In Augsburg-Göggingen spitzt sich ein Konflikt zu: Auf dem Gelände der Hessing-Kliniken soll ein neuer Parkplatz entstehen – geplant ist eine Kiesfläche. Genau diese Fläche liegt in unmittelbarer Nähe der Kleingartenanlage, und die Anwohnerinnen und Anwohner fürchten, dass ihre Parzellen geopfert werden. Nach einem Bericht der Augsburger Allgemeinen sind schätzungsweise 80 der rund 120 Parzellen von den Umplanungen betroffen. Die genauen Pläne sind noch nicht öffentlich, doch die Sorge ist groß.
Hessing-Klinik braucht mehr Parkraum
Die Hessing-Kliniken in Augsburg sind ein bedeutender Arbeitgeber und überregional bekannt. Angesichts wachsender Patienten- und Besucherzahlen reicht die bestehende Parkplatzsituation nicht mehr aus. Gestaltungsideen sehen vor, eine bisher unbebaute Fläche am Rand des Klinikgeländes zu schottern und als offenen Stellplatz zu nutzen. Das klingt nach einer einfachen Lösung, stößt aber auf massiven Widerstand: Die betroffene Grünfläche ist Teil der Kleingartenanlage, die seit Jahrzehnten von Familien bewirtschaftet wird.
„Wir haben hier nicht nur ein paar Beete; wir haben einen Ort der Erholung geschaffen“, wird eine langjährige Pächterin zitiert. „Viele von uns sind auf die Gärten angewiesen – sei es für die eigene Versorgung mit Obst und Gemüse oder für das Stück Natur, das in der Stadt sonst fehlt.“ Die emotionale Bindung ist spürbar, und die Unsicherheit über die Zukunft der Anlage lähmt inzwischen die Planungen vieler Gartenmitglieder.
Rechtliche Lage: Kleingärten sind besonders geschützt
Kleingärten genießen in Deutschland einen besonderen Schutz. Das Bundeskleingartengesetz sieht vor, dass eine Kündigung nur aus wichtigen Gründen und in der Regel nur mit Ersatzland möglich ist. Die Stadt Augsburg ist sich dieser rechtlichen Beschränkungen bewusst. Ein Sprecher der Stadtverwaltung erklärte, man prüfe derzeit, ob die geplanten Maßnahmen des Klinikbetreibers mit den geltenden Vorschriften vereinbar seien.
Allerdings drängt die Zeit. Die Hessing-Kliniken haben bereits angekündigt, ihre Parkplatzsituation noch in diesem Jahr zu entschärfen zu wollen. Die Kleingärtner befürchten daher, dass Fakten geschaffen werden, bevor die Politik überhaupt gehört hat. Deshalb haben sie eine Online-Petition gestartet, die binnen weniger Tage hunderte Unterschriften gesammelt haben soll.
Ökologische Folgen: Kiesfläche statt Grünland
Neben den sozialen Aspekten spielen auch umweltpolitische Fragen eine Rolle. Eine Kiesfläche mag auf den ersten Blick umweltfreundlich wirken, weil sie unversiegelt ist. Tatsächlich aber kann Schotter eine starke Aufheizung bewirken und trägt zur Versiegelung im weiteren Sinn bei. Bei diesem Vorhaben würden zudem wertvolle Baum- und Strauchflächen verloren gehen, die Insekten und Vögeln Lebensraum bieten.
Stadtökologen fordern regelmäßig, Flächen in den Innenhöfen zu entsiegeln und zu begrünen. „Ein Schritt zurück zur Natur ist wichtiger denn je“, so ein Umweltaktivist in dem Artikel. Die geplante Kiesfläche stehe genau für das Gegenteil. Die Anwohnerinnen und Anwohner hoffen, dass die Stadt ihre Verantwortung für ein lebenswertes Augsburg ernst nimmt und die Gartenanlage erhält.
Alternativen auf dem Prüfstand
Die Kleingartenanlage selbst hat bereits einen Vorschlag vorgelegt: Statt der Fläche in Schotter zu verwandeln, sollen die vorhandenen Parkplätze effizienter genutzt und ein Parkdeck auf dem bestehenden Klinikparkplatz errichtet werden. Ein solches Bauwerk wäre zwar in der Errichtung teurer, böte aber mehr Stellplätze und würde die natürlichen Grünflächen weitgehend schonen.
Die Stadt hat angekündigt, diese Alternative zu prüfen. Eine Entscheidung wird frühestens im nächsten Ausschuss für Stadtentwicklung fallen. Bis dahin bleibt die Situation für die Betroffenen angespannt. „Wir hoffen, dass die Vernunft siegt“, sagt eine weitere Pächterin. „Wir wollen unseren Teil zur grünen Stadt beitragen und nicht verdrängt werden.“
Der Konflikt zeigt exemplarisch, wie schwer sich Städte mit der Vereinbarkeit von Wirtschaft und Lebensqualität tun. In Göggingen geht es um mehr als nur Parkplätze – es geht um die Frage, welchen Stellenwert Grün und Gemeinschaft in der urbanen Zukunft haben werden. Bis zu einer Lösung müssen sich alle Seiten noch gedulden.



