Der Pazifikstaat Nauru hat sich nach mehr als 130 Jahren offiziell in Naoero umbenannt. Die Verfassungsänderung wurde im Mai einstimmig vom Parlament beschlossen, ohne das ursprünglich geplante Referendum. Bereits Ende Juni meldete die Regierung den neuen Namen den Vereinten Nationen, Ende Juli folgte die öffentliche Ankündigung. Präsident David Adeang erklärte, die Umbenennung diene dazu, „das Vermächtnis unserer Ahnen und die Zukunft unserer Kinder zu sichern“.
Warum die Umbenennung?
Der Name „Nauru“ entstand, weil europäische Siedler den echten Namen der Insel nicht aussprechen konnten. In einer offiziellen Erklärung der Regierung heißt es: „Der Name wurde nicht nach unserem Wunsch verändert, sondern, weil es für andere einfacher war.“ Das Deutsche Reich hatte die Insel 1888 unter seine Kontrolle gebracht, später übernahm Australien die Verwaltung, und während des Zweiten Weltkriegs besetzten japanische Truppen das Eiland. Über Jahrzehnte bestimmten fremde Mächte den internationalen Namen. Mit der Rückkehr zu Naoero – ausgesprochen etwa „nah-oh-EH-roh“ – kehrt der Inselstaat zu seinem ursprünglichen Namen zurück.
Naoero: Ein Staat mit bewegter Geschichte
Nauru zählt mit rund 12.000 Einwohnern auf 21 Quadratkilometern zu den kleinsten Staaten der Welt. In den 1970er Jahren gehörte die Insel dank ihrer Phosphatreserven zu den wohlhabendsten Nationen gemessen am Pro-Kopf-Einkommen. Doch der intensive Abbau hinterließ eine zerklüftete, kaum nutzbare Landschaft. Heute muss der Staat Trinkwasser und Nahrungsmittel importieren. Dazu kommt der ansteigende Meeresspiegel, der die tief gelegene Insel erheblich gefährdet. Kritische Stimmen in sozialen Medien spotteten über die Kosten für neues Briefpapier, während andere sarkastisch anmerkten, das Geld sei gut angelegt, da die Insel ohnehin bald unter Wasser stehe.
Nicht allein: Andere Länder mit Namensänderungen
Naoero ist kein Einzelfall. Aus Ceylon wurde Sri Lanka, Swasiland zu Eswatini, und die Türkei setzt sich seit 2023 international für die Schreibweise Türkiye ein. Der Geografieprofessor Derek Alderman von der University of Tennessee sagte einst der „New York Times“, Namen seien „eine zentrale Quelle nationalen Stolzes“. Namensänderungen seien ein Instrument, um Legitimität, Geschichte und Kultur eines Landes auf der Weltbühne neu zu behaupten.
Das Onlinemagazin „The Interpreter“ des australischen Thinktanks Lowy Institute kommentierte, dass sich inzwischen etliche Länder „in bemerkenswert kurzer Abfolge“ umbenennen würden. Genannt werden Türkiye, Tschechien, Nordmazedonien und der umstrittene Sanskrit-Name „Bharat“ für Indien. Die Gründe variieren von unverhülltem Nationalismus bis zum Bruch mit kolonialen Hinterlassenschaften. Laut der Autorin seien die Namensänderungen jedoch unweigerlich „politisch“ gefärbt.
Politische Motive und Kosten
Einige Beispiele zeigen, dass es weniger um Identitätsfragen geht als um geschickte Außenpolitik. Nordmazedonien nahm 2018 seinen Namenszusatz an, um Nato-Mitglied zu werden und den Streit mit Griechenland über das makedonische Erbe beizulegen. Andere Namensänderungen sind mit erheblichen Kosten verbunden. Eswatini zahlte laut der Denkfabrik etwa sechs Millionen US-Dollar für die Befreiung vom kolonialen Namen Swasiland – eine stattliche Summe für einen Staat, in dem das durchschnittliche Jahreseinkommen pro Kopf gerade einmal etwa 4000 Dollar beträgt.
Durchsetzung bleibt ungewiss
Ob sich Naoero international durchsetzen wird, bleibt abzuwarten. Türkiye und Eswatini zeigen, dass es bei Namenswechseln häufig Jahre oder sogar Jahrzehnte dauert, bis Kartografen, Behörden und Medienunternehmen folgen. Indiens angestrebte Umbenennung zu Bharat liegt derzeit auf Eis – vor allem, weil das Land dafür eine Zweidrittelmehrheit in beiden Parlamentskammern bräuchte.



