Hitzealarm in Schwabens Wäldern: Trockenheit lässt Bäume sterben
Hitzealarm: Trockenheit lässt Schwabens Bäume sterben

Der Sommer 2024 hat den Wäldern in Bayerisch-Schwaben schwer zugesetzt. In vielen Revieren ist die Lage alarmierend: Die anhaltende Trockenheit führt dazu, dass Bäume massenhaft absterben. Besonders betroffen sind Fichten, die ihre Nadeln verlieren und oft nicht mehr zu retten sind.

Schon seit Jahren regnet es in der Region zu wenig. Die Böden sind ausgetrocknet, das Grundwasser sinkt. Förster warnen davor, dass der Wald in Schwaben an einem Kipppunkt steht. Wie die Augsburger Allgemeine berichtet, hat die Dürre bereits ganze Waldflächen zerstört.

Dürre und Borkenkäfer

Die Trockenheit macht die Bäume anfällig für Schädlinge. Besonders der Borkenkäfer profitiert von den geschwächten Fichten und vermehrt sich ungehindert. In den Wäldern rund um Augsburg haben die Befallsflächen innerhalb eines Jahres deutlich zugenommen. Nach Angaben von Forstexperten hat sich die Zahl der befallenen Bäume verdreifacht.

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Die wirtschaftlichen Folgen sind enorm. Waldbesitzer müssen große Mengen an Schadholz verkaufen, was die Holzpreise nach unten drückt. Gleichzeitig steigen die Kosten für die Wiederaufforstung. Die Bayerische Forstverwaltung rechnet mit Millionenverlusten – für viele private Waldbesitzer geht es um die Existenz.

Jeder fünfte Baum ist noch gesund

Laut dem aktuellen Waldzustandsbericht der Bundesregierung ist nur noch jeder fünfte Baum in Deutschland vollständig gesund. Auch in Schwaben zeigen sich massive Schäden: Mehr als die Hälfte der Fichten weisen Kronenverlichtungen auf, die auf Trockenstress zurückzuführen sind. In den Höhenlagen des Allgäus ist die Lage besonders dramatisch, dort drohen ganze Bergwälder abzusterben.

Die Folgen sind nicht nur ökonomisch, sondern auch ökologisch. Der Wald in Schwaben ist Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten. Zudem dient er der Bevölkerung als Erholungsgebiet. Wenn die Bäume sterben, steigt außerdem die Gefahr von Erdrutschen und Überschwemmungen.

Seit 2018 nimmt die Dürre zu

Der Klimawandel hat die Region fest im Griff. Laut Daten des Deutschen Wetterdienstes ist die Jahresmitteltemperatur in Bayerisch-Schwaben seit 1881 um 1,4 Grad Celsius gestiegen. Gleichzeitig sind die Sommer trockener geworden. Insbesondere der Sommer 2022 und 2023 setzten den Wäldern massiv zu. Fichten, die in tiefe Bodenschichten wurzeln, finden dort oft keinen Anschluss mehr ans Grundwasser.

Betroffen sind aber nicht nur Nadelbäume. Auch Buchen und Eichen zeigen deutliche Trockenschäden. Ihre Blätter verfärben sich bereits im Juli, und die Kronen verkahlen. Ein gesundes Wachstum ist so nicht mehr möglich.

Experten fordern ein Umdenken

Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft empfiehlt, den Waldbau grundlegend zu ändern. Statt großer gleichaltriger Bestände sollen ungleichaltrige Mischwälder entstehen. Diese sind nicht nur widerstandsfähiger gegen Schädlinge, sondern speichern auch mehr Wasser im Boden.

Ein weiterer Ansatz ist die Auswahl geeigneter Baumarten. So haben sich Douglasien in einigen Trockengebieten als robust erwiesen. Allerdings ist ihre Einführung umstritten, weil sie die heimische Tierwelt verändern könnten.

Das ist die Lage in den Landkreisen

Im Landkreis Augsburg sind die Wälder im nördlichen Lechtal besonders betroffen. Hier stehen viele Fichten auf flachgründigen Böden, die schnell austrocknen. Die Förster sind dabei, die abgestorbenen Bestände zu ernten und mit Laubbäumen neu zu bepflanzen.

Im Landkreis Ostallgäu ist die Lage in den Hochlagen des Allgäus kritisch. Die Fichtenbestände oberhalb von 1.000 Metern leiden unter einer Kombination aus anhaltender Dürre und Borkenkäferbefall.

Auch die Stadtwälder von Augsburg sind betroffen. Der Stadtwald, ein beliebtes Naherholungsgebiet, hat große Flächen, die wegen Trockenheit gesperrt werden mussten, um die Sicherheit der Besucher zu gewährleisten.

Finanzielle Unterstützung für Waldbesitzer

Um den Waldumbau zu finanzieren, stellt der Freistaat Bayern Fördermittel bereit. Betroffene Waldbesitzer können Zuschüsse für die Neupflanzung von Laubbäumen beantragen. Das Programm läuft bis 2027 und hat ein Volumen von 60 Millionen Euro allein für den Regierungsbezirk Schwaben.

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Dennoch bleibt die Situation angespannt. Die Nachfrage nach Kalamitätsholz ist gesunken, viele Sägerwerke sind ausgelastet. Ein Teil des Holzes kann nicht mehr wirtschaftlich verwertet werden. Die Preise für Fichtenstammholz sind im vergangenen Jahr um fast ein Drittel gefallen.

Ökologische Folgen sind nicht abzusehen

Ein sterbender Wald hat weitreichende Auswirkungen auf Klima, Wasserhaushalt und Artenvielfalt. Wälder speichern Kohlendioxid und kühlen die Umgebung. Wenn große Flächen absterben, wird dieses CO2 wieder freigesetzt.

Zudem sind viele Tiere direkt betroffen. Der seltene Dreizehenspecht, der in den Wäldern des Allgäus lebt, könnte seinen Lebensraum verlieren. Auch für Wildtiere wie Rehe und Hirsche wird das Nahrungsangebot knapper.

Ein Ausblick

Für den kommenden Winter hoffen die Förster auf ergiebige Niederschläge. Langfristig wird die Region Schwaben aber im Wandel bleiben. Modelle zeigen, dass die Temperaturen weiter steigen werden. Der Wald von morgen wird anders aussehen als der von heute – wenn es gelingt, die Anpassung rechtzeitig zu steuern.