Ceuta: 72.000 Migranten, 70.000 zurück, 75 Tote
Ceuta: 72.000 Migranten, 70.000 zurück, 75 Tote

Die spanische Regierung hat die Zahl der Migranten, die vergangene Woche irregulär in die nordafrikanische Exklave Ceuta gelangten, auf rund 72.000 nach oben korrigiert. Wie Innenminister Fernando Grande-Marlaska vor Journalisten erklärte, seien etwa 70.000 von ihnen inzwischen nach Marokko zurückgekehrt. Die Zahl der Todesopfer stieg nach der Bergung von drei weiteren Leichen auf 75, nachdem zuvor 72 Tote bestätigt worden waren.

Korrektur der offiziellen Zahlen

Mit den neuen Zahlen korrigierte Madrid seine bisherigen Angaben deutlich nach oben. Zuvor war man von rund 50.000 Ankömmlingen ausgegangen. Ceutas Regionalpräsident Juan Jesús Vivas hatte die Zahl sogar auf bis zu 80.000 geschätzt. Der Massenansturm ereignete sich insbesondere am Donnerstag vergangener Woche und stellte die Behörden vor enorme Herausforderungen.

Grande-Marlaska äußerte sich nach einer Videokonferenz der EU-Innenminister und bezeichnete die Sitzung als „absolut konstruktiv“. Die Mitgliedstaaten hätten die „umgehende und wirksame Reaktion“ der spanischen Behörden auf die Migrationskrise anerkannt. Zudem sei deutlich geworden, dass Ceuta als Außengrenze der Europäischen Union besonderen Schutz benötige und deren Sicherung eine gemeinsame europäische Aufgabe sei.

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Zusammenarbeit mit Marokko

Der Innenminister der linken Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez hob erneut die Zusammenarbeit mit Marokko hervor. Beide Länder hätten bereits vor dem 30. Juli und auch danach eng kooperiert, um eine humanitäre Tragödie zu verhindern sowie die spanische und europäische Außengrenze zu schützen. Diese Kooperation habe die rasche Rückkehr der meisten Menschen ermöglicht, die irregulär nach Spanien eingereist seien.

Die Krise hatte Ende vergangener Woche europaweit eine Debatte über den Schutz der EU-Außengrenzen ausgelöst. Madrid wurde von einigen EU-Regierungen kritisiert und von der Opposition im Land scharf angegriffen. Unter anderem wurde der Vorwurf laut, die Regierung habe Warnungen des Geheimdienstes über einen bevorstehenden Ansturm ignoriert. Grande-Marlaska wies diesen Vorwurf ebenso zurück wie andere Minister zuvor.

Überlastetes Aufnahmesystem für Minderjährige

Besonders angespannt bleibt die Situation bei den unbegleiteten Minderjährigen, die in die Exklave gelangt sind. Nach Angaben der Regionalregierung betreut Ceuta seit dem Ansturm mindestens 862 Kinder und Jugendliche, obwohl regulär nur 29 Plätze zur Verfügung stehen. Deshalb werden zusätzliche Unterkünfte in umfunktionierten Gebäuden eingerichtet.

Grande-Marlaska betonte, dass in Spanien die Grundrechte von Minderjährigen respektiert würden. „Das gehört zu unseren wichtigsten Verpflichtungen und Prioritäten“, sagte er. Die Situation bleibt angespannt, und die Behörden arbeiten daran, die Unterbringung und Versorgung der Kinder und Jugendlichen sicherzustellen.

Hintergrund und Reaktionen

Der Ansturm auf Ceuta hatte nicht nur politische Debatten ausgelöst, sondern auch humanitäre Fragen aufgeworfen. Die hohe Zahl der Todesopfer verdeutlicht die Gefahren der irregulären Migration. Die spanische Regierung steht unter Druck, sowohl die Grenzsicherung zu verstärken als auch die humanitären Standards einzuhalten.

Die EU-Innenminister zeigten sich solidarisch mit Spanien und betonten die Notwendigkeit gemeinsamer Lösungen. Die Ereignisse in Ceuta haben gezeigt, dass die Außengrenzen der EU besser geschützt werden müssen, aber auch, dass die Zusammenarbeit mit Herkunfts- und Transitländern wie Marokko entscheidend ist.

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