Hamburgs Straßenbaumbestand wächst auf über 230.000 Bäume
Hamburgs Straßenbaumbestand wächst auf über 230.000

In Hamburg wurden im vergangenen Jahr mehr Stadtbäume neu gepflanzt als gefällt – bereits das dritte Jahr in Folge. Damit stünden an den Straßen der Stadt nun über 230.000 Bäume, sagte Umweltsenatorin Katharina Fegebank (Grüne) bei der Vorstellung der Straßenbaumbilanz. „Wie wichtig Bäume für das Hamburger Stadtklima sind, hat die extreme Hitzewelle in diesem Sommer erneut deutlich gemacht.“

Zum ersten Mal seit 2010 seien wieder über 25 Prozent der Stadt mit Baumkronen bedeckt, „was auch für eine Großstadt, Handelshafen, Industriemetropole, ich würde mal sagen, ein sensationeller Wert ist“, so Fegebank. Eine Analyse habe ergeben, „dass wir 26,1 Prozent der gesamten Stadtfläche mit Kronen überschirmt haben“, erklärte der Leiter des Hamburger Stadtbaummanagements, Torsten Melzer.

Was macht Bäume zu Straßenbäumen?

Straßenbäume haben „ein schweres Leben“, erklärte Melzer. Der Baum „würde sich niemals freiwillig an diesen Standort setzen. Daher müssen wir ihn pflegen und hegen.“ Bevor der Baum am Straßenrand gepflanzt werde, „wurde er in der Baumschule bereits für circa zwölf Jahre gehievt und gepflegt und kommt dann an diesen lebensfeindlichen Standort“. Die Pflanzsaison starte im Herbst und dauere bis März im Folgejahr. Als Straßenbäume werden nur die Bäume gezählt, die auf einem Straßenflurstück stehen. Bäume in Grünanlagen und auf privaten Flächen erfasst die Statistik nicht.

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Wie viele Straßenbäume zählt die Stadt?

Ausweislich des Hamburger Baumkatasters stehen im Stadtgebiet derzeit 231.081 Straßenbäume. Laut Senat wurden im vergangenen Jahr 1.863 Straßenbäume gepflanzt und 1.511 gefällt. Das bedeutet: Hamburgs Straßenbaumbestand ist um 352 Bäume gewachsen. Das digitale Baumkataster gibt es laut Stadt seit 1998. Es ermögliche eine effiziente Erfassung und Pflege des Baumbestands und die gezielte Umsetzung von Maßnahmen zu dessen Erhalt. Seit 2016 können auch Bürgerinnen und Bürger online darauf zugreifen.

Der älteste Straßenbaum und die Bedeutung der Altbäume

Der älteste Straßenbaum Hamburgs hat Melzer zufolge schon ein paar Jahrhunderte gesehen: „Das ist eine Eiche mit dem Pflanzjahr 1760.“ Sie stehe am Jenischpark im Albertiweg. Der Baum ist einer von rund 31.500 Altbäumen. Dazu zählen nach Angaben der Behörde alle Bäume, die mindestens 80 Jahre alt sind. Etwa 1.300 Bäume kamen im vergangenen Jahr hinzu. Fegebank zufolge zeichnen sich die Altbäume dadurch aus, dass sie „besonders viel Schatten spenden, Lebensraum für zahlreiche Arten bieten und das Stadtbild prägen“.

Bewässerung und Anpassung an den Klimawandel

In den ersten drei bis fünf Standjahren würden die Straßenbäume noch gewässert, erklärt Melzer. Durch Hitzeperioden könne sich dieser Zeitraum verlängern: Bis zum zehnten Standjahr – dann ist der Baum bereits über 20 Jahre alt – könne es in manchen Fällen erforderlich sein, ihn zu gießen. Größere, ältere Bäume müssten sich alleine mit Wasser versorgen. „Und das schaffen Bäume auch sehr gut, indem sie über die Kapillarwirkung im Boden über ihr breites Wurzelwerk das oberflächennahe Grundwasser anzapfen“, sagt Melzer.

