Gesundheitsreform: Drastische Folgen für Patienten
Gesundheitsreform: Drastische Folgen für Patienten

Die von der Bundesregierung beschlossene Gesundheitsreform wird für Patienten drastische Konsequenzen haben. Wie eine Analyse der Krankenkassen zeigt, müssen Versicherte künftig mit längeren Wartezeiten auf Arzttermine, höheren Zuzahlungen für Medikamente und einer Schließung vieler Kliniken rechnen. Die Reform, die zum 1. Januar 2025 in Kraft treten soll, zielt darauf ab, die Ausgaben im Gesundheitssystem zu senken, doch die Belastungen werden vor allem bei den Patienten liegen.

Längere Wartezeiten und weniger Krankenhäuser

Nach Berechnungen des Spitzenverbands der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) werden die Wartezeiten für Facharzttermine um durchschnittlich 30 Prozent steigen. Besonders betroffen sind ländliche Regionen, wo bereits jetzt jeder vierte Hausarztplatz unbesetzt ist. Die Reform sieht vor, dass Krankenhäuser mit geringer Auslastung geschlossen oder zu ambulanten Zentren umgewandelt werden. Schätzungen zufolge könnten bis zu 400 der rund 1.900 Kliniken in Deutschland betroffen sein.

„Die Reform wird zu einer Zweiklassenmedizin führen“, warnt Dr. med. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer. „Wer es sich leisten kann, wird schneller einen Termin bekommen, andere werden abgewiesen.“ Diese Aussage unterstreicht die wachsende Sorge unter Medizinern, dass die Versorgung für einkommensschwache Patienten erheblich schlechter wird.

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Höhere Zuzahlungen und neue Gebühren

Zusätzlich müssen Patienten mit höheren Zuzahlungen rechnen. Die Praxisgebühr, die 2012 abgeschafft wurde, soll in modifizierter Form wieder eingeführt werden: zehn Euro pro Quartal und Arztbesuch. Auch für Medikamente steigt die Zuzahlung von fünf auf sieben Euro pro Packung. Bei chronisch Kranken, die regelmäßig mehrere Medikamente benötigen, können die jährlichen Mehrkosten schnell 200 Euro übersteigen.

Die Reform sieht zudem vor, dass bestimmte Leistungen wie Krankengymnastik oder Psychotherapie nur noch nach vorheriger Genehmigung durch die Krankenkasse erfolgen. Dies könnte zu weiteren Verzögerungen führen, da die Kassen mehr Anträge prüfen müssen. Laut GKV-Spitzenverband werden die Verwaltungskosten der Kassen um rund 15 Prozent steigen, was letztlich wieder zu höheren Beiträgen führen könnte.

Auswirkungen auf die Versorgung

Die Schließung von Krankenhäusern wird vor allem in strukturschwachen Regionen die Notfallversorgung gefährden. Der Deutsche Landkreistag warnt, dass im Notfall weitere Anfahrtswege von bis zu 30 Minuten entstehen könnten. Für ältere Menschen und Menschen mit Behinderung sei das eine unzumutbare Belastung. Die Reform sieht zwar einen Rettungsschirm für ländliche Kliniken vor, doch die Kriterien sind so streng, dass viele Häuser ihn nicht nutzen können.

Die Krankenkassen argumentieren, dass die Reform notwendig sei, um das System zukunftsfest zu machen. Der GKV-Spitzenverband verweist auf die demografische Entwicklung: Bis 2030 werden rund 20 Prozent mehr ältere Patienten erwartet, während gleichzeitig Fachkräfte fehlen. „Ohne Reform würde das System kollabieren“, sagt eine Sprecherin. Doch die geplanten Maßnahmen treffen vor allem diejenigen, die ohnehin am stärksten auf das Gesundheitssystem angewiesen sind.

Kritik von Ärzten und Patientenverbänden

Ärzteverbände und Patientenorganisationen üben scharfe Kritik. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) sieht die Qualität der Versorgung gefährdet. „Die Reform ist ein Sparprogramm auf dem Rücken der Patienten“, so der DKG-Präsident. Auch der Sozialverband VdK fordert Nachbesserungen und verweist auf Umfragen, wonach 85 Prozent der Deutschen eine Verschlechterung der Versorgung befürchten.

Die Bundesregierung verteidigt die Reform. Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) betont, dass die Beiträge stabil bleiben und die Versorgung effizienter werde. Er verweist auf die Einführung von digitalen Gesundheitsanwendungen und die Stärkung der Hausarztzentren. Doch die Kritiker halten dies für unzureichend, um die strukturellen Probleme zu lösen.

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Was Patienten jetzt wissen müssen

Bis die Reform in Kraft tritt, können Patienten noch von den bestehenden Regelungen profitieren. Es empfiehlt sich, geplante Behandlungen wie Operationen oder Therapien möglichst noch in diesem Jahr durchzuführen, um den neuen Gebühren zu entgehen. Auch der Wechsel der Krankenkasse könnte sich lohnen, da einige Kassen bereits jetzt Zusatzbeiträge senken, um Mitglieder zu halten.

Die Reform wird das Gesundheitssystem grundlegend verändern. Ob sie die erhofften Einsparungen bringt, ist fraglich. Fest steht: Für Patienten wird es teurer und die Versorgung wird ungleicher. Die Politik ist gefordert, die sozialen Folgen abzufedern, bevor es zu einer Spaltung der Gesellschaft kommt.