In diesem Sommer schwärmen so viele Wespen und Hornissen aus wie seit Jahren nicht mehr. Experten bestätigen eine regelrechte Plage und erklären, woran das liegt. Gleichzeitig geben sie Tipps, was wirklich gegen die lästigen Insekten hilft – und welche vermeintlichen Wundermittel wirkungslos bleiben.
Warum gibt es 2025 so viele Wespen?
Die diesjährige Wespenpopulation ist außergewöhnlich hoch. Grund dafür sind die optimalen Wetterbedingungen im Frühjahr: Ein warmer, trockener April und Mai ermöglichten den Königinnen einen erfolgreichen Nestbau. „Durch das günstige Wetter konnten die Völker deutlich größer werden als in den Vorjahren“, erklärt der Biologe Dr. Martin Sorg vom Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie.
Zudem spielt das reichhaltige Nahrungsangebot eine Rolle: Blütenpflanzen und andere Insekten, die als Nahrung für die Larven dienen, sind in diesem Jahr besonders häufig. „Die Kette aus guten Bedingungen hat dazu geführt, dass wir aktuell eine außergewöhnlich hohe Dichte an Wespen und Hornissen haben“, so Sorg weiter.
Welche Wespenarten sind besonders aktiv?
Besonders häufig sind die Gemeine Wespe und die Deutsche Wespe, die beide zu den sogenannten „lästigen“ Arten zählen. Sie werden von süßen Speisen und Fleisch angezogen und können beim Essen im Freien zur Plage werden. Hornissen, die größten heimischen Faltenwespen, sind dagegen eher friedlich und ernähren sich hauptsächlich von anderen Insekten.
„Hornissen sind keine aggressiven Tiere, sie stechen nur, wenn sie sich bedroht fühlen“, betont der Insektenexperte. Trotzdem sollten ihre Nester nicht eigenmächtig entfernt werden, da Hornissen unter Naturschutz stehen.
Was hilft wirklich gegen Wespen?
Um Wespen von Kaffee- und Kuchenbuffets fernzuhalten, empfehlen Experten einfache, aber effektive Mittel: Abdeckhauben über Speisen, Trinkhalme in Gläsern und regelmäßiges Abdecken von Getränken. Auch das Aufstellen von Schalen mit reifen Trauben oder anderen Früchten in einiger Entfernung kann die Tiere ablenken.
„Wichtig ist, Ruhe zu bewahren und nicht hektisch zu schlagen“, rät Dr. Sorg. Hektische Bewegungen machen die Tiere aggressiv und erhöhen das Stichrisiko. Stattdessen sollte man Wespen vorsichtig wegschieben oder sich langsam zurückziehen.
Welche Hausmittel sind wirkungslos?
Viele Hausmittel wie Kupfermünzen, Gewürznelken oder Zitronenscheiben werden als Wundermittel gegen Wespen angepriesen. Doch die meisten davon haben keinerlei nachweisbare Wirkung. „Diese Mittel sind wissenschaftlich nicht belegt und helfen höchstens minimal“, sagt der Biologe. Selbst handelsübliche Wespenfallen mit süßen Flüssigkeiten sind oft kontraproduktiv, da sie mehr Wespen anlocken als sie fangen.
Stattdessen sollte man auf professionelle Mittel wie Insektensprays zurückgreifen, die speziell gegen Wespen entwickelt wurden. Diese sollten jedoch nur gezielt und sparsam eingesetzt werden, um die Umwelt nicht zu belasten.
Was tun bei einem Nest in Hausnähe?
Wer ein Wespennest in der Nähe seiner Wohnung entdeckt, sollte keinesfalls selbst Hand anlegen. Die Tiere verteidigen ihr Nest vehement und können bei Störungen aggressiv reagieren. Stattdessen sollte man einen Fachmann wie einen Schädlingsbekämpfer oder den örtlichen Naturschutzbund kontaktieren.
„In den meisten Fällen ist eine Umsiedlung möglich, ohne die Tiere zu töten“, erklärt Dr. Sorg. Die Kosten dafür übernimmt in vielen Fällen die Gemeinde oder der Landkreis. Nur wenn das Nest eine unmittelbare Gefahr darstellt, etwa bei Allergikern im Haushalt, ist eine Entfernung durch den Fachmann gerechtfertigt.
Wie verhält man sich bei einem Stich?
Bei einem Wespenstich ist meist keine besondere Behandlung nötig. Kühlen lindert Schmerz und Schwellung. Wer jedoch allergisch auf Insektengifte reagiert, sollte sofort einen Arzt aufsuchen oder ein Notfallset mitführen. In Deutschland sind etwa drei Prozent der Bevölkerung gegen Wespen- oder Bienengift allergisch.
Um Stiche zu vermeiden, sollten Allergiker beim Aufenthalt im Freien besonders vorsichtig sein und auf helle Kleidung achten, da dunkle Farben Wespen anziehen. Auch Parfums und süße Getränke sollten gemieden werden.
Experten rechnen damit, dass die Wespenplage noch bis in den September anhalten wird. Danach sterben die Arbeiterinnen und die Königinnen suchen sich einen Platz zum Überwintern. Bis dahin gilt: Ruhe bewahren, Speisen abdecken und die Tiere in Ruhe lassen – dann bleibt der Sommer trotz Wespen genießbar.



