Die 17-jährige Karla Ackmann aus Aachen wurde von einer Leihmutter in den USA geboren. Im Interview mit dem SPIEGEL erzählt sie, wie sie aufwuchs und wann sie zum ersten Mal verstand, wie besonders ihre Geburt war. „Es ist ein schönes Gefühl zu wissen, dass meine Eltern mich auf jeden Fall wollten“, sagt die Jugendliche.
Ein besonderer Start ins Leben
Karla Ackmann und ihr Bruder kamen in den USA zur Welt – dank einer Leihmutter. Für die Familie aus Aachen war das der einzige Weg, ein Kind zu bekommen. Karla wuchs ganz normal in Deutschland auf, doch ihre Geburtsgeschichte war immer präsent. „Meine Eltern haben mir schon früh erklärt, wie ich entstanden bin“, erinnert sie sich.
Die Eltern der 17-Jährigen hatten lange mit unerfülltem Kinderwunsch gekämpft. In Deutschland ist Leihmutterschaft gesetzlich verboten, daher suchten sie Hilfe in den USA, wo das Verfahren in vielen Bundesstaaten legal ist. „Für meine Eltern war es eine große Reise, aber auch eine große Hoffnung“, berichtet Karla.
Das erste Verständnis der Besonderheit
Der Moment, in dem Karla wirklich begriff, wie besonders ihre Geburt war, kam in der Grundschule. „Ich habe gemerkt, dass nicht alle Kinder so entstehen wie ich“, sagt sie. Im Unterricht wurde über Familien gesprochen, und sie erzählte von ihrer Leihmutter. Die Reaktionen waren gemischt – von Verwunderung bis Neugier.
Heute geht Karla offen mit ihrer Geschichte um. Sie betont, wie wichtig es ist, dass Eltern ihren Kindern die Wahrheit sagen. „Es ist besser, die Wahrheit zu kennen, als später überrascht zu werden“, erklärt sie. Ihre Eltern haben ihr nie etwas verschwiegen, und das schätzt sie sehr.
Das Gefühl, gewollt zu sein
Für Karla ist das Wissen, dass ihre Eltern sie unbedingt wollten, ein zentrales Gefühl in ihrem Leben. „Das gibt mir Sicherheit und Selbstvertrauen“, sagt sie. Die 17-Jährige sieht ihre Leihmutter nicht als „zweite Mutter“, sondern als eine Frau, die ihren Eltern einen großen Wunsch erfüllt hat.
Sie hat keinen Kontakt zu ihrer Leihmutter, aber sie ist dankbar. „Ohne sie wäre ich nicht hier“, sagt Karla. Ihre Eltern haben ihr auch Fotos und Geschichten von der Zeit in den USA gezeigt, was ihr hilft, ihre Herkunft besser zu verstehen.
Blick in die Zukunft
Karla Ackmann steht kurz vor ihrem Abitur und hat schon Pläne für die Zukunft. Sie möchte Medizin studieren, um anderen Menschen zu helfen – vielleicht auch bei Themen wie Fruchtbarkeit. „Ich habe erlebt, wie sehr sich Eltern ein Kind wünschen können“, sagt sie.
Ihre Geschichte möchte sie teilen, um anderen Familien Mut zu machen, die ähnliche Wege gehen. „Es ist ein langer Weg, aber es lohnt sich“, betont sie. Die 17-Jährige ist sich sicher, dass ihre besondere Geburt sie zu der Person gemacht hat, die sie heute ist.
Ein Leben zwischen Normalität und Besonderheit
Im Alltag ist Karla eine ganz normale Teenagerin – sie trifft Freunde, geht zur Schule und hat Hobbys. Doch ihre Geschichte macht sie auch besonders. „Manchmal vergesse ich, dass meine Geburt ungewöhnlich war, aber dann erinnern mich andere daran“, sagt sie lächelnd.
Ihre Eltern haben immer dafür gesorgt, dass sie sich geliebt und gewollt fühlt. „Das ist das Wichtigste“, sagt Karla. Sie hofft, dass ihre Geschichte dazu beiträgt, das Thema Leihmutterschaft in Deutschland offener zu diskutieren.



