Die Oscar-Preisträgerin Helen Mirren (81) hat bei einer Preisverleihung in Castro, Apulien, eindringlich auf die verheerenden Folgen der Bakterienkrankheit Xylella fastidiosa hingewiesen. Die Krankheit hat in der süditalienischen Region binnen eines Jahrzehnts Millionen Olivenbäume zerstört und die Existenzgrundlage vieler Bauern vernichtet. Mirren forderte mehr Unterstützung für die betroffene Bevölkerung und kritisierte die Politik scharf.
Ein unsichtbarer Feind: Das Feuerbakterium Xylella fastidiosa
Xylella fastidiosa, im Deutschen auch als Feuerbakterium bekannt, wird von Insekten übertragen und blockiert die Wasserleitungen der Pflanzen. Befallene Bäume sterben innerhalb kurzer Zeit ab, und es gibt bisher weder ein Pflanzenschutzmittel noch Heilungsmethoden. Die Krankheit hat das Salento-Gebiet in Apulien besonders hart getroffen. Laut Schätzungen mussten in Apulien rund 21 Millionen Olivenbäume gefällt werden, der wirtschaftliche Schaden wird auf etwa zwei Milliarden Euro beziffert. Rund 8000 Quadratkilometer, also etwa 40 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche Apuliens, sind inzwischen betroffen.
„Die letzten zehn Jahre waren für die Menschen im Salento sehr schwer“, sagte Mirren bei der Zeremonie. Das Bakterium habe nicht nur Millionen von Olivenbäumen vernichtet, sondern auch die Wirtschaft und das einzigartige Landschaftsbild der Region zerstört. Die Bewohner des Salento hätten der Krise jedoch bemerkenswerten Mut entgegengesetzt, betonte die Schauspielerin. Sie benötigten dringend landwirtschaftliche, wissenschaftliche und finanzielle Unterstützung.
Kritik an der Politik und Appell an Europa
Mirren übte deutliche Kritik an den politischen Verantwortlichen: „Die Politiker haben die Menschen enttäuscht.“ Sie plädierte immer wieder für ein stärkeres Engagement der Europäischen Union, um die Regeneration der betroffenen Gebiete zu unterstützen. Besonders bewegend waren ihre Worte über die Menschen des Salento: „Ich bin im Laufe meines Lebens viel gereist, aber die Gastfreundschaft und Großzügigkeit der Menschen hier sind wirklich einzigartig.“
Persönlicher Bezug: Mirrens Hof im Salento
Seit 18 Jahren verbringt Helen Mirren gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Regisseur Taylor Hackford, jedes Jahr mehrere Monate auf einem restaurierten Bauernhof in Tiggiano im Salento. Dadurch kennt sie die Region und ihre Menschen aus eigener Erfahrung. Ihr Engagement ist auch eine Herzensangelegenheit: Sie unterstützt die Initiative „Save the Olives“, die sich für den Schutz des apulischen Olivenkulturerbes einsetzt. Mit ihrem öffentlichen Auftreten möchte sie verhindern, dass die Krise im Salento in Vergessenheit gerät.
Olivenhaine als kulturelles Erbe
Bereits früher hatte Mirren die jahrhundertealten Olivenbäume Apuliens mit dem Kolosseum in Rom verglichen: „Die jahrhundertealten Olivenhaine sind genauso wichtig wie das Kolosseum in Rom. Es wäre eine unermessliche Tragödie, dieses einzigartige Erbe zu verlieren.“ Die von der Gemeinde Castro verliehene Auszeichnung würdigt ihr langjähriges Engagement für den Schutz des kulturellen und landschaftlichen Erbes Apuliens sowie ihren Einsatz für Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein. Die Preisverleihung soll zugleich auf die Bedeutung wissenschaftlicher Forschung und die Notwendigkeit aufmerksam machen, die von Xylella zerstörten Olivenlandschaften wiederzubeleben.



