Bundespolizei registriert deutlich mehr Angriffe auf Zugpersonal
Bundespolizei: Deutlich mehr Angriffe auf Zugpersonal

Die Bundespolizei hat für das erste Halbjahr 2024 einen deutlichen Anstieg der Angriffe auf Zugpersonal verzeichnet. Insgesamt wurden 1.846 Übergriffe registriert – ein Zuwachs von rund 66 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Das geht aus der vorläufigen Statistik der Behörde hervor.

Zahl der verletzten Beschäftigten steigt

Bei den Angriffen wurden den Angaben zufolge 342 Beschäftigte verletzt, zwölf davon schwer. Die meisten Vorfälle ereigneten sich in Regionalzügen und S-Bahnen, insbesondere in Großstädten wie Berlin, Hamburg und München. Häufig seien Alkohol oder Drogen im Spiel, hieß es, aber auch verbale Entgleisungen wegen Verspätungen eskalierten zunehmend.

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) forderte sofortige Konsequenzen. Der Bundesvorsitzende Claus Weselsky bezeichnete die Entwicklung als „alarmierend“ und verlangte mehr Videoüberwachung, zusätzliches Sicherheitspersonal und ein verpflichtendes Deeskalationstraining für alle Beschäftigten im Zugbetrieb. Auch die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) sprach sich für ein Maßnahmenpaket aus, das Notrufknöpfe in Führerräumen und eine bessere Ausleuchtung von Bahnsteigen umfassen soll.

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Bundespolizei will Präsenz erhöhen

Als Reaktion auf die Zahlen kündigte die Bundespolizei an, ihre Präsenz in den besonders betroffenen Streckenabschnitten zu verstärken. Die Beamten sollen gezielt in Abendstunden und am Wochenende kontrollieren. Zudem werde die Zusammenarbeit mit den Landespolizeien intensiviert, teilte die Behörde mit. Man wolle alle rechtlichen Mittel ausschöpfen, um Täter zu identifizieren und zu belangen.

Die Deutsche Bahn verwies auf ihre eigenen Sicherheitsmaßnahmen. Ein Unternehmenssprecher sagte, Gewalt gegen Personal werde konsequent angezeigt. Das Unternehmen investiere jährlich rund 120 Millionen Euro in Sicherheitstechnik und -personal. Man setze neben Kameras auch auf mobile Sicherheitsteams, die bei Vorfällen schnell eingreifen könnten.

Bundesregierung prüft Verschärfung des Strafrechts

Im Bundesverkehrsministerium wird unterdessen über eine Verschärfung des Strafrechts nachgedacht. Angriffe auf Beschäftigte im öffentlichen Dienst und im öffentlichen Verkehr sollen künftig härter bestraft werden. Ein entsprechender Gesetzentwurf könnte nach Informationen aus Koalitionskreisen im Herbst vorgelegt werden. Rechtsexperten rechnen allerdings mit einem langwierigen Gesetzgebungsverfahren.

Die Opposition im Bundestag kritisierte die Bundesregierung für die angespannte Sicherheitslage. Die Unionsfraktion forderte eine Sondersitzung des Innenausschusses und mehr Kompetenzen für die Bundespolizei. Man dürfe die Beschäftigten im Schienenverkehr nicht im Stich lassen, hieß es in einer Pressemitteilung.

Belastung für das Zugpersonal nimmt zu

Die steigenden Übergriffe hinterlassen auch psychologische Spuren. Einer Umfrage der EVG zufolge gab ein erheblicher Teil der Beschäftigten an, unter Angstzuständen oder Schlafstörungen zu leiden. Viele zögen eine Versetzung in den Innendienst in Betracht. Die Gewerkschaften fordern deshalb nicht nur Sicherheitstechnik, sondern auch psychologische Unterstützung und eine bessere Personalausstattung.

Regionalunterschiede und Ausblick

Auf die einzelnen Bundesländer heruntergebrochen führen Nordrhein-Westfalen, Bayern und Berlin die Statistik an. In NRW wurden 410 Angriffe verzeichnet, in Bayern 280 und in Berlin 215. In dünner besiedelten Gebieten bleibt die Zahl zwar niedriger, dennoch ist auch dort ein Anstieg zu beobachten.

Die vorläufigen Zahlen könnten sich nach Abschluss aller Ermittlungen noch geringfügig ändern. Einen ausführlichen Jahresbericht will die Bundespolizei Anfang nächsten Jahres vorlegen. Experten erwarten, dass die Gesamtzahl für 2024 die Marke von 4.000 Angriffen überschreiten wird, wenn sich der Trend der ersten sechs Monate fortsetzt.

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