Perfektionismus ade: Wie ich lernte, meine Ansprüche zu senken
Perfektionismus ade: Wie ich meine Ansprüche senkte

Der Kampf gegen die eigene Messlatte

Franca Quecke, Redakteurin bei SPIEGEL Start, kennt das Problem nur zu gut: „Ich habe Artikel schon zu spät abgegeben, weil ich mit meinen eigenen Worten so unzufrieden war, dass ich den Text lieber gar nicht einreichen wollte als schlecht.“ Diese Angst vor dem Versagen treibt sie zu selbstschädigendem Verhalten. „So funktioniert mein Kopf leider: Ich habe manchmal solche Angst, in den Augen anderer zu versagen, dass ich meine Arbeit gleich lieber selbst torpediere.“

Warum Perfektionismus schadet

Quecke ist mit diesem Problem nicht allein. Ihre Kollegin Sara Weber hat in einem Artikel beschrieben, wie Perfektionisten sich immer wieder in ihren eigenen Ansprüchen verheddern. „Warum sie sich mitunter eher schaden, wenn sie zu ehrgeizig nach den Sternen greifen“, fasst Quecke zusammen. Webers Tipps zeigen, wie man etwas weniger perfektionistisch wird. Ein zentraler Punkt: „Nach den Sternen greifen? Lieber nicht: Wer immer nach dem Optimum jagt, verpasst erreichbare Erfolge.“ Stattdessen empfiehlt sie, „etwas besser als der Durchschnitt“ anzustreben.

Praktische Schritte aus der Perfektionismusfalle

Quecke selbst versucht seit Jahren, ihren Perfektionismus zu demontieren. Sie hat unzählige Texte gelesen und Podcasts gehört, um zu lernen, wie man sich von zu hohen Erwartungen löst und Grübelspiralen durchbricht. „Ich versuche inzwischen, bei Fehlern nicht so streng mit mir zu sein und öfter von mir wegzurücken.“ Ein konkreter Tipp, der ihr besonders geholfen hat: das Gespräch mit der Chefin. „Wenn ich mit einem Text gar nicht weiterkomme, rede ich mit ihr noch vor der Abgabe darüber, wo ich festhänge.“

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Der erste Entwurf muss nicht perfekt sein

Diese Einsicht ist für Quecke ein wichtiger Schritt gewesen. „Inzwischen weiß ich auch, dass die Welt nicht davon untergeht, wenn beim ersten Entwurf noch nicht alles perfekt ist – was es vorher ohnehin nie war.“ Das mathematische Modell, das den Artikel illustriert, unterstreicht diese Botschaft: Etwas zu wenig Ehrgeiz ist besser als zu viel. Wer ständig nach dem Maximum strebt, riskiert, das Erreichte zu übersehen und sich selbst zu blockieren.

Queckes Erfahrungen zeigen, dass Perfektionismus oft mehr schadet als nützt. Die Strategie, die Erwartungen bewusst zu senken und sich mit „gut genug“ zufriedenzugeben, kann helfen, produktiver und zufriedener zu arbeiten. Es ist ein Prozess, der Geduld erfordert – aber wie Quecke sagt: „Jeder kleine Schritt zählt.“

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