Um die Stadtbäume zukunftsfest und robust zu machen, sei ein vielfältiger, durchmischter Bestand entscheidend. „Wir haben inzwischen 320 verschiedene Baumarten an der Straße stehen“, sagt Melzer. Am häufigsten vertreten sind in Hamburg Sommerlinden, Winterlinden, Stieleichen, Ahorn und Spitzahorn. Im Bestand seien neben heimischen Arten auch viele Bäume aus Südeuropa, Osteuropa und Nordamerika. „Die haben einfach genetisch andere Strategien.“ Komme es zum Beispiel aufgrund von Baumkrankheiten zu Ausfällen, könnten diese von anderen, nicht betroffenen Baumarten kompensiert werden.

Während viele heimische Bäume dazu neigten, möglichst jeden Sonnenstrahl zur Photosynthese zu nutzen, würden Bäume aus südlicheren Gefilden bei viel Sonne in eine Art Ruhemodus schalten. Diese Strategie zeichne sie als „Zukunftsbäume“ aus, „die besser mit Trockenheit umgehen können“, sagt Melzer. Neben länger anhaltenden Trockenperioden und Hitze müssten die Bäume aber auch mit Frost fertig werden, um die deutschen Winter zu überleben.

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Gründe für Fällungen und Kritik

Zu den Gründen für Fällungen zählen Bauarbeiten, Krankheiten oder irreparable Schäden. Ein Thema sei dabei der Einsatz von Streusalz, sagt Melzer. Dadurch reichere sich Fluorid im Boden an, das in einem trockenen Frühjahr auch nicht vom Regen aus dem Boden gespült werde. Nehmen die Bäume das Fluorid dann auf, könne das zu Blattschäden oder sogar zum Absterben führen.

Besonders positiv bewertet Fegebank, dass die Zahl der Baumfällungen im Zusammenhang mit Baumaßnahmen deutlich zurückgegangen sei. Inzwischen werde bei jeder Baumaßnahme geprüft: „Muss der Baum überhaupt gefällt werden oder kann man den behalten?“, sagt sie. Während früher rund 25 Prozent der Fällungen auf Baumaßnahmen entfallen seien, habe der Anteil in den vergangenen beiden Jahren nur noch bei etwa 15 Prozent gelegen.

Der umweltpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Sandro Kappe, kritisierte: „Trotz der positiven Jahresbilanz fehlen seit 2015 weiterhin rund 1.500 Straßenbäume im öffentlichen Raum. Diese Lücke verschwindet nicht durch eine einzelne positive Jahresbilanz.“ Er forderte „eine echte Nachpflanzoffensive“. Melzer hält dem entgegen, dass angesichts der Kronenfläche von einem Defizit nicht die Rede sein könne. Am Ende komme es weniger auf die Bilanzierung einzelner Bäume, als vielmehr auf die Verschattung an. „Wir schauen ja aufs große Ganze und darauf, dass die Bäume groß werden“, sagt er.

Der Naturschutzbund Hamburg (Nabu) gibt zu bedenken, dass Baum nicht gleich Baum sei: „Nachgepflanzte junge Bäume können die Funktionen, die alte und groß gewachsene Bäume erfüllen, nicht adäquat ersetzen.“ Deshalb gelte es, den Baumbestand konsequent zu schützen.

Was können Bürger tun?

In sehr heißen Perioden könnten Bürgerinnen und Bürger in besonderen Fällen zur Gießkanne greifen, um noch sehr junge Bäume mit Wasser zu versorgen, sagt Baumexperte Melzer. Wer so einen frisch gepflanzten Baum mit Gießring vor dem Haus habe, könne diesen mit ein bis zwei Gießkannenfüllungen oder einem Eimer Wasser unterstützen. „Ein wildes, unkontrolliertes Gießen kann aber dazu führen, dass die Bäume geschädigt werden“, warnt er zugleich. Wer möchte, könne über das Programm „Mein Baum, Meine Stadt“ auch Geld spenden. „Je nach Budget können das auch kleinere Summen sein“. Sobald genug Geld für einen neuen Baum auf dem Spendenkonto liegt, werde er gepflanzt.