Schottin in Koffer in Athen gefunden – Handy sendete weiter
Schottin tot in Koffer – Handy sendet weiter

Athen – Die Suche nach der Wahrheit im Fall der 38-jährigen Britin Elizabeth R. hält Griechenland in Atem. Die Leiche der Schottin war am 18. Juli in einem Koffer in einem verlassenen Gebäude im Athener Stadtteil Kypseli entdeckt worden. Besonders rätselhaft: Obwohl die Frau nach Einschätzung der Behörden zu diesem Zeitpunkt bereits tot gewesen sein könnte, sendete ihr Smartphone noch tagelang Nachrichten an Freunde und Verwandte.

Leiche in verlassenem Gebäude

Der Fundort liegt in einem heruntergekommenen Viertel, das von Obdachlosigkeit und Leerstand gezeichnet ist. Ein Obdachloser, der das Gebäude durchsuchte, stieß auf den Koffer und alarmierte die Polizei. Die Ermittler identifizierten die Tote als Elizabeth R., eine 38 Jahre alte Sozialarbeiterin aus Edinburgh, die seit Jahren regelmäßig nach Griechenland reiste, um Migranten und misshandelte Frauen zu unterstützen.

Freunde in Athen hatten R. zuletzt am 15. Juli gesehen. Drei Tage später wurde ihre Leiche gefunden. Nach Angaben der griechischen Behörden war sie Ende Juni über Zypern eingereist. Sie galt als tief gläubige Christin und engagierte sich besonders für Menschen am Rande der Gesellschaft. Eine Anwohnerin von Kypseli sagte dem griechischen Nachrichtenportal Protothema, sie habe R. wenige Tage vor ihrem Verschwinden im Gespräch mit Obdachlosen in der Gegend gesehen.

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Handy-Nachrichten nach dem Tod

Der mysteriöseste Aspekt des Falles sind jedoch die Textnachrichten, die nach dem mutmaßlichen Todeszeitpunkt versendet wurden. R.s Vater erklärte gegenüber der britischen Tageszeitung Daily Mail, er habe noch bis zum 29. Juli SMS von seiner Tochter erhalten. Darin habe sie mitgeteilt, sie brauche Zeit für sich und wolle allein sein. Auch andere Freunde und Angehörige bekamen ähnliche Nachrichten.

Für die Ermittler ist klar: Jemand muss das Telefon der Toten benutzt haben, um den Anschein zu erwecken, R. lebe noch. Unterstützt wird diese Theorie dadurch, dass das Smartphone kurz nach Bekanntwerden des Todes abgeschaltet wurde. Seitdem verliert sich jede Spur des Geräts. Die Polizei prüft nun, welche Mobilfunkmasten die Nachrichten gesendet haben und wer Zugriff auf das Telefon hatte.

Hauptverdächtiger: Ein Obdachloser namens Markos

Im Zentrum der Ermittlungen steht ein 40 Jahre alter Obdachloser namens Markos. Er soll regelmäßig in dem verlassenen Gebäude geschlafen haben, in dem die Leiche entdeckt wurde. Zeugen beschreiben ihn als aggressiv, alkohol- und drogensüchtig. Insbesondere gegenüber Frauen soll er bedrohlich aufgetreten sein. Seit dem Leichenfund ist er verschwunden. Die Polizei fahndet nach dem kräftig gebauten, tätowierten und schwarzhaarigen Mann.

Ob Markos mit dem Tod von Elizabeth R. in Verbindung steht, ist unklar. Die Behörden hoffen, ihn mithilfe von Zeugenaussagen und Überwachungskameras ausfindig zu machen. Auch die letzten Wege der Schottin werden minutiös rekonstruiert. Freunden hatte sie erzählt, dass sie zu amerikanischen Bekannten in Kypseli ziehen werde. Doch die Ermittler haben diese Personen bisher nicht finden können. Es wird sogar geprüft, ob diese angeblichen Freunde überhaupt existieren. Möglich sei, dass R. ihre tatsächlichen Pläne bewusst geheim hielt, so die Behörden.

Autopsie ohne eindeutige Hinweise

Auch die Todesursache gibt weiterhin Rätsel auf. Die griechische Polizei wartet noch auf das endgültige Obduktionsergebnis. Bisher wurden keine sichtbaren Verletzungen, keine Anzeichen für einen Kampf und keine Spuren von Strangulation festgestellt. Eine toxikologische Untersuchung könnte Aufschluss darüber geben, ob R. möglicherweise vergiftet wurde oder an einer natürlichen Ursache starb. Die Ermittler schließen jedoch ein Gewaltverbrechen nicht aus – dafür spricht die Tatsache, dass sie in einem Koffer versteckt und in einem verlassenen Gebäude zurückgelassen wurde.

Der Fall erinnert an andere Verbrechen, bei denen Täter versuchten, den Tod ihrer Opfer zu verschleiern, indem sie deren Mobiltelefone weiter benutzten. Für die griechische Polizei ist es ein Wettlauf gegen die Zeit, um den Aufenthaltsort von Markos zu ermitteln und die Lücken in der Chronologie zu schließen. Die Angehörigen von Elizabeth R. hoffen auf schnelle Antworten – und auf Gerechtigkeit für die Frau, die ihr Leben dem Helfen gewidmet hat.

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