Terror im Tiergarten: Queere Community fordert mehr Schutz
Queere Community fordert nach Anschlag mehr Schutz

Mahnwache im Tiergarten: Trauer, Wut und Zusammenhalt

Am Sonntagabend hat sich der Berliner Tiergarten in einen Ort der Trauer und des Protests verwandelt. Zahlreiche Menschen waren zu einer Mahnwache für die Opfer des islamistischen Anschlags gekommen, der sich am Rande des Christopher Street Days ereignet hatte. Immer wieder waren Rufe wie „Liebe ist stärker als der Hass“ zu hören, während viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer Tränen in den Augen hatten oder ihrer Wut Luft machten.

Organisiert hatte die Gedenkveranstaltung der Verband Queere Vielfalt Berlin-Brandenburg (LSVD) gemeinsam mit dem LSVD Bundesverband. Sie fand genau eine Woche nach der Tat statt, bei der ein 21-jähriger Islamist eine Frau getötet und 31 weitere Menschen verletzt hatte.

Politik war anwesend – doch die Community übernahm das Wort

Zu der Mahnwache waren auch zahlreiche Vertreter der Landespolitik gekommen: Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU), die grüne Landesvorsitzende Nina Stahr und SPD-Fraktionschef Raed Saleh. Die Bühne gehörte an diesem Abend jedoch, wie von den Veranstaltern gewünscht, ausschließlich Menschen aus der queeren Community.

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Islamistischen Terror benennen, ohne zu instrumentalisieren

Julia Miosga vom CSD-Verein Berlin sprach für viele. „Wir lehnen jede Form der Gewalt ab. Rechte oder religiöse Ideologien verfolgen das Ziel, queere Menschen zu unterdrücken“, sagte sie. „Wir benennen islamistischen Terror klar und ohne Relativierung.“ Zugleich rief sie dazu auf, die Tat nicht für Hass gegen Musliminnen und Muslime oder Menschen bestimmter Herkunft zu missbrauchen.

„Was wir stattdessen brauchen, sind Besonnenheit und die Anteilnahme mit den Opfern und ihren Angehörigen“, sagte Miosga. Nicht Spaltung, sondern das Gemeinsame stehe im Vordergrund: „Wir müssen unser Augenmerk auf die Dinge lenken, die uns als Gesellschaft, als queere Community einen.“ Ihre Worte nahmen dabei eine zentrale Botschaft der Mahnwache auf: Der Hass dürfe nicht gewinnen.

Konkrete Forderungen an den Gesetzgeber

Patrick Müller-Kampa vom LSVD Berlin-Brandenburg machte deutlich, dass Gedenken allein nicht ausreiche. „Wir brauchen endlich die ausdrückliche Aufnahme des Schutzes queerer Menschen in Artikel 3 des Grundgesetzes“, forderte er. Zudem sprach er sich für ein Berliner Gewalthilfegesetz aus, „das queere Menschen ausdrücklich mitdenkt und sicherstellt, dass Betroffene von Gewalt die Unterstützung bekommen, die sie brauchen“.

Diese Forderungen richten sich nicht zuletzt an den Bundestag – denn eine Grundgesetzänderung wäre nur dort möglich. Die queere Community erwarte nun, so der Tenor, dass die Politik aus der Anteilnahme konkrete Schritte folgen lasse.

„Ich bin auch wütend“: Kritik an Politikerinnen und Politikern

Doreen Hoffmann vom CSD Deutschland berichtete von einer enormen Welle der Solidarität, die sie sehr berühre. „Aber ich bin auch wütend“, sagte sie. Ihre Wut richte sich gegen Extremisten, egal ob sie einer politischen Ideologie oder religiösem Fanatismus folgten. Aber auch an die Adresse der Politik fand sie deutliche Worte: „Ich bin wütend auf alle, die den Hass auf queere Menschen wieder salonfähig machen.“

Besonders kritisch betrachtete Hoffmann die Haltung mancher Politikerinnen und Politiker, die queere Rechte ständig infrage stellten und dann, wenn das Schlimmste passiere, betroffen wirkten. „Wir brauchen konsequenten Schutz, klare Haltung und politische Verantwortung“, forderte sie. Hoffmann machte deutlich, dass es nun auf Taten ankomme – nicht nur auf Worte der Anteilnahme.

Der Anschlag im Tiergarten: Ablauf und Folgen

Bei dem Terroranschlag am 25. Juli hatte der Attentäter im Tiergarten mit einem Auto mehrere Passanten angefahren, bevor er – vermutlich mit einer Machete – weitere Menschen angriff. Der Täter wurde am Tag nach der Tat von Polizisten in Berlin erschossen, als die Beamten ihn festnehmen wollten. Die Tat gilt als islamistisch motiviert und hatte bundesweit Betroffenheit und Diskussionen über den Schutz queerer Menschen ausgelöst.

Die Mahnwache endete mit dem gemeinsamen Ruf „Liebe ist stärker als der Hass!“. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer verließen den Tiergarten mit einer Mischung aus Trauer, Wut und Entschlossenheit – und dem Willen, weiter lautstark für ihre Rechte einzutreten.

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