Mallorca: Demo gegen Massentourismus eskaliert in Randale
Mallorca-Proteste gegen Massentourismus enden in Randale

Die seit Wochen schwelende Unzufriedenheit auf Mallorca hat sich am Samstag in einem gewaltsamen Ausbruch entladen. Was als friedlicher Protest gegen den Massentourismus begann, endete in der Nacht mit schweren Randalen in der Inselhauptstadt Palma. Laut Berichten der Nachrichtenagentur Reuters zogen zunächst Tausende Einheimische durch das Zentrum, um gegen die ausufernde Tourismusindustrie zu demonstrieren. Am späten Abend kippte die Stimmung jedoch, als eine Gruppe von Randalierern Barrikaden errichtete, Geschäfte angriff und die Polizei mit Steinen bewaffnete.

Friedlicher Start der Protestaktion

Die Demonstration begann am Nachmittag unter dem Motto „Mallorca gehört den Mallorquinern“ und verlief zunächst ohne Zwischenfälle. Die Teilnehmer, darunter viele Familien und Jugendliche, zogen vom Plaça d'Espanya zur Kathedrale La Seu. Sie forderten eine Begrenzung der Besucherzahlen, strengere Regeln für Ferienwohnungen und einen Schutz der natürlichen Ressourcen. Laut Veranstaltern beteiligten sich rund 10.000 Menschen – eine der größten Protestaktionen der letzten Jahre auf der Baleareninsel. Die Polizei schätzte die Zahl auf etwa 8.000. Die Stimmung war zunächst ausgelassen, mit Transparenten und Sprechchören.

Eskalation in der Nacht

Gegen 22 Uhr änderte sich die Lage schlagartig. Aus der Menge heraus attackierten vermummte Personen mehrere Hotels und Restaurants in der Altstadt von Palma. Sie zertrümmerten Fensterscheiben, beschmierten Fassaden und setzten Mülltonnen in Brand. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Schlagstöcke ein, um die Randalierer auseinanderzutreiben. Nach Angaben der örtlichen Behörden wurden mindestens 15 Polizisten verletzt, einer von ihnen schwer. Es gab zudem zahlreiche Festnahmen, deren genaue Zahl die Polizei nicht nennen wollte. Reuters berichtete von mindestens 20 vorläufigen Festnahmen.

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Hintergrund des Protests

Mallorca leidet seit Jahren unter den Folgen des Massentourismus. Die Einwohner beklagen steigende Mietpreise, Umweltbelastungen und eine Verdrängung des Alltagslebens. Allein im Jahr 2025 besuchten rekordverdächtige 15 Millionen Touristen die Insel. Die Bewegung gegen den Overtourism hat in den letzten Monaten an Zulauf gewonnen. Ähnliche Proteste gab es auch auf anderen Baleareninseln wie Ibiza und Menorca. Die Regierung der Balearen hat zwar neue Beschränkungen für Ferienwohnungen erlassen, doch viele Einheimische fordern drastischere Maßnahmen.

Reaktionen und Ausblick

Die Polizei verstärkte in der Nacht ihre Präsenz in Palma und nahm weitere Streifen aus dem Umland in Dienst. Der Bürgermeister der Stadt verurteilte die Gewalt und sprach von „einer Schande für die friedlichen Demonstranten“. Er kündigte eine Aufarbeitung der Ereignisse an. Die Protestbewegung selbst distanzierte sich von den Randalierern. „Wir haben friedlich protestiert, diese Gewalttäter sind nicht Teil unserer Bewegung“, sagte ein Sprecher der Organisatoren. Die Ausschreitungen könnten jedoch das Image der Insel weiter belasten, die stark vom Tourismus abhängt. Ob die Regierung nun härter durchgreift oder auf die Forderungen der Einheimischen eingeht, bleibt abzuwarten.

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