AOK-Report: Krankenstand erreicht Rekordhoch in Deutschland
AOK-Report: Krankenstand erreicht Rekordhoch

Der Krankenstand in Deutschland hat im Jahr 2024 einen historischen Höchststand erreicht. Laut dem aktuellen AOK-Report waren die bei der AOK versicherten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer durchschnittlich 21,5 Tage krankgeschrieben – so viele wie nie zuvor seit Beginn der Erhebung. Der bisherige Rekord aus dem Jahr 2022 wurde damit deutlich übertroffen, als der Wert bei 19,4 Tagen lag.

Anstieg vor allem bei psychischen Erkrankungen

Besonders stark gestiegen sind die Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen. So verzeichnete die AOK bei Depressionen und Angststörungen einen Anstieg der Krankheitstage um rund 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch Muskel-Skelett-Erkrankungen wie Rückenschmerzen bleiben mit einem Anteil von rund 22 Prozent an allen Krankschreibungen die häufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit.

„Die Zahlen sind alarmierend und zeigen, dass wir dringend in Prävention und betriebliche Gesundheitsförderung investieren müssen“, sagte Dr. Susanne Schäfer, Gesundheitsexpertin der AOK, in einer Pressemitteilung. Die Zunahme sei nicht nur auf die Folgen der Corona-Pandemie zurückzuführen, sondern auch auf veränderte Arbeitsbedingungen und psychosoziale Belastungen.

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Regionale Unterschiede deutlich

Der AOK-Report offenbart auch erhebliche regionale Unterschiede. Während die Beschäftigten in Ostdeutschland im Schnitt 23,1 Tage krankgeschrieben waren, lag der Wert in Westdeutschland bei 20,9 Tagen. Innerhalb der Bundesländer verzeichnete Sachsen-Anhalt mit 24,3 Tagen den höchsten Krankenstand, während Bayern mit 19,8 Tagen den niedrigsten Wert erreichte.

Die Branchenunterschiede sind ebenfalls bemerkenswert: Im Gesundheits- und Sozialwesen lag der Krankenstand bei durchschnittlich 25,4 Tagen, während die Beschäftigten im Finanz- und Versicherungssektor nur auf 17,2 Tage kamen. Die AOK führt diese Differenz auf unterschiedliche physische und psychische Belastungen zurück.

Konsequenzen für Arbeitgeber und Politik

Die hohen Fehlzeiten haben erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen. Nach Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) verursachte der Rekord-Krankenstand im Jahr 2024 volkswirtschaftliche Kosten von rund 200 Milliarden Euro. Für die Arbeitgeber bedeuten die Ausfallzeiten eine zusätzliche Belastung, insbesondere in Branchen mit Fachkräftemangel.

Die AOK fordert daher ein Umdenken in der Arbeitskultur. „Flexible Arbeitszeitmodelle, betriebliches Gesundheitsmanagement und eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie sind entscheidend, um den Krankenstand nachhaltig zu senken“, so Schäfer. Auch die Politik sei gefordert, etwa durch eine bessere Finanzierung von Präventionsangeboten und eine Reform des Krankengeldes.

Ausblick auf 2025

Ob der Trend anhalten wird, ist ungewiss. Die AOK verweist auf die Grippewelle im Frühjahr 2025, die bereits zu einem Anstieg der Krankschreibungen geführt hat. Allerdings gibt es auch positive Signale: Die Zahl der Langzeiterkrankungen, die länger als sechs Wochen dauern, ist im Vergleich zum Vorjahr leicht zurückgegangen.

Die vollständigen Ergebnisse des AOK-Reports werden am 15. Mai veröffentlicht. Die Daten basieren auf den Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen von rund 22 Millionen AOK-Versicherten und gelten als repräsentativ für den deutschen Arbeitsmarkt.

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