Wohngeld: Strom- und Internetkosten bleiben oft außen vor
Wohngeld: Strom- und Internetkosten außen vor

Empfängerinnen und Empfänger von Wohngeld stehen in vielen Fällen vor einer nicht einkalkulierten Belastung: Strom- und Internetkosten werden bei der Berechnung der staatlichen Unterstützung nicht gesondert berücksichtigt. Das führt immer wieder zu Verunsicherung und zu finanziellen Engpässen.

Was das Wohngeld leistet

Das Wohngeld setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen. Die wichtigste ist die Miete beziehungsweise die Wohnkostenbelastung. Daneben werden auch die Heizkosten in der Berechnung mit einbezogen, sofern sie tatsächlich anfallen und angemessen sind. Was viele nicht wissen: Die Kosten für Strom und für den Internetanschluss gehören nicht zu diesen anerkannten Wohnkosten.

Stattdessen werden sie über einen pauschalen Betrag für die sogenannten persönlichen Bedürfnisse abgegolten. Dieser Betrag ist Teil der Bedarfsberechnung und orientiert sich nicht an den tatsächlichen Ausgaben. Wer also einen hohen Stromverbrauch hat oder auf einen teuren Internetanschluss angewiesen ist, kann diesen Aufwand nicht direkt im Wohngeldantrag angeben.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Wohngeldreform brachte mehr Geld – aber keine neue Kostenart

Die große Wohngeldreform, die seit Anfang 2023 gilt, hat vielen Bürgerinnen und Bürgern erstmals einen Anspruch auf Wohngeld eröffnet. Die Zahl der Haushalte hat sich auf rund zwei Millionen verdoppelt. Die durchschnittliche Erhöhung der Leistung beträgt rund 190 Euro pro Monat.

Mit der Reform wurde auch eine Komponente für Heizkosten eingeführt. Sie soll die stark gestiegenen Energiepreise abfedern und wird anhand der individuellen Heizkosten ermittelt. Strom- und Internetkosten spielen in dieser Kalkulation jedoch weiterhin keine Rolle.

Warum das viele Haushalte trifft

Die Preise für Energie und Kommunikationsdienste sind in den letzten Jahren deutlich gewachsen. Stromtarife folgen dabei den Entwicklungen am Energiemarkt, auch wenn der sogenannte Strompreisdeckel zwischenzeitlich eingriff. Bei den Internetanschlüssen steigen die monatlichen Kosten moderat, aber stetig. In Haushalten, in denen mehrere Personen im Homeoffice arbeiten oder Kinder für die Schule auf das Internet angewiesen sind, wird ein günstiger Tarif schnell zu einem unverhältnismäßig teuren Posten.

Da das Wohngeld diese Kosten nicht extra abbildet, bleibt die Lücke im Budget bestehen. Kritikerinnen und Kritiker fordern seit Langem, die Kommunikations- und Energiekosten in die Wohngeldformel aufzunehmen. Bislang blieb die Bundesregierung bei ihrer Ansicht, dass diese Ausgaben über die pauschalen Haushaltsbeträge abgedeckt seien.

Tipps für Betroffene

Wer Wohngeld bezieht und mit hohen Strom- und Internetrechnungen kämpft, sollte prüfen, ob andere Hilfen in Anspruch genommen werden können. Dazu zählen etwa die Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch für Bildung und Teilhabe, die unter bestimmten Bedingungen auch einen Zuschuss zum Internetzugang für Kinder vorsehen. Auch ein Anbieterwechsel bei Strom oder Internet kann das monatliche Budget spürbar entlasten.

Es lohnt sich, die eigenen Verträge regelmäßig zu überprüfen und gegebenenfalls günstigere Tarife zu wählen. Viele Vergleichsportale helfen dabei, die Kosten niedrig zu halten. Zudem sollten Wohngeld-Empfänger wissen, dass sie ihre tatsächlichen Kosten für Strom und Internet nicht im Wohngeldantrag angeben können – das macht das Verfahren zwar einfacher, führt aber zu bösen Überraschungen.

Bleibt die Falle bestehen?

Eine kurzfristige Änderung der Wohngeldregeln ist nicht in Sicht. Die Bundesregierung hat bislang keine Anzeichen erkennen lassen, die Berechnungsbasis zu erweitern. Es bleibt also dabei: Die staatliche Hilfe dient vor allem der Miete und der Heizung. Für Strom und Internet müssen die Haushalte weiterhin selbst aufkommen – das ist die Realität, die viele Mieterinnen und Mieter erst mit dem ersten Bescheid erkennen.

Eine gute Vorbereitung auf den Wohngeldantrag sowie ein prüfender Blick auf alle Nebenkosten können dazu beitragen, der „Falle“ aus dem Weg zu gehen. Ob sich dies in Zukunft ändert, wird von der politischen Debatte über die Gestaltung der sozialen Sicherung abhängen.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration