München – Die Landwirtschaft in Bayern verliert weiter an Boden: Die landwirtschaftlich genutzte Fläche im Freistaat ist im Jahr 2024 erneut geschrumpft. Nach Angaben des Bayerischen Landesamts für Statistik wurden im vergangenen Jahr rund 3,08 Millionen Hektar landwirtschaftlich bewirtschaftet – das sind etwa 6.000 Hektar weniger als im Jahr zuvor. Dies entspricht einem Rückgang von 0,2 Prozent.
Rückgang bei Getreide, Zuwachs beim Ökolandbau
Die Entwicklung setzt einen langjährigen Trend fort: Seit Jahren nimmt die Agrarfläche in Bayern ab, während Siedlungs- und Verkehrsflächen wachsen. Besonders betroffen ist der Anbau von Getreide. Die Anbaufläche für Weizen sank um 2,4 Prozent auf rund 490.000 Hektar, die für Mais um 1,8 Prozent auf etwa 390.000 Hektar. Auch der Anbau von Raps ging zurück, und zwar um 3,1 Prozent auf rund 110.000 Hektar.
Gleichzeitig gewinnt der ökologische Landbau weiter an Bedeutung. Die ökologisch bewirtschaftete Fläche stieg im Vergleich zum Vorjahr um 3,5 Prozent und liegt nun bei rund 490.000 Hektar. Damit werden etwa 16 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Bayern nach den Regeln des ökologischen Landbaus bewirtschaftet. Das entspricht dem erklärten Ziel der bayerischen Staatsregierung, den Ökolandbau bis 2030 auf 30 Prozent auszudehnen.
Gründe für den Flächenverlust
Als Hauptgründe für den Rückgang der landwirtschaftlichen Fläche nennt das Statistische Landesamt zum einen die Umwidmung von Ackerland in Siedlungs- und Verkehrsflächen. Zum anderen werden zunehmend Flächen aus der Produktion genommen, etwa für Naturschutz- oder Ausgleichsmaßnahmen. Auch Betriebsaufgaben tragen dazu bei: Immer mehr Höfe geben auf, ihre Flächen werden oft von größeren Betrieben übernommen, die sie nicht immer vollständig bewirtschaften.
Der Rückgang der Anbauflächen hat auch Auswirkungen auf die Ernte. Die bayerischen Bauern ernteten 2024 insgesamt rund 7,1 Millionen Tonnen Getreide – das sind 3,2 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Weizenernte fiel mit 3,1 Millionen Tonnen um 4,5 Prozent niedriger aus. Auch die Kartoffelernte ging zurück, und zwar um 2,8 Prozent auf rund 1,9 Millionen Tonnen.
Reaktionen aus der Landwirtschaft
Der Bayerische Bauernverband zeigt sich besorgt über die Entwicklung. „Jeder Hektar, der der Landwirtschaft verloren geht, ist ein Stück Zukunft, das wir nicht zurückbekommen“, sagte ein Sprecher des Verbands. Man fordere von der Politik, den Flächenverbrauch zu begrenzen und die Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft zu verbessern. Insbesondere der Druck auf die Flächen durch Photovoltaik-Freiflächenanlagen und andere Energieprojekte nehme zu.
Das Landesamt für Statistik wies zudem darauf hin, dass die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Bayern weiter sinkt. Im Jahr 2024 gab es noch rund 90.000 Betriebe, das sind etwa 1.000 weniger als im Vorjahr. Der Trend zur Betriebsgröße setzt sich fort: Die durchschnittliche Betriebsgröße liegt nun bei 34 Hektar.
Ausblick: Trend könnte sich fortsetzen
Ob sich der Rückgang der landwirtschaftlichen Fläche fortsetzt, hängt nach Einschätzung von Experten maßgeblich von der politischen Steuerung ab. Die bayerische Staatsregierung hat sich zum Ziel gesetzt, den täglichen Flächenverbrauch auf fünf Hektar pro Tag zu reduzieren. Aktuell liegt er nach Angaben des Landesamts bei rund acht Hektar pro Tag. Um das Ziel zu erreichen, wären strengere Vorgaben für die Ausweisung neuer Baugebiete und ein stärkerer Fokus auf Innenentwicklung nötig.
Für die Landwirte selbst bedeutet der Flächenverlust eine zunehmende Konkurrenz um Pachtflächen. Die Pachtpreise sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen, was die wirtschaftliche Lage vieler Betriebe erschwert. Gleichzeitig bietet der Ökolandbau Chancen: Die Nachfrage nach Bio-Produkten steigt, und die Umstellung auf ökologische Wirtschaftsweise kann für manche Betriebe ein Weg sein, sich zukunftsfähig aufzustellen.



