Neue Lunge für Mette-Marit: So läuft die Transplantation ab
Neue Lunge für Mette-Marit: Transplantation im Detail

Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit benötigt aufgrund einer fortschreitenden Lungenfibrose eine neue Lunge. Die 52-Jährige leidet an einer Erkrankung, bei der das Lungengewebe verhärtet und der Sauerstofftransport ins Blut beeinträchtigt wird. Im Extremfall ist eine Transplantation unumgänglich. Ein Experte der Berliner Charité erklärt, was den Eingriff so besonders macht und wie er abläuft.

Die seltene Erkrankung der Kronprinzessin

Die Lungenfibrose, unter der Mette-Marit leidet, führt zu einer zunehmenden Verhärtung des Gewebes zwischen den Lungenbläschen. Dadurch kann die Lunge den eingeatmeten Sauerstoff nur noch unzureichend ins Blut transportieren. Bei einem fortgeschrittenen Stadium ist die Lunge so stark geschädigt, dass ein Spenderorgan notwendig wird. Dies ist nun bei der Kronprinzessin der Fall.

Ein komplexer Eingriff mit hohen Erfolgsaussichten

Die Lungentransplantation zählt zu den anspruchsvollsten Operationen der Medizin. Der Eingriff dauert mehrere Stunden und erfordert eine mehrtägige Überwachung auf der Intensivstation. Dennoch sind die Erfolgsquoten beachtlich: Von 100 Patienten können 95 das Krankenhaus nach der Transplantation verlassen. Nach einem Jahr leben noch über 80 Prozent der Operierten, nach fünf Jahren sind es je nach Eingriffsart 60 bis über 70 Prozent. Doch diese Zahlen sind an strenge Bedingungen geknüpft. Professor Christian Witt, Lungenexperte an der Berliner Charité, betont: „Die Patienten müssen für immer Medikamente einnehmen.“ Dabei handelt es sich um Immunsuppressiva, die das Immunsystem unterdrücken, um eine Abstoßung des neuen Organs zu verhindern. „Das Immunsystem bläst die Fanfaren wie in den Napoleonischen Kriegen und kämpft gegen das Fremde“, erklärt Witt. „Das gilt es zu unterbinden.“

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Die Geschichte der Lungentransplantation

Die Entwicklung der Lungentransplantation begann in den 1940er- und 1950er-Jahren mit Tierversuchen, die zunächst scheiterten. Die erste Transplantation am Menschen gelang am 11. Juni 1963 dem US-Chirurgen James Hardy, doch der Patient starb nach 18 Tagen. Fünf Jahre später operierte der belgische Chirurg Fritz Derom einen jungen Mann, der zehn Monate überlebte – dies gilt als erste erfolgreiche Transplantation. Erst mit der Einführung von Immunsuppressiva wie Ciclosporin in den 1980er-Jahren wurde der Eingriff zu einem regulären medizinischen Verfahren. Dennoch ist von Routine keine Rede: In Deutschland wurden 2024 laut Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) nur 311 Lungentransplantationen durchgeführt, verglichen mit über 230.000 künstlichen Hüftgelenken pro Jahr.

Der Ablauf einer Lungentransplantation

Die Transplantation einer Lunge ist eine chirurgische Meisterleistung. Es gibt Eingriffe mit einem oder beiden Lungenflügeln sowie Kombinationen mit Herz und Lunge. „Wir nehmen ein Spenderorgan, um es in jemand anderen zu implantieren – damit wird es anspruchsvoll“, sagt Witt. Nach Eintreffen des Spenderorgans wird der Brustkorb des Patienten meist seitlich geöffnet, die kranke Lunge gelöst und die Verbindungen zu Hauptbronchien, Lungenarterien und Lungenvenen gekappt. Der Chirurg setzt das neue Organ ein und vernäht die Strukturen mit den Gefäßen des Empfängers. Da die Lungenflügel einzeln transplantiert werden, erfolgt die Beatmung meist über den verbleibenden Flügel. Nach der OP sollen die Patienten schnell ohne Beatmungsschlauch atmen können.

Wer erhält ein Spenderorgan?

Die Entscheidung über die Vergabe eines Spenderorgans erfolgt in Deutschland anhand des Lung-Allocation-Score (LAS). Dieser berechnet auf Basis von Lungenfunktion, Vorerkrankungen, Alter und Überlebenswahrscheinlichkeit eine Dringlichkeit zwischen 0 und 100. Zudem prüft ein Transplantationspsychologe das Lebensumfeld des Empfängers, etwa ob er Medikamente regelmäßig einnimmt und Infektionsrisiken meidet. „Der Überlebenswille muss da sein“, so Witt. Auch bei Mette-Marit dürfte diese Prüfung erfolgen. Die notwendige Fürsorge nach der OP scheint jedoch durch das Königshaus gesichert.

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