Der Erdüberlastungstag fällt in diesem Jahr auf den 31. Juli. Wie die Organisation Global Footprint Network mitteilte, leben die Menschen ab diesem Datum ökologisch auf Pump: Sie verbrauchen mehr Acker- und Weideland, Fischgründe und Wald, als die Erde regenerieren kann, und stoßen mehr CO2 aus, als Wälder und Ozeane aufnehmen können. Rechnerisch wären 1,73 Erden nötig, um den tatsächlichen Bedarf der Menschheit zu decken.
Folgen der Übernutzung sind sichtbar
Der WWF weist darauf hin, dass die Übernutzung bereits deutliche Spuren hinterlässt: Entwaldung, degradierte Böden, Verlust der biologischen Vielfalt und steigende CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre. Im vergangenen Jahr lag der Erdüberlastungstag noch auf dem 24. Juli – die diesjährige Verschiebung um sechs Tage ist laut WWF jedoch überwiegend auf aktualisierte Daten zurückzuführen und nicht auf ein nachhaltigeres Wirtschaften.
„Dass der Erdüberlastungstag dieses Jahr sechs Tage später liegt als 2025, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir weiterhin deutlich über die ökologischen Grenzen unseres Planeten hinaus wirtschaften“, erklärte Björn Schulz, Experte für Kreislaufwirtschaft beim WWF Deutschland. „Tatsächlich wächst die Lücke zwischen dem hohen Ressourcenverbrauch der Menschheit und der Regenerationsfähigkeit der Erde weiter.“
Deutschland liegt weit vorne beim Ressourcenverbrauch
Würden alle Menschen so konsumieren wie die Deutschen, wäre der Erdüberlastungstag bereits am 10. Mai gewesen. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) fordert daher von der Bundesregierung einen raschen Ausbau der erneuerbaren Energien und eine Abkehr von fossilen Brennstoffen. „Unser Wirtschaftssystem frisst seine eigene Substanz und zerstört damit die Lebensgrundlagen für künftige Generationen“, betonte BUND-Vorsitzender Olaf Brandt. Der Erdüberlastungstag müsse als Weckruf verstanden werden.
Mögliche Lösungen: CO2-Reduktion als größter Hebel
Das Global Footprint Network hat analysiert, welche Maßnahmen den Stichtag nach hinten verschieben könnten. Den größten Effekt hat die Reduzierung von CO2-Emissionen, die für 60 Prozent des ökologischen Fußabdrucks verantwortlich sind. Konkrete Beispiele aus der Analyse:
- Erhöhung des CO2-Preises: Verschiebung um 63 Tage
- 75 Prozent des Stroms aus CO2-armen Quellen (statt aktuell 39 Prozent): 26 Tage
- Halbierung des Fleischkonsums: 17 Tage
- Halbierung der Autofahrten: 13 Tage
- Halbierung der Lebensmittelverschwendung: 13 Tage
- Aufforstung von 350 Millionen Hektar Wald: 8 Tage
- Halbierung der touristischen Flugreisen: 1 Tag
Deutlich wird: Flugreisen sind nur ein kleiner Hebel; die größten Potenziale liegen in der Energiewende und einem veränderten Konsumverhalten.
Kreislaufwirtschaft als Schlüssel
Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) warnte anlässlich des Erdüberlastungstages vor dem fahrlässigen Umgang mit natürlichen Ressourcen. „Wir haben nur diese eine Erde, die uns Menschen versorgt, mit lebensnotwendigen Grundlagen: mit frischem Wasser, erholsamer Natur, mit Ackerland und auch mit kostbaren Rohstoffen, die wir für unsere Wirtschaft brauchen“, sagte er der „Rheinischen Post“. Neben Klima- und Naturschutz spiele die Kreislaufwirtschaft eine entscheidende Rolle. „Wer Rohstoffe im Kreislauf hält, schützt Klima und Natur und stärkt zugleich den Wirtschaftsstandort Deutschland.“
Berechnungsmethode und Genauigkeit
Den Erdüberlastungstag errechnet das Global Footprint Network, indem es die benötigten standardisierten Flächeneinheiten für Nahrung, Holz, die Aufnahme von CO2 sowie Siedlungsfläche dem gegenüberstellt, was die Erde an Ressourcen bereitstellen und an Abfällen aufnehmen kann. Die Daten werden jährlich mit aktuellen Werten und methodischen Verfeinerungen aktualisiert, weshalb sich frühere Erdüberlastungstage nachträglich verschieben können. Ähnlich wie beim Bruttoinlandsprodukt sind die Werte nicht vollkommen präzise, geben aber einen klaren Trend vor.



