Die Notaufnahmen in Aichach und Friedberg sehen sich mit einer besorgniserregenden Entwicklung konfrontiert. Wie die Augsburger Allgemeine berichtet, nimmt die Aggressivität bestimmter Patientengruppen deutlich zu. Vor allem alkoholisierte und unter Drogeneinfluss stehende Menschen geraten in den Behandlungsräumen immer häufiger außer Kontrolle.
Zahl der Vorfälle hat sich fast verdoppelt
Nach Informationen der Zeitung wurden allein im vergangenen Jahr 27 dokumentierte Vorfälle von verbaler und körperlicher Gewalt gegen das Klinikpersonal erfasst. Im Jahr zuvor waren es noch zwölf. Das entspricht einem Anstieg von mehr als 100 Prozent. Die Dunkelziffer dürfte allerdings deutlich höher liegen, da nicht jede Attacke offiziell gemeldet wird.
Betroffen sind insbesondere die Nachtschichten und Wochenenden. Zu den auffälligsten Patienten zählen laut Bericht stark betrunkene Menschen sowie Patienten mit psychischen Ausnahmezuständen. Pflegekräfte berichten von Beschimpfungen, Bedrohungen und vereinzelt auch tätlichen Angriffen.
Belastung für Mitarbeiter wächst
Die zunehmende Gewalt belastet das Team der Notaufnahme dauerhaft. Viele Beschäftigte fühlen sich unsicher und erwägen, den Beruf zu wechseln. Die Krankenhäuser in Aichach und Friedberg haben inzwischen reagiert: Deeskalationstrainings sollen helfen, angespannte Situationen frühzeitig zu entschärfen. Zusätzlich wurden Sicherheitskräfte eingesetzt.
Ein weiterer Baustein ist der Ausbau technischer Schutzmaßnahmen. Dazu zählen Videoüberwachung, Panikknöpfe sowie Türen mit Abschottungsfunktion. Nach und nach sollen alle Behandlungsräume entsprechend ausgerüstet werden.
Politik und Gesellschaft sind gefordert
Das Personal appelliert an die Politik, die Sicherheit in Kliniken konsequent zu verbessern. Gefordert werden unter anderem strengere Strafen bei Gewalt gegen medizinisches Personal sowie bessere Personalschlüssel, damit mehr Zeit für die Patienten bleibt. Zudem müsse die gesellschaftliche Wertschätzung für Pflege- und Ärzteschaft zunehmen.
Die Augsburger Allgemeine weist in ihrem Bericht darauf hin, dass das Problem keineswegs auf Aichach und Friedberg beschränkt ist. Bundesweit berichten Notaufnahmen von wachsender Aggressivität. Nicht immer steckt eine psychische Erkrankung dahinter – häufig sind Alkohol und Drogen der Auslöser.
Hintergründe und Empfehlungen
Experten empfehlen, bei der Aufnahme eines Patienten frühzeitig dessen Zustand zu erfassen. Einheitliche Standards könnten dabei helfen, Risiken zu erkennen. Auch eine ruhige Wartezone und geschultes Personal tragen zur Deeskalation bei.
Die Kliniken in Aichach und Friedberg wollen nun regelmäßig über Vorfälle informieren und eine Anlaufstelle für betroffene Mitarbeiter einrichten. Geplant ist zudem, mit Polizei und Justiz enger zusammenzuarbeiten, um Täter konsequent anzuzeigen.
Die Folgen der Übergriffe spüren auch andere Patienten: Während sich das Personal um einen tobenden Betrunkenen kümmern muss, verlängern sich die Wartezeiten für die übrigen Menschen in der Notaufnahme. Die Betreiber fordern deshalb eine bessere Personalausstattung und rechtliche Erleichterungen, um aggressive Patienten schneller in geeignete Einrichtungen verlegen zu können.
Lösungsansätze und Ausblick
Mediziner plädieren für eine stärkere Zusammenarbeit mit der Polizei sowie für spezielle Zentren, in denen alkoholisierte oder psychisch auffällige Patienten ärztlich betreut und gleichzeitig von der Notaufnahme ferngehalten werden können. In Aichach und Friedberg setzt man derzeit vor allem auf kontinuierliche Schulungen und eine intensive Nachbesprechung von Gewaltereignissen.
Langfristig brauche es ein gesellschaftliches Umdenken, heißt es. Wer in der Notaufnahme arbeite, müsse sicher sein, seinen Beruf ohne Angst ausüben zu können. Bis dahin bleibt die Hoffnung, dass die jetzt eingeleiteten Maßnahmen Wirkung zeigen und die Zahl der Übergriffe wieder sinkt.



