Biernation Deutschland: Warum Aperol jetzt angesagt ist
Biernation Deutschland wird zur Aperol-Nation

Deutschland, das Land des Bieres, erlebt einen kulturellen Wandel: Der Aperol Spritz hat sich als Sommergetränk etabliert und verdrängt in vielen Bars und Cafés das traditionelle Bier. Laut einer aktuellen Umfrage des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (DEHOGA) geben 68 Prozent der Gastronomen an, dass Aperol Spritz in diesem Sommer ihr meistverkaufter Aperitif ist. Der Trend ist so stark, dass einige Experten bereits von der „Aperölchenrepublik“ sprechen.

Vom Bierland zur Spritz-Nation

Die Zahlen sprechen für sich: Während der Bierkonsum in Deutschland seit Jahren rückläufig ist – 2023 wurden nur noch 87 Liter pro Kopf getrunken, ein Rückgang von 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr –, boomt der Verkauf von Aperol. Der italienische Likörhersteller Campari Group meldete für das erste Halbjahr 2024 einen Absatzanstieg von 22 Prozent in Deutschland. Besonders in Großstädten wie Berlin, Hamburg und München ist der Aperol Spritz zum Symbol für einen lauen Sommerabend geworden.

Warum Aperol? Der Geschmack des Sommers

Soziologen und Gastrokritiker erklären den Siegeszug des orangefarbenen Getränks mit mehreren Faktoren. Zum einen sei Aperol Spritz ein leichter, erfrischender Drink mit einem Alkoholgehalt von nur 11 Prozent, der perfekt zu langen Sommerabenden passe. Zum anderen spiele die Ästhetik eine Rolle: Der leuchtend orange Farbton und das typische Weinglas mit Eiswürfeln und Orangenscheibe seien ideal für Social-Media-Posts. „Der Aperol Spritz ist der Instagram-Cocktail schlechthin“, sagt der Gastrokritiker Stefan Weber. „Er sieht nicht nur gut aus, sondern schmeckt auch nach Urlaub und Dolce Vita.“

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Gastronomen reagieren auf den Trend

Viele Wirte haben reagiert und bieten inzwischen eigene Variationen an – von Aperol mit Roséwein bis hin zu alkoholfreien Versionen. In München eröffnete im Mai sogar die erste „Aperol-Bar“ der Stadt, die auf 40 verschiedene Spritz-Kreationen setzt. Betreiberin Julia Hoffmann berichtet: „Wir haben im ersten Monat über 10.000 Gläser verkauft. Die Nachfrage übertrifft alle Erwartungen.“ Auch in Supermärkten hat sich das Sortiment geändert: Aperol-Flaschen stehen mittlerweile in vielen Filialen direkt neben dem Bierregal.

Kritik und Gegenbewegung

Doch der Trend hat auch Kritiker. Brauereien und Bierliebhaber beklagen den Rückgang der Bierkultur. Der Deutsche Brauer-Bund warnt davor, dass die Begeisterung für Aperol auf Kosten traditioneller Getränke gehe. „Bier ist ein Stück deutsche Identität“, sagt Hauptgeschäftsführer Holger Eichele. „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht unsere Wurzeln vergessen.“ Einige Gastronomen setzen deshalb bewusst auf regionale Biere und veranstalten „Bier-Sommelier-Abende“, um dem Trend entgegenzuwirken.

Zukunft des Sommerdrinks

Trotz aller Kritik deuten die Prognosen auf eine anhaltende Beliebtheit des Aperol Spritz hin. Marktforscher erwarten, dass der Absatz in den nächsten zwei Jahren um weitere 15 Prozent steigen wird. Der Sommerdrink hat sich längst von einem reinen Urlaubsgetränk zu einem Alltagsphänomen entwickelt. Ob in der Biergarten-Atmosphäre oder im schicken City-Café – der Aperol Spritz ist aus der deutschen Getränkelandschaft nicht mehr wegzudenken. Die Frage ist nicht mehr, ob man Aperol trinkt, sondern wie man ihn genießt: klassisch mit Prosecco, oder mit einer modernen Note.

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