Ukrainerin begeistert mit Instagram-Kanal über Cottbus
Geflüchtete Ukrainerin wird Social-Media-Star in Cottbus

Als Diana Yukhimets vor vier Jahren nach Cottbus kam, wollte sie eigentlich nur bleiben, bis sich die Lage in ihrer Heimat beruhigt. Die gebürtige Poltawaerin, die zuletzt in Kiew lebte, wurde im Stadtteil Schmellwitz untergebracht. Der erste Eindruck war niederschmetternd: „Grau, schrecklich“, sagt sie heute lachend. „Kiew ist bunt, groß und schön. Millionenstadt. Und dann Cottbus. Das war eine Katastrophe.“

Doch inzwischen hat sich das Blatt gewendet. Mit ihrem Instagram-Kanal cottbus_heute erreicht die 29-Jährige Tausende Menschen, einzelne Videos werden hunderttausendfach abgerufen. Fast 11.000 Follower verfolgen ihre Beiträge – vor allem aus Cottbus, Berlin und Brandenburg. Sie zeigt den Branitzer Park, den Sachsendorfer Badesee, berichtet über lokale Veranstaltungen und stellt Menschen und Unternehmen vor. Vor allem aber verbreitet sie etwas, das in Debatten über Cottbus oft fehlt: Begeisterung.

Dass aus der anfänglichen Enttäuschung eine enge Verbundenheit werden würde, hätte sie anfangs nicht für möglich gehalten. Je mehr Kontakte sie knüpfte, desto mehr änderte sich ihr Blick. „Ich habe in verschiedenen Orten gelebt und weiß zu schätzen, was ich hier habe“, sagt sie. Inzwischen plant sie ein Picknick im Branitzer Park, organisiert Kunst-Events für Frauen – Malen bei Prosecco – und singt im ukrainischen Chor.

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Vom Hobby zur Reichweite

Die Idee für cottbus_heute entstand eher zufällig. Eine Freundin betreibt einen Instagram-Kanal über Senftenberg. „Da dachte ich: Das kann ich auch machen.“ Große Erwartungen hatte sie nicht, doch der Zuspruch kam schnell. Bereits im ersten Monat gewann sie rund 500 Follower. Besonders beeindruckt habe sie die Offenheit der Menschen. „Ich bin Ausländerin, spreche Deutsch mit slawischem Akzent und habe trotzdem viel Unterstützung bekommen.“

Das Erfolgsrezept liegt aus Sicht von Experten in der Authentizität. Steffen Schoch, Geschäftsführer von Heilbronn Marketing und Vorstandsmitglied des Bundesverbands City- und Stadtmarketing Deutschland (BCSD), sieht einen grundlegenden Wandel: „Das Stadtimage entsteht heute nicht mehr nur im Rathaus, in Tourismusorganisationen oder klassischen Medien.“ Vereine, Unternehmen und Influencer prägten das Bild einer Stadt immer stärker mit. Oft würden Nutzer diesen Inhalten sogar mehr vertrauen als offizieller Werbung.

Warum Zugezogene Städte anders sehen

Schoch beobachtet, dass Menschen, die neu in eine Stadt kommen, meist positiver auf deren Qualitäten blicken. „Wer neu in eine Stadt kommt, nimmt vieles bewusster wahr und sucht nach positiven Erlebnissen“, erklärt er. „Wer schon lange dort lebt, ärgert sich dagegen häufiger über Probleme.“ Für Cottbus kann er das aus eigener Erfahrung bestätigen. Er arbeitete in den 1990er Jahren dort – und erlebte die kritische Haltung vieler Einheimischer. Zugezogene hätten dagegen oft die Stärken der Region hervorgehoben: den Branitzer Park, den Spreewald, das Umfeld. „Sie können neue Geschichten erzählen und Qualitäten sichtbar machen, die für die Identität einer Stadt wichtig sind, aber oft unterschätzt werden.“

Im Spannungsfeld von Image und Realität

Dass Cottbus ein Imageproblem hat, weiß auch die Stadtverwaltung. Sprecher Jan Gloßmann sagt: „Als Stadt voller Energie(kompetenz) sehen wir uns durchaus; leider ist der Kontext meist der des Drecks der Braunkohle.“ Zudem sei der Ruf als Schwerpunkt rechtsextremistischer Aktivitäten leider nicht völlig unbegründet. In diesem Spannungsfeld bewegt sich auch Yukhimets. Unter ihren Videos finden sich Lob und Kritik. Ein Beitrag über das Leben in der knapp 100.000 Einwohner zählenden Stadt erreichte mehr als 700.000 Menschen. Negative Kommentare haben sie anfangs verletzt. „Beim ersten schlechten Kommentar habe ich geweint“, gesteht sie. Inzwischen ist sie gelassener – und macht aus manchen Hasskommentaren sogar neue Beiträge.

Ihre Verbundenheit drückt sie in einem bewegenden Statement aus: „Ich stehe hier morgens auf. Ich trinke meinen Kaffee hier. Ich warte auf die Straßenbahn. Ich lerne Menschen kennen. Ich höre ihre Geschichten. Ich habe hier neu angefangen. Diese Stadt ist Teil meines Weges geworden. Vielleicht bin ich nicht hier geboren. Aber ich habe mich entschieden, hier zu sein. Nicht für einen Moment, sondern für mein Leben.“

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Eine Chance für kleinere Städte

Für Stadtmarketing-Experten zeigt Yukhimets, wie soziale Medien das Bild einer Kommune verändern können. „Es ist eine Riesenchance“, sagt Schoch. Gerade kleinere Städte könnten davon profitieren, denn Nutzer bekämen ein konkreteres Bild vom Leben in der Stadt als über offizielle Informationen. Allerdings sei nicht alles, was dort transportiert werde, positiv. Auch Birgit Kunkel von der Tourismus-Marketing Brandenburg (TMB) sieht Vorteile: Influencer erreichten Zielgruppen, die klassische Kanäle kaum noch ansprechen, und genössen hohes Vertrauen. Zudem lieferten sie authentische Einblicke, die touristische Organisationen selbst kaum in dieser Vielfalt bieten könnten. Daniela Kerzel, Geschäftsführerin der CMT Cottbus Congress, Messe & Touristik GmbH, ergänzt: „Es werden Zielgruppen angesprochen, die wir nicht erreichen. Gut recherchierte Inhalte, die sympathisch präsentiert werden, können nur positiv sein.“

Zuhause angekommen

Yukhimets will mit ihrem Kanal weiter wachsen. Sie plant neue Formate, möchte Unternehmen vorstellen und Veranstaltungen organisieren. Ihr Ziel ist ein anderes Bild von Cottbus – eines, das zu der Stadt passt, die sie selbst kennengelernt hat. „Cottbus ist nicht New York und nicht die Malediven. Aber die Stadt hat große Perspektiven“, sagt sie. Den Cottbuser Ostsee, die Universität und viele junge Menschen sieht sie als Chancen für Tourismus und Entwicklung. „Wir müssen die Touristen jetzt hierherholen und Studenten zum Bleiben bewegen.“ Und sie richtet einen Appell an die Einheimischen: „Die Leute verstehen oft gar nicht, wie gut sie hier leben. Ich möchte zeigen: Ihr habt alles für ein gutes Leben.“