In Augsburg sorgt eine geplante Drag-Queen-Lesung für Kinder für erhebliche Aufregung. Rechte und linke Gruppen haben Proteste angekündigt. Die Veranstaltung ist für den 26. August in der Stadtbücherei Augsburg geplant. Bereits im Vorfeld gibt es massive Kritik und Gegenwind.
Was ist geplant?
Die Stadtbücherei Augsburg will im Rahmen des Sommerferienprogramms eine Lesung mit einer Drag Queen veranstalten. Die Drag Queen mit dem Künstlernamen „Lady Bitchface“ soll aus Kinderbüchern vorlesen, die Themen wie Toleranz und Vielfalt behandeln. Die Veranstaltung richtet sich an Kinder im Alter von vier bis acht Jahren.
Die Stadtbücherei erklärte auf Nachfrage, dass es sich um ein „Angebot zur Förderung von Toleranz und Akzeptanz“ handle. Man wolle Kindern spielerisch zeigen, dass es viele verschiedene Lebensentwürfe gebe. Die Lesung sei Teil eines breiteren Programms, das die Vielfalt der Gesellschaft widerspiegele.
Rechte Gruppen mobilisieren
Rechte Gruppierungen, darunter die AfD und verschiedene Pegida-Anhänger, haben zu Gegenprotesten aufgerufen. Sie kritisieren die Veranstaltung als „Frühsexualisierung von Kindern“. Auf Social-Media-Plattformen wie Facebook und Telegram kursieren Aufrufe, vor der Stadtbücherei zu demonstrieren. Die Polizei rechnet mit mehreren hundert Teilnehmern.
Die AfD-Fraktion im Augsburger Stadtrat hat eine Anfrage an Oberbürgermeisterin Eva Weber gestellt. Sie fordert, die Veranstaltung abzusagen. Der Fraktionsvorsitzende Andreas Jurca sagte: „Es ist nicht Aufgabe der Stadt, Kindern solche Inhalte nahezubringen. Wir fordern die Oberbürgermeisterin auf, die Veranstaltung zu stoppen.“
Linke Gruppen kündigen ebenfalls Protest an
Auch linke Gruppen haben Proteste angekündigt, allerdings aus anderen Gründen. Sie werfen der Stadtbücherei vor, die Drag-Queen-Lesung nicht ausreichend zu bewerben und damit der queeren Community zu schaden. Zudem kritisieren sie, dass die Stadt nicht genug gegen Rechtsextremismus tue. Ein Bündnis aus verschiedenen linken Gruppen will eine Gegendemonstration organisieren, um ein Zeichen für Toleranz zu setzen.
Die Linke im Stadtrat unterstützt die Lesung ausdrücklich. Die Fraktionsvorsitzende Birgit Beyer erklärte: „Die Lesung ist ein wichtiges Zeichen für Akzeptanz und Vielfalt. Wir stehen hinter der Stadtbücherei und werden uns den rechten Hetzern entgegenstellen.“
Polizei bereitet sich vor
Die Polizei Augsburg bereitet sich auf einen Großeinsatz vor. Man werde die Veranstaltung schützen und sowohl die Gegendemonstranten als auch die rechten Protestler im Blick behalten. Eine Sprecherin sagte: „Wir werden mit einem erhöhten Aufgebot vor Ort sein, um die Sicherheit aller Beteiligten zu gewährleisten. Sollte es zu Straftaten kommen, werden wir konsequent einschreiten.“
Die Stadtbücherei selbst zeigt sich unbeeindruckt. Die Lesung finde statt, man lasse sich nicht einschüchtern. Allerdings prüfe man Sicherheitsvorkehrungen. Die Veranstaltung könnte auf einen anderen Ort verlegt werden, um die Kinder besser schützen zu können.
Reaktionen aus der Bevölkerung
Die Meinungen in der Bevölkerung sind gespalten. Während einige Eltern die Lesung begrüßen, sehen andere darin eine unnötige Provokation. Eine Mutter, die mit ihren Kindern kommen will, sagte: „Ich finde es wichtig, dass Kinder früh lernen, dass alle Menschen gleichwertig sind. Die Aufregung ist völlig übertrieben.“ Ein Vater hingegen meinte: „Ich halte das für unangemessen für so kleine Kinder. Das hätte man anders lösen können.“
Auch die Kirchen haben sich geäußert. Die katholische Kirche in Augsburg lehnt die Lesung ab. Ein Sprecher des Bistums sagte: „Wir sehen die Veranstaltung kritisch, da sie unserer Überzeugung widerspricht. Kinder sollten in ihrer Entwicklung nicht mit solchen Themen konfrontiert werden.“ Die evangelische Kirche hingegen zeigt Verständnis: „Es geht um Toleranz, das unterstützen wir.“
Ausblick
Die Veranstaltung bleibt vorerst geplant. Die Stadtbücherei will in den kommenden Tagen entscheiden, ob sie die Lesung wie geplant durchführt oder verschiebt. Oberbürgermeisterin Eva Weber hat sich bislang nicht öffentlich geäußert. Es bleibt abzuwarten, wie die Lage sich entwickelt.
Experten für Extremismus warnen vor einer Eskalation. Der Politikwissenschaftler Prof. Dr. Hans-Jürgen Bieling von der Universität Tübingen sagte: „Die Instrumentalisierung solcher Veranstaltungen durch rechte Gruppen ist ein bekanntes Muster. Es ist wichtig, dass die Stadt nicht einknickt, aber auch die Sicherheit der Kinder im Blick behält.“



