen rechnen – ein Einzug ins Abgeordnetenhaus ist damit unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen.
Die PARTEI: Satire als politisches Programm
Die Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative – kurz Die PARTEI – wurde 2004 von Redakteuren des Satiremagazins „Titanic“ gegründet. Sie ist eine linke Satirepartei, die sich über die Politik lustig macht, aber tatsächlich wählbar ist.
Zu ihren Forderungen gehören die Rückverlegung der Hauptstadt nach Bonn („Zurück nach Bonn!“), die Wiederinbetriebnahme des Flughafens Tempelhof und der Abbau seltener Erden in Berlin. Außerdem schlägt sie vor, Marzahn-Hellersdorf den Status eines neutralen Bezirks zu geben, um eine Pufferzone nach Osten zu schaffen. Bei der Berlin-Wahl 2021 erreichte Die PARTEI 1,1 Prozent der Stimmen.
Tierschutzpartei: Einsatz für Grundrechte der Tiere
Die Tierschutzpartei (offiziell: PARTEI MENSCH KLIMA TIERSCHUTZ) wurde vor 33 Jahren in Bonn gegründet und setzt sich seit 1993 für die Grundrechte von Tieren ein. Ihre Plakate mit gequälten Tieren sind unverkennbar. Laut ihrer Website ist die Partei besonders bei jungen Menschen erfolgreich, zwei Drittel ihrer Wähler sind Frauen.
Im Wahlprogramm stehen neben Tierrechten auch Vorschläge für mehr Klimaschutz und eine gerechtere Sozialpolitik. Das Handbuch der deutschen Parteien verortet sie in der linken Mitte. Bei der letzten Abgeordnetenhauswahl kam sie auf 2,3 Prozent und verpasste damit knapp den Einzug.
ÖDP: Demokratische Werte und Umweltschutz
Die Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP) wirbt mit den Slogans „Rettet den Respekt“ und „Feiert die Fairness“. Sie entstand 1981 aus dem Zusammenschluss der Grünen Aktion Zukunft (GAZ), der Grünen Liste Umweltschutz (GLU) und der Arbeitsgemeinschaft ökologische Politik bei den Grünen (AGÖP). Die ÖDP bezeichnet sich als „Partei der politischen Mitte“.
Laut der Brandenburgischen Landeszentrale für politische Bildung liegen ihre Schwerpunkte im Klimaschutz und der Familienpolitik. Bei der Berlin-Wahl 2021 erzielte sie 0,4 Prozent – ein Sitz im Abgeordnetenhaus ist also eher unrealistisch.
Die Urbane: Hip-Hop gegen Rassismus
Die Urbane – eine Hip-Hop Partei – wurde am 1. Mai von Hip-Hop-Aktivisten in Berlin gegründet. Sie versteht sich als anti-kolonialistisch und links. Ein Grundziel ist der Kampf gegen Rassismus und Diskriminierung. In der Vergangenheit organisierte sie Demonstrationen gegen Polizeigewalt.
Die Partei setzt sich zudem für die Minimierung von Umweltverschmutzung und die Förderung des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs ein. Mit einem Stimmenanteil von voraussichtlich unter 1 Prozent wird sie wohl keine Rolle im neuen Parlament spielen.
Fazit: Chancen auf Einzug sind gering
Die meisten Kleinparteien werden bei der Berlin-Wahl 2026 nur eine Außenseiterrolle spielen. Laut aktuellen Umfragen liegen Volt und Tierschutzpartei bei etwa 2 bis 3 Prozent – die Fünf-Prozent-Hürde bleibt eine große Hürde. Dennoch sorgen sie mit ihren provokanten Aktionen und originellen Ideen für Aufmerksamkeit und bereichern den politischen Diskurs in der Hauptstadt.



