Mahnwache im Tiergarten: Trauer und Wut nach CSD-Anschlag
Mahnwache im Tiergarten nach CSD-Anschlag

Eine Woche nach dem islamistischen Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) hat Berlin im Tiergarten der Opfer gedacht. Rund 800 Menschen versammelten sich am Sonntagabend zu einer Mahnwache – nur wenige Meter von dem Ort entfernt, an dem ein Attentäter zuvor eine Mutter getötet und mindestens 31 weitere Menschen verletzt hatte.

Blumen, Kerzen und Tränen im Tiergarten

Absperrungen und ein Großaufgebot der Polizei sicherten die Veranstaltung ab. Die Teilnehmer legten Rosen, Sonnenblumen und Kränze nieder, zündeten Kerzen an und umarmten sich. Viele weinten ungeachtet der öffentlichen Kulisse. Ein Sprecher des Lesben- und Schwulenverbands (LSVD) Berlin-Brandenburg sprach auf der Bühne von einem „schrecklichen Anschlag auf unsere Community“. Man habe sich versammelt, um „innezuhalten und zu trauern“. In der LGBTQ-Szene, so der Sprecher, „überwiegt etwas zwischen Trauer und Wut und wir fühlen uns ohnmächtig“.

Auch zahlreiche Politiker reihten sich in die Trauergemeinschaft ein. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und sein SPD-Herausforderer Steffen Krach wohnten der Mahnwache bei. Besonders emotional wurde es, als ein Trompeter „Somewhere over the Rainbow“ spielte – ein Zeichen der Hoffnung inmitten der Trauer.

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„Ein unfassbarer Akt der Gewalt“

Julia Miosga vom CSD Berlin e.V. verurteilte die Tat scharf: „Ein unfassbarer Akt der Gewalt hat einen Menschen aus unserer Mitte gerissen, eine Mutter, und mindestens 31 weitere verletzt. Wir sind bestürzt und unendlich traurig über diesen islamistischen Anschlag im Umfeld unseres CSDs.“ Sie betonte, der Anschlag zeige, dass der CSD noch immer zu Recht eine Demonstration sei. „Und auch ein Kampf.“ Hass verletze und töte, so Miosga weiter. Hinter derartigen terroristischen Gewalttaten stecke der Versuch, „unsere Gesellschaft zu spalten und Menschen aufzuhetzen“. Man benenne islamistischen Terror klar, lehne jede Relativierung ab und stelle sich zugleich jedem Versuch entgegen, „die Tat für Hass gegen den Islam zu instrumentalisieren“.

Botschaften am Rande: „Islamism kills“ und „We will dance again“

Am Rande der Mahnwache sorgten einige Teilnehmer für Aufsehen. Drei zum Teil vermummte Aktivisten hielten ein Banner mit der Aufschrift „Islamism kills“ hoch. Auf einem Pappschild versprachen sie: „We will dance again“ – eine Anspielung auf den Song von Boy George, der an das Massaker auf dem Nova-Festival am 7. Oktober 2023 an der Grenze zum Gazastreifen erinnert. Hinter ihnen schwenkte eine Person eine Flagge mit dem Logo „Antihomophobe Aktion“.

„Wer Hass predigt, greift Demokratie an“

Doreen Hoffmann vom CSD Deutschland nannte den Anschlag einen „menschenverachtenden, hinterhältigen Anschlag eines Extremisten“. Sie machte ihrer Wut Luft: „Ich bin auch wütend, wütend auf Extremisten, egal ob auf politische oder religiöse Fanatiker. Wer Hass predigt und Gewalt legitimiert, der greift immer unsere Demokratie und Menschenwürde an.“ Die Mahnwache endete mit einem stillen Gedenken – und dem gemeinsamen Versprechen, sich nicht einschüchtern zu lassen.

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