Rote Schuhe: Berlin gedenkt Femizid-Opfer und fordert mehr Schutzplätze
Rote Schuhe: Berlin gedenkt Femizid-Opfer, fordert mehr Plätze

Mit symbolisch aufgestellten roten Schuhen hat die Berliner Initiative gegen Gewalt an Frauen (BIG e. V.) am Mittag vor dem Rathaus Schöneberg an eine getötete und eine verletzte Frau erinnert. Gleichzeitig protestierten Mitarbeitende von Anti-Gewalt-Projekten gegen die prekäre Lage in Frauenhäusern und Beratungsstellen. Die Aktion „Rote Schuhe“ findet jedes Mal statt, wenn in Berlin eine Frau durch Femizid ums Leben kommt.

Protest gegen Gewalt und mangelnde Schutzplätze

Die Demonstranten machten deutlich, dass die Situation für betroffene Frauen in Berlin katastrophal ist. Nach Angaben des Vereins BIG müssen täglich zehn bis fünfzehn Frauen und ihren Kindern mitgeteilt werden, dass kein freier Platz in einem Frauenhaus verfügbar ist. Dies entspricht einem eklatanten Mangel an Schutzmöglichkeiten.

„Patriarchale Gewalt ist ein gesellschaftliches Problem und es braucht eine starke solidarische Antwort der Zivilgesellschaft und besonders der Landschaft sozialer Institutionen“, schreibt die Organisation in einer Mitteilung. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Anti-Gewalt-Projekte machen seit Jahren auf diese Missstände aufmerksam.

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Fehlende Plätze nach Istanbul-Konvention

Die Istanbul-Konvention des Europarats legt verbindliche Standards für den Schutz von Frauen vor Gewalt fest. Nach diesen Vorgaben fehlen in Berlin insgesamt 451 Schutzplätze für von Gewalt betroffene Frauen. Diese Zahl verdeutlicht das Ausmaß des Problems: Die Stadt ist weit davon entfernt, ihren internationalen Verpflichtungen nachzukommen.

Die roten Schuhe sind ein etabliertes Symbol, um an die getöteten Frauen zu erinnern. Bei jedem Femizid kommen die Aktivisten zusammen, um gemeinsam zu gedenken, ein Zeichen gegen patriarchale Gewalt zu setzen und ihren politischen Forderungen Ausdruck zu verleihen.

Forderungen an Politik und Gesellschaft

Die Organisatoren fordern unter anderem den bundesweiten Ausbau von Frauenhausplätzen, den Bau von bezahlbarem Wohnraum sowie therapeutische Angebote für Betroffene. Darüber hinaus sollen Polizei, Richterinnen und Richter sowie Jugendämter verpflichtend zu häuslicher Gewalt fortgebildet werden. Auch die Zusammenarbeit zwischen Polizei, Justiz und Frauenhäusern zum Schutz hochgefährdeter Frauen und Kinder soll verbessert werden.

Präventive Bildungsarbeit an Schulen ist ein weiterer zentraler Punkt der Forderungen. Die Aktivisten sehen dringenden Handlungsbedarf, um Gewalt gegen Frauen langfristig zu verhindern und Betroffenen frühzeitig Hilfe zu bieten.

Arbeitsbedingungen nicht mehr tragbar

Die Zustände im Arbeitsfeld der Anti-Gewalt-Projekte seien nicht mehr tragbar, heißt es von den Organisatorinnen. „Es gibt viel zu wenig Stellen, um den hohen Bedarf an Unterstützung zu decken; die Sorge um die vielen Frauen, die keinen Schutzplatz finden, ist nicht mehr zumutbar.“ Deswegen werde zumindest während des Gedenkens an die Verstorbene die Arbeit niedergelegt.

Die Aktion vor dem Rathaus Schöneberg ist Teil einer langen Reihe von Protesten, die auf die strukturellen Defizite im Umgang mit geschlechtsspezifischer Gewalt aufmerksam machen. Die betroffenen Frauen und ihre Kinder stehen oft vor dem Nichts, wenn sie Schutz suchen.

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