Junkfood-Hersteller behindern laut WHO den Kampf gegen Übergewicht
WHO: Junkfood-Hersteller blockieren Gesundheitsinitiativen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wirft großen Lebensmittelherstellern vor, mit einer Welle von Klagen den weltweiten Kampf gegen Übergewicht auszubremsen. Hersteller von Junkfood wehren sich gegen staatliche Auflagen wie Zuckersteuern, Warnhinweise oder Werbeverbote. Dadurch entstünden Milliardenkosten – sowohl in den Gesundheitssystemen als auch durch juristische Auseinandersetzungen, kritisierte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus.

Bekanntes Muster der Einflussnahme

„Wenn Schaden und Profit an dasselbe Produkt gekoppelt sind, zeigt sich ein bekanntes Muster der Einflussnahme durch die Industrie: Zweifel säen und Regulierung behindern“, sagte Tedros. Diese Strategie sei aus anderen Branchen wie Tabak oder Alkohol bekannt. Die Prozesse hätten zudem eine abschreckende Wirkung: Regierungen zögerten, notwendige Schutzmaßnahmen einzuführen, aus Angst vor langwierigen Gerichtsverfahren.

Eine Milliarde Menschen mit Übergewicht

Das Ausmaß des Problems ist enorm: Weltweit haben etwa eine Milliarde Menschen starkes Übergewicht. Eine ungesunde Ernährung mit viel Zucker und Kalorien, aber wenig Ballaststoffen und Vitaminen, erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes und Krebs. Gleichzeitig steigt der Konsum hoch verarbeiteter Lebensmittel. Dazu zählen Softdrinks, Süßigkeiten, Chips und Fertiggerichte, die häufig große Mengen an Zucker, Salz und Zusatzstoffen enthalten.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

In einigen Ländern macht diese Art von Lebensmitteln bereits rund die Hälfte der gesamten Ernährung aus – etwa in Deutschland, Großbritannien und den USA. Die WHO drängt Staaten daher seit Langem, hoch verarbeitete Produkte strenger zu regulieren. Empfohlen werden etwa höhere Steuern auf zuckerhaltige Getränke, klare Warnhinweise auf Verpackungen und Einschränkungen der an Kinder gerichteten Werbung.

235 Klagen gegen Gesundheitsmaßnahmen

Wie die britische Zeitung „The Guardian“ berichtet, wurden zwischen 2010 und 2025 in den USA, Großbritannien, Mexiko, Brasilien und Kolumbien insgesamt 235 Klagen gegen gesundheitspolitische Maßnahmen eingereicht. Betroffen waren höhere Steuern, Warnhinweise auf Verpackungen und Werbeverbote. Zu den klagenden Unternehmen zählen demnach unter anderem Coca-Cola, PepsiCo, Mondelēz, Kellogg’s, Danone, Ferrero, Xignux und die Heartland Food Products Group.

Rund drei Viertel der bereits entschiedenen Verfahren haben die Hersteller verloren. Doch selbst erfolglose Klagen blockierten die Einführung von Gesundheitsmaßnahmen teils über Jahre. So können Konzerne durch aufeinanderfolgende Klagen politische Entscheidungen hinauszögern und damit den Schutz der Bevölkerung schwächen. Das zeigt, wie zäh sich die Branche gegen Veränderungen wehrt. Juristische Auseinandersetzungen sind für die Konzerne offenbar ein probates Mittel, um unliebsame Regeln zu kippen oder zumindest aufzuschieben.

Deutschland plant Zuckersteuer und Werbeverbot

Auch in Deutschland verschärft sich die Debatte über gesunde Ernährung. Die Bundesregierung hat sich auf eine Steuer für mit Zucker gesüßte Getränke geeinigt. Diese Abgabe soll dem Staat im kommenden Jahr 650 Millionen Euro einbringen. Zudem wird ein Verbot von Werbung für Junkfood diskutiert, die sich gezielt an Kinder richtet. Damit reagiert die Politik auf die wachsende Zahl übergewichtiger Kinder und Jugendlicher – ein Problem, das laut WHO in vielen Ländern zunimmt.

Für die WHO bleibt klar: Ohne wirksame Regulierung wird sich der Trend zu ungesunder Ernährung und steigenden Übergewichtsraten nicht umkehren lassen.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration