Akne-Medikament Accutane: Hollywood-Hype führt zu Lieferengpässen in Deutschland
Hollywood-Hype um Akne-Medikament: Lieferengpässe in Deutschland

Hollywood schwört auf die Pickel-Pille – Deutschland leidet unter Versorgungsproblemen

In den USA sorgt ein neuer Beauty-Trend für Aufsehen: Immer mehr Prominente und Influencer greifen zu dem verschreibungspflichtigen Akne-Wirkstoff Isotretinoin, bekannt unter dem Markennamen Accutane. Das Medikament, das in Deutschland unter anderem als Aknenormin vertrieben wird, erlebt einen regelrechten Hype. Doch während Stars wie Kendall Jenner oder Emma Stone auf die angeblich hautreinigende Wirkung schwören, kämpfen Patienten in Deutschland mit erheblichen Lieferengpässen.

Wie die Arzneimittelkommission Deutscher Apotheker (AMK) gegenüber Bild bestätigte, sind derzeit drei Isotretinoin-haltige Präparate in allen Stärken von Lieferengpässen betroffen. In der Datenbank des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte sind diese Engpässe bis mindestens Ende September, teils bis Jahresende eingetragen. Der Hype in Hollywood hat somit direkte Auswirkungen auf die Versorgung in Deutschland.

Was ist die sogenannte Hollywood-Dosis?

Der Trend basiert auf einer Niedrigdosis-Therapie, bei der nur zwei Kapseln pro Woche eingenommen werden. US-Medien wie die „Vogue“ oder die Plattform „Mindbodygreen“ bezeichnen dies als „Hollywood dose“. Die geringe Dosierung soll den Stars während langer Dreharbeiten eine reinere Haut verleihen, ohne die schweren Nebenwirkungen einer vollständigen Aknebehandlung. Auf TikTok berichten zahlreiche Beauty-Influencer über ihre Erfahrungen mit dem Wirkstoff.

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Eine der prominentesten Befürworterinnen ist Kendall Jenner (30). Der Reality-Star leidet seit Jahren unter schwerer Akne und sprach Anfang des Jahres im Podcast „In Your Dreams with Owen Thiele“ offen über ihre Accutane-Therapie. Dabei wies sie Gerüchte über eine Nasenkorrektur zurück: „Ich habe Accutane genommen. Ich glaube, dadurch ist meine Nase kleiner geworden.“ Dermatologen bestätigen, dass Isotretinoin die Talgdrüsen, vor allem an der Nase, verkleinern kann, was die Nase tatsächlich schmaler erscheinen lassen kann.

Auch Emma Stone und Olivia Rodrigo setzen auf Accutane

Oscar-Preisträgerin Emma Stone (37) machte ihre Akneprobleme bereits öffentlich. Sie wurde mit 17 Jahren wegen hormoneller Akne mit dem Medikament behandelt. 2012 verriet sie, dass bei den Dreharbeiten zur Komödie „Easy A“ (2010) ihre Hautunreinheiten digital retuschiert werden mussten. Popstar Olivia Rodrigo (23) gab 2023 bekannt, dass sie seit sechs Monaten Accutane einnehme, und nahm dabei Nebenwirkungen wie extrem trockene Lippen in Kauf. Auch Comedian Pete Davidson (32) sprach offen über seine Therapie.

Der Hype ist nicht neu: Bereits vor Jahren sorgte das Medikament für Schlagzeilen, als Stars wie Emma Stone darüber sprachen. Doch die aktuelle Welle wird durch soziale Medien verstärkt, wo Influencer die angeblich wundersame Wirkung preisen. Dabei handelt es sich um ein starkes Medikament mit erheblichen Risiken.

Dermatologin warnt vor den Gefahren

Die Berliner Dermatologin Dr. Yael Adler (53) bezeichnet Isotretinoin zwar als „ganz hervorragenden Wirkstoff“ zur Behandlung schwerer Akne, warnt jedoch eindringlich vor der Leichtfertigkeit, mit der das Medikament derzeit eingenommen wird. Die Niedrigdosis sei zwar weniger riskant als eine hochdosierte Therapie, aber dennoch nicht harmlos. Besonders gefährlich ist der Wirkstoff für Frauen im gebärfähigen Alter: „Während der Einnahme darf auf keinen Fall eine Schwangerschaft eintreten. Der Wirkstoff kann das ungeborene Kind schwer schädigen“, betont Adler.

Die Liste möglicher Nebenwirkungen ist lang: extreme Trockenheit der Haut und Lippen, Veränderungen der Leberwerte, Muskel- und Gelenkbeschwerden sowie Stimmungsschwankungen. Trotz des Hypes bleibt Isotretinoin ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel, das nur nach ärztlicher Verordnung und unter strenger Kontrolle eingenommen werden sollte. Was in Hollywood als Beauty-Geheimnis gefeiert wird, ist keinesfalls als harmlose Hautpflege zu betrachten.

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Fazit: Ein Trend mit ernsten Folgen

Die Nachfrage nach Isotretinoin steigt rasant, angetrieben durch prominente Vorbilder und Social-Media-Trends. Doch der Preis für makellose Haut kann hoch sein. Die Lieferengpässe in Deutschland zeigen, dass dieser Trend nicht nur individuelle Risiken birgt, sondern auch die Versorgung von Patienten gefährdet, die das Medikament aus medizinischen Gründen benötigen. Ärzte und Apotheker appellieren an die Vernunft: Aknebehandlungen sollten immer unter fachärztlicher Aufsicht erfolgen.