Seit Jahresbeginn sind in Hessens Wäldern bereits 100 Brände ausgebrochen. Das teilte das hessische Landwirtschafts- und Forstministerium mit. Forstminister Ingmar Jung (CDU) sprach von einer ernsten Lage und verwies auf die anhaltende Trockenheit, die das Risiko weiter erhöht.
Zahl der Waldbrände deutlich gestiegen
Die Zahl der Waldbrände liegt damit deutlich über dem Durchschnitt der Vorjahre. Im gesamten Jahr 2023 waren es nach Angaben des Ministeriums 74 Brände. Schon jetzt, Mitte des Jahres, ist die Marke von 100 überschritten. Die betroffene Fläche summiert sich auf rund 50 Hektar.
Besonders betroffen sind Regionen mit sandigen Böden und Nadelholzbeständen, etwa in Südhessen und Teilen Mittelhessens. Dort entzünden sich trockene Böden und Totholz besonders leicht. Auch die anhaltende Hitze der vergangenen Wochen hat die oberen Bodenschichten stark ausgetrocknet.
Ministerium warnt vor Fahrlässigkeit
Forstminister Jung appellierte an die Bevölkerung, im Wald äußerste Vorsicht walten zu lassen. „Die meisten Waldbrände werden durch menschliches Verhalten ausgelöst“, sagte er. „Schon eine achtlos weggeworfene Zigarette oder ein Funke kann eine Katastrophe auslösen.“ Das Ministerium weist darauf hin, dass das Rauchen im Wald vom 1. März bis 31. Oktober gesetzlich verboten ist.
Zudem gelten in vielen Landkreisen aktuelle Warnstufen. Der Deutsche Wetterdienst hat für mehrere Regionen die höchste Waldbrandgefahrenstufe 5 ausgerufen. Das bedeutet: extrem hohe Gefahr. In solchen Phasen sind das Betreten von Wäldern auf eigenen Wegen und das Befahren mit Fahrzeugen nur eingeschränkt erlaubt.
Prävention und Überwachung verstärkt
Die hessischen Forstämter haben ihre Überwachung intensiviert. Freiwillige Feuerwehren und der Landesbetrieb HessenForst beobachten kritische Gebiete per Drohne und Bodenpatrouillen. Zusätzlich wurden Löschwasserbehälter und Zisternen in gefährdeten Wäldern überprüft und befüllt.
Das Ministerium setzt zudem auf Aufklärung. In Zusammenarbeit mit den Landkreisen werden Informationskampagnen gefahren. Schilder an Waldparkplätzen weisen auf das Verbot offenen Feuers hin. Auch das Grillen ist nur auf ausgewiesenen Plätzen gestattet.
Klimawandel verschärft Situation
Jung machte deutlich, dass der Klimawandel die Lage langfristig verschärfe. „Wir müssen uns darauf einstellen, dass Trockenperioden häufiger und länger werden“, erklärte er. HessenForst habe daher ein Konzept entwickelt, um Wälder widerstandsfähiger zu machen. Dazu gehören der Umbau zu Mischwäldern mit trockenheitsresistenten Baumarten sowie die Anlage von Feuerwehrzufahrten und Löschwasserentnahmestellen.
Die bisherige Bilanz des Jahres zeigt: Allein im Juni wurden 27 Brände registriert, im Mai 19. Die größten Schäden entstanden bei einem Brand bei Darmstadt, bei dem 15 Hektar Kiefernwald verbrannten. Die Löscharbeiten dauerten mehr als zwei Tage.
Bürger sollen Brände sofort melden
Das Ministerium bittet alle Bürger, bei Rauchentwicklung oder Feuer im Wald sofort den Notruf 112 zu wählen. „Jede Minute zählt“, so Jung. Wer einen Brand entdeckt, sollte den genauen Standort nennen und sich selbst in Sicherheit bringen. Keinesfalls sollte man versuchen, das Feuer eigenmächtig zu löschen, wenn es bereits größere Ausmaße angenommen hat.
Die Behörden hoffen, dass die kommenden Wochen keine weiteren Extremlagen bringen. Doch die Prognosen des Deutschen Wetterdienstes sehen für die nächsten Tage weiterhin trockene und heiße Bedingungen vor. Die Waldbrandgefahr bleibt also hoch.



