Hohe Temperaturen können die Wirkung von Medikamenten erheblich beeinflussen. Wärme verstärkt die Effekte mancher Präparate, andere erhöhen die Lichtempfindlichkeit der Haut oder begünstigen Kreislaufprobleme. Besonders gefährdet sind Herzpatienten, wie der Kardiologe Prof. Thomas Münzel gegenüber BILD erklärt.
Hitze als Belastungsfaktor für Herz und Kreislauf
„Viele nehmen Medikamente wie Entwässerungstabletten, Blutdrucksenker oder Betablocker. Diese Medikamente sind wichtig und sollten nicht eigenmächtig abgesetzt werden. Bei großer Hitze können sie aber dazu beitragen, dass Flüssigkeitsmangel, Blutdruckabfall oder Kreislaufprobleme schneller auftreten“, so Prof. Münzel. Sonnenlicht in Maßen, frische Luft und Bewegung seien prinzipiell gut für Herz und Kreislauf, doch bei Hitze werde die Sonne zum Belastungsfaktor.
Der Kardiologe rät: „Dann gilt: runter mit der körperlichen Belastung, raus aus der Mittagssonne, rein in den Schatten oder in kühle Räume, genug trinken und auf Warnzeichen wie etwa Schwindel, Kopfschmerzen oder Verwirrtheit achten. Bei starken Beschwerden, Brustschmerzen, Luftnot oder Bewusstseinsstörungen den Notruf wählen.“
Phototoxische Reaktionen: Wenn Medikamente die Haut empfindlich machen
Wer auf Medikamente angewiesen ist, sollte auch seine Haut besonders gut schützen. „Einige Arzneimittel machen die Haut tatsächlich sehr empfindlich gegenüber UV-Strahlung. Es kann zu einem verstärkten Sonnenbrand oder einer schmerzhaften Hautreaktion mit Stechen und Brennen kommen. Manchmal auch zu einer ungewöhnlichen Dunkelfärbung der Haut“, erklärt Pharmakologe Prof. Thomas Eschenhagen von der Deutschen Herzstiftung. Diese sogenannten phototoxischen Reaktionen können durch Johanniskraut, das Antibiotikum Doxycyclin oder Amiodaron gegen Herzrhythmusstörungen ausgelöst werden.
Vorsicht bei Entwässerungsmitteln
Millionen Menschen mit Bluthochdruck oder Herzinsuffizienz nehmen Entwässerungstabletten mit dem Wirkstoff Hydrochlorothiazid (HCT) ein. Dieser erhöht die UV-Empfindlichkeit. Laut Prof. Eschenhagen sei dies „vermutlich auch eine Erklärung, warum in Studien festgestellt wurde, dass bei langfristiger Einnahme dieser Substanz das Risiko für Hautkrebs erhöht ist.“ Daher gelte: Wer HCT einnimmt, müsse noch vorsichtiger mit der Sonne umgehen, sich mit hohem UV-A-Schutz eincremen und empfindliche Stellen durch Kleidung schützen.
Schmerzpflaster: Überdosierung bei Hitze vermeiden
Ein anderes Problem gibt es mit Schmerzpflastern: „Bei einer hohen Hauttemperatur wird mehr Wirkstoff freigesetzt. Das erhöht das Risiko einer Überdosierung. Anzeichen sind Schwäche- oder Schwindelgefühl, Schläfrigkeit, Schwierigkeiten beim Gehen oder Sprechen“, warnt der Pharmakologe. Deshalb sollte intensive Sonneneinwirkung auf der Stelle des Pflasters vermieden werden.
Insgesamt gilt: Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte bei Hitze besonders auf seinen Körper achten, ausreichend trinken und direkte Sonne meiden. Bei Unsicherheiten oder auftretenden Beschwerden ist der Arzt oder die Apotheke der richtige Ansprechpartner.



