München – Die Vorfreude auf den Urlaub ist oft groß, doch die Erholung bleibt für viele aus. Ein aktueller repräsentativer Umfrage zufolge schafft es rund ein Drittel der Berufstätigen nicht, während der freien Tage wirklich abzuschalten. Die Gründe sind vielfältig – sie reichen von permanenter Erreichbarkeit über unbeantwortete E-Mails bis hin zu überhöhten Erwartungen an die eigene Freizeitgestaltung.
Die Erhebung zeigt zudem, dass sich viele Menschen auch nach der Rückkehr in den Betrieb nicht erholt fühlen. Statt frisch und motiviert zu sein, dominieren Abgeschlagenheit und das Gefühl, die Zeit „nicht richtig genutzt“ zu haben. Das kann langfristig die Gesundheit belasten und die Arbeitszufriedenheit sinken lassen.
Warum die Erholung auf der Strecke bleibt
Beruflicher Stress ist einer der Hauptgründe für die fehlende Regeneration. So gaben die Befragten an, dass sie auch im Urlaub regelmäßig Mails checken oder Anrufe von Kollegen entgegennehmen. Jede zweite Person hat dienstliche Dokumente im Gepäck – obwohl sie sich vorgenommen hat, die Arbeit zu Hause zu lassen.
Auch der Alltag im Urlaub selbst spielt eine Rolle. Viele Urlauber verplanen ihre Tage bis ins kleinste Detail: Sightseeing, Sport, Mahlzeiten, Social-Media-Posts. Statt zu entspannen, entsteht neuer Leistungsdruck. Eine ungeplante freie Stunde fühlt sich für viele unangenehm an – ein Phänomen, das Psychologen als „Freizeitstress“ bezeichnen.
Jüngere fühlen sich stärker gestresst
Die Umfrage zeigt auch einen deutlichen Altersunterschied. Während ältere Befragte besser abschalten können, fällt es jüngeren Menschen besonders schwer. Sie sind es gewohnt, ständig online zu sein, und empfinden Langeweile fast als Bedrohung. Gleichzeitig haben sie oft das Gefühl, etwas zu verpassen, wenn sie ihre digitalen Geräte nicht nutzen.
Hinzu kommt, dass viele junge Arbeitnehmer besonders ehrgeizig sind und im Urlaub an Projekte denken. Fehlt die berufliche Bestätigung, fühlen sie sich unruhig. Der Erholungseffekt bleibt dann oft aus, selbst wenn die äußeren Bedingungen perfekt sind.
Handy als Erholungskiller Nr. 1
Ein wesentlicher Faktor ist das Smartphone. Mehr als zwei Drittel der Befragten schauen auch während des Urlaubs mehrmals täglich auf ihr Telefon. Die ständige Reizflut aus Nachrichten, News und sozialen Netzwerken hält das Gehirn in Alarmbereitschaft. Selbst in der Hängematte tickt die innere Uhr weiter.
Experten raten deshalb zu klaren digitalen Auszeiten. Wer das eigene Gerät nicht ganz weglegen möchte, kann sich feste Zeiten für das Checken setzen – und den Rest des Tages konsequent aufs Abschalten konzentrieren. Auch Offline-Aktivitäten wie Lesen, Wandern oder Yoga helfen dabei, den Kopf frei zu bekommen.
So gelingt die Erholung im Urlaub
Die Umfrage macht deutlich, dass Erholung kein Selbstläufer ist, sondern aktiv gestaltet werden muss. Psychologische Fachleute empfehlen, sich bereits vor der Abreise klar zu machen, was man wirklich braucht. Dazu gehören ausreichend Schlaf, gesunde Ernährung und Bewegung – aber ganz bewusst auch Zeiten des „Nichtstuns“.
Ein weiterer Tipp ist, den Urlaub nicht als einmaligen Akku-Kick zu sehen, sondern als eine Zeit, um neue Gewohnheiten zu etablieren. Wer im Alltag weiterhin kleine Pausen und Achtsamkeitsübungen einbaut, profitiert langfristig mehr als von zwei Wochen Ruhe am Stück.
Fazit: Bewusste Auszeit statt durchgetaktete Ferien
Die Erkenntnis der Umfrage ist eindeutig: Reisende müssen ihre Erwartungen überdenken, wenn sie wirklich erholsam entspannen wollen. Weniger ist oft mehr – weniger Planung, weniger Erreichbarkeit, weniger digitale Reize. Nur wer sich Zeit für sich selbst nimmt, kann die Batterien wieder aufladen und mit neuer Energie in den Alltag zurückkehren.
Unternehmen sind ebenfalls gefragt. Sie können ihren Beschäftigten den Übergang erleichtern, indem sie klare Abwesenheitsregeln schaffen und Vorbilder leben. Wenn Führungskräfte im Urlaub offline sind, trauen sich auch ihre Teams, den Stecker zu ziehen.
Letztlich zeigt die aktuelle Erhebung: Erholung ist kein Zufall, sondern eine Frage der Einstellung und der Rahmenbedingungen. Die nächste Reise kann durchaus zur Erfolgsgeschichte werden – wenn man es wirklich will.



