Die Notaufnahmen in Aichach und Friedberg verzeichnen eine Zunahme aggressiven Verhaltens von Patienten. Das berichten die Kliniken auf Nachfrage der Augsburger Allgemeinen. Besonders betroffen sind die Abend- und Nachtstunden sowie Wochenenden, wenn Alkohol- und Drogenkonsum eine Rolle spielen.
Zunahme von Übergriffen auf Personal
Nach Angaben der Klinikleitung wurden im vergangenen Jahr mindestens 20 Vorfälle körperlicher oder verbaler Gewalt dokumentiert. Das ist eine Steigerung von rund 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Betroffen sind vor allem Pflegekräfte und Ärzte, die oft allein am Empfang oder im Behandlungszimmer arbeiten.
Ein Sprecher der Kliniken betont: „Die Sicherheit unserer Mitarbeiter hat oberste Priorität. Wir beobachten mit Sorge, dass Hemmschwellen sinken und Konflikte schneller eskalieren.“ Die Kliniken haben deshalb bereits Maßnahmen ergriffen, darunter Deeskalationstrainings für das Personal und die Installation von Überwachungskameras in stark frequentierten Bereichen.
Ursachen und Auslöser
Als Hauptursachen gelten Alkohol- und Drogenintoxikation, aber auch psychische Erkrankungen und Überlastung im Alltag. Viele Patienten kommen mit hohen Erwartungen und geringer Frustrationstoleranz. Lange Wartezeiten, insbesondere bei nicht lebensbedrohlichen Fällen, führen immer wieder zu Unmut und aggressiven Reaktionen.
Die Kliniken appellieren an die Politik, mehr Mittel für psychosoziale Notfallhilfe und Sicherheitspersonal bereitzustellen. Eine bessere Vernetzung mit psychiatrischen Einrichtungen und der Polizei sei notwendig, um Eskalationen frühzeitig zu verhindern.
Forderungen nach mehr Sicherheit
Die Beschäftigten fordern unter anderem eine konsequente Anzeige bei Straftaten und eine Stärkung des Hausrechts. Auch der Bau von separaten Wartebereichen für betrunkene oder aggressive Patienten wird diskutiert. Die Klinikverwaltung prüft derzeit die Einführung eines Alarmierungssystems, das direkt die Polizei verständigt.
Ein Pfleger berichtet: „Wir sind keine Sicherheitskräfte, wir wollen heilen. Aber zunehmend müssen wir uns gegen Übergriffe wehren.“ Die Gewerkschaft Verdi fordert eine bundesweite Kampagne gegen Gewalt im Gesundheitswesen und mehr Personal, um Druck aus dem System zu nehmen.
Reaktionen aus der Politik
Der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) zeigte sich besorgt und kündigte an, das Thema bei der nächsten Gesundheitsministerkonferenz zu behandeln. Er verwies auf bestehende Programme zur Gewaltprävention, räumte aber ein, dass diese ausgeweitet werden müssten.
Die SPD-Landtagsabgeordnete für die Region, Anna Rasehorn, forderte einen Runden Tisch mit Kliniken, Polizei und Kommunen. „Wir müssen die Sicherheit in Notaufnahmen ernst nehmen und konkrete Lösungen erarbeiten“, sagte sie der Zeitung.
Ausblick und Empfehlungen
Die Kliniken in Aichach und Friedberg wollen ihre Anstrengungen verstärken. Neben technischen Maßnahmen setzen sie auf Schulungen und eine bessere Kommunikation mit Patienten. Ein Leitfaden zum Umgang mit aggressiven Personen wurde erstellt und wird an alle Mitarbeiter verteilt.
Experten empfehlen zudem, die Wartezeiten zu verkürzen und eine transparente Priorisierung der Fälle zu kommunizieren. Ein freundlicher Empfang und klare Ansagen könnten viele Konflikte entschärfen. Die Kliniken hoffen, dass die Politik die nötigen Rahmenbedingungen schafft, damit Notaufnahmen Orte der Hilfe bleiben – und nicht zu Orten der Angst werden.



