Am Amtsgericht Landsberg hat am Donnerstag der Prozess gegen einen Justizvollzugsbeamten begonnen, der Drogen in die Justizvollzugsanstalt (JVA) Landsberg geschmuggelt haben soll. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 34-jährigen Angeklagten vor, in mindestens drei Fällen Rauschgift an einen Gefangenen weitergegeben zu haben.
Vorwurf: Übergabe von Kokain und Marihuana
Laut Anklage soll der Beamte zwischen März und August 2023 insgesamt etwa 30 Gramm Kokain und 50 Gramm Marihuana in die Anstalt gebracht haben. Die Übergaben sollen in einem Toilettenbereich der JVA stattgefunden haben, wo der Beamte die Drogen an einen 29-jährigen Häftling übergeben haben soll. Als Gegenleistung soll er 1.500 Euro erhalten haben.
Der Angeklagte, der seit 2015 im bayerischen Justizvollzug tätig ist, schweigt zu den Vorwürfen. Sein Verteidiger kündigte an, sich im Laufe des Verfahrens zu äußern. Das Gericht hat bislang drei Verhandlungstage angesetzt, ein Urteil wird frühestens Ende Juni erwartet.
Ermittlungen durch interne Kontrollen ausgelöst
Aufgeflogen war der mutmaßliche Schmuggel durch eine interne Kontrolle der JVA-Leitung. Bei einer Durchsuchung der Zelle des Häftlings wurden Drogen gefunden, die nach ersten Erkenntnissen von außen in die Anstalt gelangt sein mussten. Die daraufhin eingeleiteten Ermittlungen der Kriminalpolizei führten schließlich zu dem Beamten.
Die JVA Landsberg betonte auf Anfrage, man habe umgehend reagiert und den Beamten vom Dienst suspendiert. „Wir haben ein großes Interesse daran, dass solche Vorfälle lückenlos aufgeklärt werden“, sagte ein Sprecher der Anstalt. Man habe zudem die Sicherheitsmaßnahmen überprüft und verstärkt.
Justizvollzug unter Druck
Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die Sicherheitslage in bayerischen Gefängnissen. Erst im vergangenen Jahr waren in mehreren bayerischen Justizvollzugsanstalten ähnliche Fälle bekannt geworden, bei denen Beschäftigte Gegenstände oder Drogen eingeschleust hatten. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) fordert daher eine bessere Überwachung des Personals und mehr Kontrollen.
„Solche Einzelfälle dürfen nicht das Vertrauen in die Justizvollzugsbeamten untergraben, die tagtäglich einen schwierigen Job machen“, sagte ein GdP-Sprecher. Dennoch müsse man die Sicherheitsvorkehrungen kontinuierlich anpassen, um Missbrauch zu verhindern. Die JVA Landsberg hat bereits angekündigt, die Schleusen- und Kontrollmechanismen zu modernisieren.
Prozess wird fortgesetzt
Der Prozess wird am 15. Juni fortgesetzt. Dann sollen weitere Zeugen gehört werden, darunter auch der Gefangene, der die Drogen erhalten haben soll. Das Gericht will zudem Gutachten zur Glaubwürdigkeit der Beteiligten einholen. Der Angeklagte droht im Falle einer Verurteilung eine Freiheitsstrafe von mehreren Jahren – wegen Bestechlichkeit und unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln.
Die Öffentlichkeit verfolgt den Fall mit großem Interesse, da er zeigt, wie schwer es ist, Schmuggel in Gefängnissen zu verhindern. Die JVA Landsberg ist eine der größten in Bayern und beherbergt derzeit rund 500 Insassen.



