Bistum Fulda distanziert sich von Pfarrer nach CSD-Anschlag
Bistum Fulda distanziert sich von Pfarrer nach CSD-Anschlag

Das Bistum Fulda hat sich am Samstag in einer offiziellen und ungewöhnlich deutlichen Stellungnahme von einem pensionierten Pfarrer distanziert. Der Geistliche hatte in einem Leserbrief an die „Fuldaer Zeitung“ den tödlichen Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin als „Signal des Himmels“ bezeichnet. Die Diözese machte unmissverständlich klar, dass diese Äußerungen weder die Position des Bistums noch die Haltung seiner Verantwortlichen widerspiegelten.

„Sie geben weder die Position des Bistums noch die Haltung seiner Verantwortlichen wieder“, hieß es in der am Samstag veröffentlichten Erklärung. „Insbesondere jede Deutung eines terroristischen Anschlags als Ausdruck eines göttlichen Handelns weisen wir entschieden zurück.“ Die Anteilnahme gelte den Opfern, ihren Angehörigen und allen Menschen, die durch das Verbrechen erschüttert worden seien. Damit setzt das Bistum ein klares Zeichen gegen jede Instrumentalisierung von Religion für Hass und Gewalt.

„Signal des Himmels“ – was der Pfarrer schrieb

Der Ruhestandspfarrer aus dem Landkreis Fulda hatte in seinem Leserbrief vom Freitag geschrieben, alle, die sich noch Christen nennen würden, sollten „derartige Gräueltaten als ein Signal des Himmels verstehen, als einen Aufruf zur Besinnung und zur Umkehr“. Zudem bezeichnete er den CSD als „Parade der Schamlosigkeit“ und „zur Schau gestellte Verherrlichung der Perversion“.

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Es war nicht das erste Mal, dass sich der Geistliche öffentlich gegen die queere Community wandte. Bereits im vergangenen Jahr hatte er in einem offenen Brief, der auf dem Portal „kath.net“ veröffentlicht wurde, die Unterstützung der Diözese für den CSD kritisiert. Das Bistum reagierte nun mit einer grundsätzlichen Klarstellung: „Als Kirche glauben wir, dass jeder Mensch Ebenbild Gottes ist und eine unveräußerliche Würde besitzt. Daraus erwächst der Auftrag, allen Menschen mit Achtung, Respekt und Nächstenliebe zu begegnen – unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität.“

Der Christopher Street Day stehe für das Anliegen, auf die Würde aller Menschen aufmerksam zu machen und sich gegen Ausgrenzung und Gewalt einzusetzen. Das Bistum unterstütze das friedliche Engagement für eine offene, respektvolle und freiheitliche Gesellschaft, heißt es in der Stellungnahme weiter.

Der islamistische Anschlag in Berlin

Der Hintergrund der Kontroverse ist ein schweres Verbrechen: Am vergangenen Samstag war der 21-jährige Abdul Ballout mit einem Auto in eine Menschenmenge auf dem Gelände des CSD in Berlin gefahren. Anschließend soll er weitere Menschen mit einer Machete angegriffen haben. Bei dem islamistischen Anschlag kam eine Frau aus Polen ums Leben, 31 Menschen wurden verletzt, einige von ihnen schwer. Der Attentäter wurde am Sonntag bei einem Polizeieinsatz erschossen.

Chefredakteur distanziert sich

Auch der Chefredakteur der „Fuldaer Zeitung“, Tobias Farnung, hat sich deutlich vom Inhalt des Leserbriefs distanziert. In einem Kommentar in der Samstagsausgabe schrieb er: „Es gibt Leserbriefe, über die man streiten kann. Und es gibt Leserbriefe, bei denen die Worte fehlen.“ Zwar dürfe jeder den CSD ablehnen, und niemand müsse die Veranstaltung gut finden. Doch der veröffentlichte Brief gehe weit darüber hinaus.

„Wer einen Terroranschlag auf eine Veranstaltung, bei der Menschen angegriffen, verletzt und sogar getötet werden, als ‚Signal des Himmels‘ und als ‚Aufruf zur Besinnung und Umkehr‘ bezeichnet, überschreitet eine Grenze“, so Farnung wörtlich. „Denn damit wird aus der Verurteilung einer Veranstaltung die religiöse Deutung eines Gewaltverbrechens als göttliche Botschaft.“ Den Opfern werde damit nachträglich ihre Würde genommen.

Warum die Zeitung den Leserbrief überhaupt abgedruckt hat, ließ die Redaktion offen. Eine Stellungnahme dazu gab es zunächst nicht. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf den Umgang von Medien mit diskriminierenden Zuschriften. Die Reaktionen des Bistums und des Chefredakteurs zeigen jedoch, wie groß die Empörung über die Äußerungen des Ruhestandspfarrers ist. Für die Diözese Fulda dürfte das Thema noch länger präsent bleiben, denn die Debatte über Religionsfreiheit und die Grenzen der Meinungsäußerung in kirchlichen Kontexten ist damit neu entfacht.

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