Queerer Jugendverband Lambda verliert Förderung: Hilfe für suizidgefährdete Jugendliche gefährdet
Lambda verliert Förderung: Hilfe für queere Jugendliche in Gefahr

Die Streichung der jährlichen Förderung in Höhe von rund 380.000 Euro durch das Bundesfamilienministerium bringt den queeren Jugendverband Lambda an den Rand des Aus. Geschäftsführerin Trau erklärte im Interview, dass ohne die Mittel die professionelle Beratung für Jugendliche mit Suizidgedanken nicht mehr aufrechterhalten werden könne. Die Entscheidung von Familienministerin Karin Prien (CDU) sei völlig überraschend gekommen, es habe kein Gesprächsangebot gegeben.

Überraschende Kürzung ohne Vorwarnung

Lambda arbeitet seit 36 Jahren vertrauensvoll mit dem Ministerium zusammen. Die Mitteilung über das Aus der Förderung zum Jahresende traf den Verband völlig unerwartet. „Ich hätte gern mal mit Frau Prien oder ihrer Staatssekretärin gesprochen und gefragt, was das Problem ist und ob es Verbesserungsvorschläge zu unserer Arbeit gibt. Das wurde uns bisher nicht angeboten“, so die Geschäftsführerin. Sie vermutet, dass Lambda gezielt herausgegriffen wurde, da andere Jugendverbände keine vergleichbaren Kürzungen erfahren haben. „Geht es darum, zu sagen: Mit Queerness wollen wir nichts zu tun haben? Ich weiß es nicht.“

Folgen für queere Jugendliche

Lambda bietet queeren Jugendlichen professionelle Beratung bei persönlichen Problemen, Mobbing, Gewalt und Unsicherheiten während des Coming-outs. Zudem organisiert der Verband Veranstaltungen und betreibt ein digitales queeres Jugendzentrum als Alternative zu kommerziellen sozialen Medien. „Wir können dann keine Jugendberatung mehr anbieten, denn dazu brauchen wir Fachkräfte, die bezahlt werden müssen. Bei uns melden sich viele Jugendliche mit Suizidgedanken oder Gewalterfahrung. Wir können es nicht verantworten, die von Ehrenamtlichen beraten zu lassen, und können ihnen dann nicht mehr helfen“, warnt Trau. Besonders im ländlichen Raum fehle es an alternativen Anlaufstellen.

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Das Ministerium verweist auf die Möglichkeit, Projektmittel zu beantragen. Doch die Geschäftsführerin entgegnet: „Das kann die Strukturen nicht ersetzen. Wer soll die Förderanträge stellen, wenn wir kein Personal mehr beschäftigen können?“

Appell an die Politik

Trotz der angespannten Lage hofft Trau auf ein Umdenken. „Ich suche nach Signalen, aber von Tag zu Tag schwindet meine Hoffnung. Wir erleben viel Zuspruch aus der Community. Vielleicht kann der öffentliche Druck etwas bewirken.“ Sie appelliert an die Verantwortlichen, die Streichung zu überdenken und eine gemeinsame Lösung zu finden. „Für Deradikalisierung ist jetzt Geld da. Aber nur bei den potenziellen Täter*innen anzusetzen, greift zu kurz. Wir Queers sind täglich die Zielscheibe von Hass und Gewalt. Die Antwort darauf muss doch sein, die queere Selbstorganisation und Unterstützungsangebote zu stärken.“

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