In Kalifornien arbeiten ausgewählte Häftlinge als Strandwärter an beliebten Küstenabschnitten. Das Programm, das vom kalifornischen Justizvollzug in Zusammenarbeit mit der Küstenwache ins Leben gerufen wurde, verfolgt das Ziel, die Resozialisierung von Strafgefangenen zu fördern und ihnen eine Perspektive nach der Entlassung zu bieten.
Was ist das Programm?
Das Programm ermöglicht es Insassen mit guter Führung, sich für den Einsatz als Strandwärter zu bewerben. Die Teilnehmer werden speziell geschult und übernehmen Aufgaben wie die Überwachung von Badegästen, die Durchsetzung von Sicherheitsregeln und die Unterstützung bei Notfällen. Sie tragen eine einheitliche Kleidung und sind deutlich als Teil des Programms erkennbar.
Die Auswahlkriterien sind streng: Nur Häftlinge, die sich durch vorbildliches Verhalten im Gefängnis ausgezeichnet haben und keine Gewaltdelikte begangen haben, kommen infrage. Zudem müssen sie körperlich fit sein und einen Erste-Hilfe-Kurs absolvieren.
Erfolge und Zahlen
Seit Beginn des Programms im Jahr 2015 haben über 200 Häftlinge daran teilgenommen. Die Rückfallquote unter den Teilnehmern liegt bei nur 15 Prozent, während sie im landesweiten Durchschnitt bei über 40 Prozent liegt. Diese Zahlen belegen den Erfolg der Initiative.
„Das Programm gibt den Männern und Frauen nicht nur eine Chance, sondern auch ein Gefühl von Verantwortung und Stolz“, sagt Michael Johnson, Sprecher der kalifornischen Justizvollzugsbehörde. „Viele von ihnen haben zum ersten Mal das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun.“
Wie läuft der Einsatz ab?
Die Strandwärter arbeiten in Schichten von acht Stunden an Stränden wie Venice Beach oder Santa Monica. Sie werden von regulären Rettungsschwimmern begleitet und stehen in ständigem Funkkontakt. Die Aufgaben umfassen auch die Durchführung von Rettungsaktionen bei starkem Wellengang oder die Versorgung von Verletzten bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes.
Die Teilnehmer erhalten für ihre Arbeit eine geringe Vergütung, die sie auf einem Konto ansparen können. Dieses Geld steht ihnen nach ihrer Entlassung zur Verfügung und soll den Start in ein neues Leben erleichtern.
Kritik und Herausforderungen
Das Programm ist nicht unumstritten. Kritiker bemängeln, dass Häftlinge für ihre Arbeit nur einen Bruchteil des üblichen Lohns erhalten und dass die Arbeitgeber von der billigen Arbeitskraft profitieren. Befürworter hingegen betonen den Resozialisierungseffekt und verweisen auf die niedrige Rückfallquote.
Ein weiteres Problem ist die Sicherheit: Die Strandwärter haben zwar keine Aufsichtsbefugnisse, müssen aber dennoch in Konfliktsituationen eingreifen. Bisher gab es keine Zwischenfälle, was auf die strenge Auswahl und die gute Schulung zurückgeführt wird.
Ausblick
Die kalifornische Regierung plant, das Programm auf weitere Strände und sogar auf andere Bereiche wie die Betreuung von Campingplätzen auszuweiten. Die Nachfrage von Seiten der Häftlinge ist groß, und die Erfolgszahlen sprechen für sich.
Das Modell könnte auch in anderen US-Bundesstaaten Schule machen. Erste Gespräche mit Behörden aus Florida und Texas laufen bereits. Sollte sich das Konzept durchsetzen, könnte es einen wichtigen Beitrag zur Reform des Strafvollzugs leisten.



