Die Specht-Villa in Bad Wörishofen blickt auf 120 Jahre wechselvolle Geschichte zurück. Was einst als bescheidenes Wohnhaus begann, entwickelte sich zu einem Wahrzeichen der Stadt – und birgt eine überraschende Familiensaga, die bis heute nachwirkt.
Vom bescheidenen Anfang zum städtischen Juwel
Erbaut im Jahr 1904 von dem wohlhabenden Kaufmann Friedrich Specht, diente die Villa zunächst als privates Wohnhaus. Specht, ein erfolgreicher Textilhändler, ließ sich an der damaligen Prachtstraße der Stadt nieder. Die Architektur im historistischen Stil mit aufwendigen Stuckelementen und einem markanten Turm machte das Gebäude schnell zu einem Blickfang.
Doch die eigentliche Überraschung liegt in der späteren Nutzung: Ab den 1920er Jahren wurde die Villa zu einem Ort der Begegnung. Spechts Tochter Anna eröffnete dort einen literarischen Salon, der Künstler und Intellektuelle anzog. Unter anderem verkehrte dort der Schriftsteller Ludwig Ganghofer, der in seinen Werken die Region porträtierte.
Wandel und neue Bestimmung
Nach dem Zweiten Weltkrieg wechselte die Villa mehrfach den Besitzer. Zeitweise diente sie als Kindergarten, später als Arztpraxis. In den 1980er Jahren drohte der Verfall, bis ein örtlicher Unternehmer das Gebäude erwarb und aufwendig sanierte. Heute beherbergt die Specht-Villa ein Museum, das die Geschichte der Familie und der Stadt dokumentiert.
Die Dauerausstellung zeigt persönliche Gegenstände der Familie Specht, darunter Fotografien, Möbel und Briefe. Besonders hervorzuheben ist ein Tagebuch von Anna Specht, das Einblicke in das gesellschaftliche Leben der damaligen Zeit gibt. „Die Villa ist ein lebendiges Zeugnis unserer Stadtgeschichte“, sagt Museumsleiterin Dr. Sabine Huber.
120 Jahre – ein Jubiläum mit Programm
Zum 120-jährigen Bestehen plant die Stadt eine Festwoche im September. Geplant sind Führungen, Vorträge und ein historischer Markt. Zudem soll eine Sonderausstellung die wechselvolle Geschichte der Villa beleuchten. Bürgermeister Stefan Müller betont: „Die Specht-Villa ist ein Symbol für den Wandel unserer Stadt – von der Kurstadt zur modernen Gesundheitsmetropole.“
Die Nachfahren der Familie Specht sind ebenfalls eingeladen. Ein Ururenkel, der in den USA lebt, hat bereits zugesagt, eine seltene Originalzeichnung der Villa aus dem Jahr 1904 zu überreichen. Diese wird künftig einen Ehrenplatz im Museum erhalten.
Ein Blick in die Zukunft
Die Stadt plant, die Villa weiterhin als kulturelles Zentrum zu nutzen. Geplant sind Kooperationen mit Schulen und eine digitale Erweiterung des Museums. „Wir wollen die Geschichte für kommende Generationen erlebbar machen“, so Dr. Huber. Die Specht-Villa bleibt damit nicht nur ein Denkmal der Vergangenheit, sondern auch ein lebendiger Ort der Zukunft.



