In der spanischen Exklave Ceuta an der nordafrikanischen Küste herrscht Alarmstimmung: Mehr als 1500 Menschen – darunter zahlreiche Minderjährige – sind in den vergangenen Tagen auf dem Seeweg aus Marokko eingetroffen. Die örtlichen Behörden haben angesichts der angespannten Lage die Armee zu Hilfe gerufen. „Wir befinden uns in einer Situation des totalen humanitären und sozialen Notstands“, erklärte der Präsident des Gebiets, Juan Jesús Vivas, am Donnerstag.
Rezeptionseinrichtungen am Limit
Die Aufnahmezentren in Ceuta seien völlig überlastet, betonte Vivas. Die Kommunalverwaltung sei nicht mehr in der Lage, die Neuankömmlinge angemessen zu versorgen. Bereits am Mittwoch hatte der Regionalpräsident gewarnt, dass die Kapazitäten erschöpft seien. Die meisten Migranten erreichen Ceuta in Schlauchbooten oder schwimmend, viele von ihnen sind unterkühlt und dehydriert.
Spanien reagiert mit koordiniertem Krisenmanagement
Das spanische Innenministerium teilte mit, verschiedene Ressorts arbeiteten „koordiniert“ daran, „mit größtmöglicher Schnelligkeit und Effizienz auf die Situation in Ceuta zu reagieren“. Innenminister Fernando Grande-Marlaska kündigte an, am Freitag persönlich nach Ceuta zu reisen, um sich ein Bild von der Lage zu machen und mit den Behördenvertretern zu sprechen. Die Regierung habe ihre Ressourcen aufgestockt – „um die Sicherheit und die Kontrolle der Migration sowie die notwendige humanitäre Hilfe zu gewährleisten, damit auf See keine Menschenleben gefährdet werden“, so das Ministerium.
Marokko als wichtiger Partner
Die marokkanische Regierung arbeite eng mit Spanien zusammen, um die Krise zu bewältigen, erklärte das Innenministerium. Marokkanische Sicherheitskräfte hätten bereits „zahlreiche Menschen“ daran gehindert, die Grenze zu Ceuta zu überqueren. Marokko ist für viele Migranten ein Transitland auf dem Weg nach Europa. Ceuta und die ebenfalls zu Spanien gehörende Exklave Melilla sind die einzigen Landgrenzen der Europäischen Union mit dem afrikanischen Kontinent und daher seit Jahren Brennpunkte der Migration.
Humanitäre Notlage erfordert schnelles Handeln
Die aktuellen Ankünfte übertreffen frühere Wellen deutlich. Hilfsorganisationen warnen vor einer dramatischen Überlastung der ohnehin knappen Ressourcen in Ceuta. Viele der Migranten benötigen dringend medizinische Versorgung. Die spanische Regierung kündigte an, die Zusammenarbeit mit Frontex und anderen EU-Stellen zu verstärken, um eine Wiederholung solcher Massenankünfte zu verhindern. Die Krise in Ceuta zeigt erneut die Herausforderungen der europäischen Migrationspolitik an den südlichen Außengrenzen auf.



