Zwei Tage nach dem Auto-Angriff auf den Christopher Street Day (CSD) im Berliner Tiergarten sind Notfallseelsorger der psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) im Einsatz. Ihre Aufgabe ist es, Opfer, Angehörige und Einsatzkräfte unmittelbar nach dem traumatischen Ereignis zu betreuen. „Ein Terroranschlag bleibt Teil des Lebens“, sagte ein Seelsorger vor Ort. „Wir helfen den Menschen, diesen Teil zu verarbeiten.“
Was Notfallseelsorger leisten
Die Helfer bieten psychologische Erste Hilfe an. Das bedeutet: Sie hören zu, stabilisieren und vermitteln ein Gefühl der Sicherheit. Anders als Therapeuten arbeiten sie nicht langfristig, sondern akut. „Wir sind die ersten Ansprechpartner nach dem Schock“, erklärte ein weiterer PSNV-Mitarbeiter. Die Einsatzkräfte der Berliner Polizei und Rettungsdienste werden ebenfalls betreut, da sie durch die Bergung von Verletzten und die Sicherung des Tatorts belastet sind.
Die psychosoziale Notfallversorgung im Detail
Die PSNV ist ein Netzwerk aus geschulten Freiwilligen und Hauptamtlichen, das bei Großschadenslagen wie dem CSD-Anschlag aktiviert wird. Die Notfallseelsorger haben in der Regel einen kirchlichen Hintergrund, sind aber offen für alle Konfessionen und Weltanschauungen. Ihre Arbeit gliedert sich in drei Phasen: die unmittelbare Betreuung am Einsatzort, die Nachsorge in den folgenden Tagen sowie die Vermittlung weiterführender professioneller Hilfe. „Wichtig ist, die Menschen nicht allein zu lassen“, betonte der Seelsorger.
Der Anschlag am Wochenende forderte mindestens vier Todesopfer und zahlreiche Verletzte. Die Täter steuerte ein Fahrzeug in die Menschenmenge auf der Festmeile. Die Polizei ermittelt wegen Terrorverdachts. Vor diesem Hintergrund ist die psychosoziale Unterstützung besonders herausfordernd, da die Betroffenen nicht nur mit persönlichem Leid, sondern auch mit der gesellschaftlichen Bedeutung der Tat konfrontiert sind.
Herausforderungen nach dem Anschlag
Die Notfallseelsorger berichten von großer Dankbarkeit, aber auch von tiefer Trauer und Wut unter den Betroffenen. „Manchen können wir nur zuhören, andere brauchen klare Orientierung“, so ein Helfer. Die Arbeit erfordere viel Empathie und gleichzeitig professionelle Distanz. „Wir sind keine Therapeuten, aber wir können den ersten Schritt zur Bewältigung begleiten.“ Die Nachsorge läuft noch mehrere Tage weiter, wobei die Seelsorger auch mit Opferhilfeeinrichtungen wie dem Weißen Ring kooperieren.
In Berlin ist die PSNV bereits seit Jahren bei Veranstaltungen wie dem CSD präsent, doch ein Angriff dieser Größenordnung sei neu. Die Einsatzkräfte ziehen eine positive Zwischenbilanz: Trotz der Schwere des Ereignisses sei es gelungen, allen akut Hilfesuchenden Unterstützung zu bieten.



