Als VIP-Flugbegleiterin erlebte Katharina Chiao-Li Fuchs die Schattenseiten des Jetset-Lebens. Hinter dem Glanz wartete das Unfassbare. Zweieinhalb Jahre lang arbeitete die Wahl-Berlinerin als Flugbegleiterin auf Privatjets und begleitete Millionäre, Royals und Hollywoodstars rund um den Globus. Mit unserer Redaktion sprach sie offen über ihre Erfahrungen – und zeichnet ein Bild, das wenig mit Hochglanz und viel mit menschlichen Abgründen zu tun hat.
Der Job: 21 Tage im Monat unterwegs
Der Einstieg in den Job kam eher zufällig. Ein Unternehmen in Hamburg suchte Flugbegleiterinnen. Katharina war Anfang 30, ungebunden und offen für einen Neuanfang. „Es hat einfach gepasst“, erinnert sie sich. Schnell wurde ihr Alltag von einem engen Takt bestimmt: Bis zu 21 Tage im Monat war sie unterwegs, die Ziele waren überall auf der Welt verteilt, darunter Südfrankreich, Saudi-Arabien, Russland und Marokko.
90 Prozent der Passagiere behandelten sie schlecht
An Bord: ausschließlich sehr wohlhabende Passagiere. „Wer sich einen Privatjet leisten kann, gehört zweifellos zur obersten Schicht der Gesellschaft“, sagt Katharina. Doch Reichtum, so ihre Erfahrung, gehe nicht automatisch mit Anstand einher. „90 Prozent der Passagiere haben mich wie Dreck behandelt.“
Mutter warf Messer nach ihr
Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr eine fünfköpfige Familie, die sie herumkommandierte, als ob Katharina ihre Sklavin wäre: „Die Mutter hat irgendwann ein Messer nach mir geworfen, weil ihr der Service zu langsam war“, erzählt die 36-Jährige. Solche Situationen musste Katharina damals größtenteils alleine bewältigen – als einzige Flugbegleiterin an Bord, zuständig für bis zu 14 Passagiere.
Kinder: „Richtige Satansbraten“
Auch Kinder stellten sie häufig vor Herausforderungen. „Viele waren richtige Satansbraten“, sagt sie. Höflichkeit sei selten gewesen, stattdessen hätten die Kinder herablassend mit ihr gesprochen, ihr Befehle erteilt. Ein Vorfall habe sich besonders in ihr Bewusstsein eingebrannt: „Ein etwa neunjähriger Junge war so krass drauf. Irgendwann hat er einfach zwischen den Sitzen sein großes Geschäft verrichtet. Wahrscheinlich wollte er um jeden Preis die Aufmerksamkeit seiner Mutter erregen, die ihn einfach komplett ignorierte.“ Doch statt sich um ihr Kind zu kümmern, hätte die Mutter zu Katharina lediglich gesagt, sie als Flugbegleiterin solle das Ganze wieder sauber machen. Generell hätten viele Kinder kaum Kontakt zu ihren Eltern gehabt. Stattdessen reisten sie mit Nannys – manchmal sogar mit mehreren pro Kind. „Die Eltern wollten ihre Ruhe“, sagt Katharina.
Sexuelle Übergriffe und Drogen
Neben solchen Erfahrungen erlebte sie auch Situationen, die ihr bis heute unangenehm sind. Einmal wurde sie Zeugin von Oralverkehr zwischen einem älteren Geschäftsmann und seiner deutlich jüngeren Begleiterin – mitten in der Kabine. „Es war mir extrem peinlich, aber die beiden hat das überhaupt nicht gestört.“ Auch Escort-Damen seien regelmäßig an Bord gewesen. „Viele reiche Männer haben sich Frauen einfach einfliegen lassen, auch wenn es nur für eine Nacht war“, schildert Katharina.
Auch die Wünsche der Passagiere hätten oft zwischen Exzess und Bodenständigkeit geschwankt. „Viele haben sich Drogen gewünscht, Marihuana, aber auch Kokain. Champagner und Kaviar standen ebenfalls hoch im Kurs“, erzählt Katharina. Gleichzeitig habe es immer wieder überraschend einfache Bestellungen gegeben: „Eine Sängerin wünschte sich lediglich frittiertes Hähnchen.“
Präsidentensohn bedrängte sie massiv
Besonders drastisch verlief für Katharina ein Flug mit dem Sohn eines Präsidenten. Der junge Mann betrank sich an Bord und bedrängte Katharina massiv. „Er hat mich ständig angemacht und wollte, dass ich mit ihm ausgehe“, erinnert sich die 36-Jährige. Als sie ablehnte, eskalierte die Situation: „Er warf mir einen Batzen Geld ins Gesicht. Er schrie, er wolle mir neue Brüste und einen neuen Hintern bezahlen.“ Schließlich verschanzte sich Katharina in der Bordküche. „Er hat die Tür eingetreten, doch zum Glück hatte ich vorher den Kapitän informiert.“ Der Pilot griff ein, schrie den Präsidentensohn an und setzte ihn anschließend auf eine interne Blacklist. Der Präsidentensohn durfte also nicht mehr mit diesem Privatjet fliegen. „Bei diesem Flug fürchtete ich wirklich um meine Sicherheit“, erzählt Katharina.
Positive Erinnerungen und Ausstieg
Doch nicht alle Erinnerungen sind negativ. Eine Begegnung ist Katharina besonders positiv im Gedächtnis geblieben: ein zwölfjähriges Mädchen, das alleine von Moskau nach London flog. „Sie war einsam und hat mich gebeten, mich zu ihr zu setzen.“ Die beiden unterhielten sich den gesamten Flug. „Das Mädchen war unglaublich höflich und gut erzogen.“
Heute hat Katharina der Branche den Rücken gekehrt. Die Belastung sei zu groß gewesen – körperlich und psychisch. Auch finanziell habe sich der Job kaum gelohnt. „Ich habe nicht einmal 2000 Euro netto verdient, dafür, dass ich ständig unterwegs war und mich so behandeln lassen musste.“ Trinkgeld habe es so gut wie nie gegeben. „Vielleicht dreimal in zweieinhalb Jahren.“ Ihr Fazit fällt ernüchternd aus: „Die Leute waren zwar mega-reich – aber für ein bisschen Respekt hat es oft nicht gereicht.“



