Klaus Helmut R. (71) aus Oelsnitz im Vogtland steht vor dem Amtsgericht Plauen, weil er seiner Nachbarin Erna Monika J. (85) siebenmal die Schlösser mit Sekundenkleber verklebt hat. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Sachbeschädigung und Nötigung vor. Der Gesamtschaden beläuft sich auf 350 Euro, da jedes Mal ein Austausch der Schließzylinder nötig war.
Angeklagter gesteht Taten
Vor Gericht räumte Klaus Helmut R. die Vorwürfe ein: „Ich räume die Vorwürfe alle ein. Ich habe Frau J. schon den Schaden bezahlt.“ Videoaufnahmen der Polizei, die durch den Türspion gemacht wurden, machten ein Leugnen unmöglich. Die Taten ereigneten sich im November und Dezember 2024.
Richter Christian Linhardt fragte wiederholt nach dem Motiv: „Warum haben Sie das getan?“ Der Rentner antwortete ausweichend mit „allgemeinen Diskrepanzen“ und beschwerte sich über die beiden Katzen der Nachbarin, die ihn im Hausflur störten.
Opfer verteidigt ihre Katzen
Erna Monika J., die am 30. Juli aussagen soll, zeigte sich verständnislos: „Mein Peterle und die Micki sind so liebe Tiere. Außerdem sind sie fast nie im Hausflur. Das ist gemein.“ Besonders bitter: Der Angeklagte verklebte ihre Schlösser sogar an Heiligabend und Silvester.
Die Nachbarin hat dem Rentner bis heute nicht verziehen. Sie zieht nun ins betreute Wohnen, um dem Spuk ein Ende zu setzen.
Frühere Diebstähle: Hitler-Quartett gestohlen
Richter Linhardt verwies auf ein früheres Urteil gegen Klaus Helmut R. Nur Wochen vor den Schlüsselloch-Attacken war er wegen Diebstahls zu 95 Tagessätzen à 35 Euro verurteilt worden. Er hatte bei einer Ausstellung auf Schloss Voigtsberg in Oelsnitz ein historisches „Führer-Quartett-Spiel“ mit Hitler-Motiven gestohlen. Die Oelsnitzer Kultur GmbH setzte 1000 Euro Belohnung aus. Aus Angst gab R. die Karten später zurück.
Der Prozess wird fortgesetzt. Der Angeklagte zeigte sich reumütig, doch die Motive bleiben unklar. Die Staatsanwältin fasste zusammen: „Jedes Mal war ein Austausch der Schließzylinder nötig, 350 Euro betrug der Sachschaden.“



