Anschwemmung in Sizilien: Badegäste holten 670.000 Euro aus dem Meer
Badegäste bergen 670.000 Euro am Strand von Sizilien

Am Mittwochnachmittag geriet ein Boot aus Malta vor der Küste von Santa Croce Camerina auf Sizilien in Not. Wegen eines Motorschadens blieb das Fahrzeug auf dem Wasser liegen. Badegäste am nahen Strand bemerkten den Vorfall und schlugen Alarm, da sie zunächst ein Unglück mit Verletzten oder Toten befürchteten.

Küstenwache bringt Mann und Kind in Sicherheit

Die alarmierte Küstenwache entsandte umgehend ein Boot zur Unglücksstelle. Dort konnte die Besatzung einen Mann und einen achtjährigen Jungen aus dem Wasser beziehungsweise von dem havarierten Boot retten. Die beiden wirkten verängstigt, konnten aber zunächst nicht viel zu den Hintergründen sagen.

Doch dann geschah etwas Unerwartetes: Auf dem Motorboot tauchten plötzlich zwei weitere Männer auf, die sich zuvor offenbar im Unterdeck versteckt hatten. Einer der beiden griff blitzschnell nach einer Kühltasche, warf sie ins Meer und sprang hinterher. Sein Begleiter folgte ihm unmittelbar. Beide schwammen in Richtung Strand.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Geldbündel treiben in Richtung Badegäste

Die Kühltasche trieb derweil auf das Ufer zu. Offenbar platzte sie oder wurde geöffnet, denn aus ihr fielen etliche Bündel mit Geldscheinen. Einige dieser Pakete wurden direkt zwischen den Badegästen angespült. Die Urlauber reagierten spontan: Sie eilten ins Wasser, griffen nach den Scheinen und steckten die Bündel in Taschen, Handtücher und Kleidungsstücke.

Doch ihre Freude währte nur kurz. Kurze Zeit später rückten Einsatzkräfte der Küstenwache, der Finanzpolizei, der Polizei und der Carabinieri an. Sie riegelten den Strandabschnitt ab und stellten die Urlauber zur Rede. Nach Angaben der Ermittler gelang es den Beamten, so gut wie alle Geldscheine wieder einzusammeln. Am Ende ergab die Zählung eine beeindruckende Summe: insgesamt 670.000 Euro.

Drei Malteser in Verdacht

Bei den drei Männern, die auf dem Boot gewesen waren, handelt es sich nach Informationen der Fahnder um maltesische Staatsangehörige im Alter zwischen 20 und 30 Jahren. Zwei von ihnen konnten identifiziert und festgenommen werden. Die Staatsanwaltschaft Ragusa eröffnete ein Ermittlungsverfahren gegen die beiden. Ihnen wird Hehlerei vorgeworfen. Zusätzlich verhängte die Finanzpolizei ein Bußgeld wegen unerlaubter Einfuhr von Bargeld in die Europäische Union.

Zu den Vorwürfen haben sich die beiden Beschuldigten bislang nicht geäußert. Sie schweigen laut „Corriere“ vollkommen. Der dritte Mann, der mit der Kühltasche das Weite suchte, ist weiterhin auf der Flucht und konnte bislang nicht identifiziert werden. Auch das Boot und das sichergestellte Bargeld wurden beschlagnahmt. Die Ermittler gehen davon aus, dass das Geld einen kriminellen Hintergrund haben könnte.

Rätsel um den achtjährigen Jungen

Besondere Aufmerksamkeit widmen die Behörden dem Kind, das zusammen mit einem der Männer an Bord war. Der Junge spricht kein Italienisch und stammt vermutlich aus dem Ausland. Nach ersten Erkenntnissen ist er mit den beiden identifizierten Männern nicht verwandt. Die Jugendstaatsanwaltschaft hat die Betreuung übernommen und den Jungen vorläufig dem Sozialdienst übergeben. Parallel dazu suchen die Ermittler nach den Eltern des Kindes.

Die Herkunft der 670.000 Euro ist nach wie vor unklar. Die Ermittler halten mehrere Szenarien für denkbar: So könnte es sich um eine Zahlung für Drogengeschäfte handeln, um Geldwäsche oder aber um Falschgeld. Ob die Männer Teil eines größeren Schleusungs- oder Kriminalnetzwerks sind, wird geprüft. Die italienischen Behörden haben die Ermittlungen in alle Richtungen aufgenommen.

Badeurlauber unter Schock

Der Vorfall hat am Strand von Santa Croce Camerina für große Aufregung gesorgt. Viele Badegäste, die zunächst beherzt zugegriffen hatten, zeigten sich nach dem Polizeieinsatz verdutzt. Einige hätten zunächst an eine Werbeaktion oder einen Scherz geglaubt, berichteten örtliche Medien. Die Beamten erklärten den Urlaubern, dass das Geld womöglich aus einer Straftat stammt und sichergestellt werden musste.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

Die örtlichen Behörden lobten die schnelle Koordination der verschiedenen Einsatzkräfte. Ohne das umsichtige Handeln der Küstenwache und der Polizei wäre die Summe womöglich abhanden gekommen. Ob die Badegäste, die das Geld ursprünglich an sich genommen hatten, mit rechtlichen Konsequenzen rechnen müssen, ist unklar. Die Ermittler prüfen außerdem, ob es Zeugen gibt, die die Flucht des dritten Mannes näher beschreiben können. Die Ermittlungen dauern an.