Nacktmull-Königinnen nutzen Duftstoff zur Fortpflanzungskontrolle
Nacktmull-Königinnen: Duftstoff sichert Vormachtstellung

Ein Forschungsteam um Gary Lewin vom Max Delbrück Center (MDC) in Berlin hat in der Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlicht, dass Nacktmull-Königinnen mit einem speziellen Duftstoff ihre Vormachtstellung sichern. Der Geruch der Monarchin verhindert, dass andere Weibchen in der Kolonie Nachwuchs bekommen – selbst wenn die Königin vorübergehend abwesend ist.

Duftstoff Isopropylmyristat als Schlüssel

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass ausschließlich die Königinnen die Chemikalie Isopropylmyristat absondern. Für Menschen ist diese Substanz geruchlos, für Nacktmulle jedoch wahrnehmbar. Mohammed Khallaf, Erstautor der Studie und ebenfalls Forscher am MDC, erklärte: „Mit Methoden, die die Durchblutung und damit die Aktivität einzelner Hirnregionen erfassen, konnten wir nachweisen, dass die Tiere die Substanz wahrnehmen und verarbeiten können.“

Wenn eine Königin stirbt oder die Kolonie verlässt, sodass ihr Geruch fehlt, kommt es innerhalb weniger Tage zu heftigen Kämpfen und neuen Sexualkontakten. Versprühten die Forscher täglich Isopropylmyristat, herrschte hingegen Harmonie in der Gruppe. Die Substanz bewirkt, dass alle anderen Weibchen der Kolonie unfruchtbar bleiben, sodass nur die Königin selbst sich fortpflanzen kann.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Langjähriges Rätsel gelöst

Melissa Holmes, Verhaltensneurowissenschaftlerin an der Universität Toronto in Kanada, bezeichnete die Studie als „Game Changer“, weil sie ein langjähriges Rätsel erkläre: warum in einer Kolonie nacktmullartiger Ratten nur ein einziges Weibchen Nachwuchs bekommt. Nacktmulle sind eine ostafrikanische Säugetierart, die bis zu 15 Zentimeter lang und über 30 Jahre alt werden können. Sie gehören zu den wenigen Säugern, die in festen Kolonien mit einer Königin leben, ähnlich wie Ameisen oder Bienen.

Die Tiere haben eine kaum sichtbare Behaarung, auffallend große Schneidezähne zum Graben sowie Tasthaare, während ihre Augen und Ohren winzig sind. Neurowissenschaftler Lewin, der die Biologie der Nacktmulle seit etwa 25 Jahren erforscht, erklärte: „Für unsere aktuelle Studie wollten wir herausfinden, über welche biologischen Mechanismen die Königin ihre Alleinherrschaft aufrechterhält.“

Medizinische Bedeutung der Nacktmulle

Am Max Delbrück Center leben rund 450 Tiere in Tunnelsystemen, ähnlich wie in ihrer natürlichen Umgebung in Ostafrika. Nacktmulle sind aus medizinischer Sicht äußerst interessant: Sie werden für Nagetiere uralt, erkranken fast nie an Krebs und empfinden wenig Schmerzen. Die Entdeckung des Duftstoffmechanismus könnte auch für die Forschung zu sozialen Hierarchien und Fortpflanzungskontrolle bei anderen Arten relevant sein.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration