Sturmkatastrophe in Rathen: Bürgermeister zieht Bilanz
Sturm in Rathen: Bürgermeister zieht Bilanz

Ein schwerer Sturm hat am Freitag in der Sächsischen Schweiz gewütet und insbesondere rund um die Felsenbühne Rathen unterhalb der Bastei-Brücke verheerende Schäden angerichtet. Ein 28-jähriger Mann wurde von einem Baum erschlagen, drei Menschen wurden schwer und zehn weitere leicht verletzt. Rund 20 Hektar Wald wurden durch einen sogenannten Downburst binnen weniger Minuten umgeknickt – ein plötzlicher, heftiger Abwind aus einer Gewitterwolke, der wie eine Fallböe auf den Boden trifft.

Einsatz und Koordination: 30 Stunden im Ausnahmezustand

Rathens Bürgermeister Roman Rolof schildert im Gespräch mit dem Tagesspiegel die dramatischen Stunden nach dem Unwetter: „Wir waren insgesamt rund 30 Stunden im Einsatz. Dabei hatten wir sehr viel Unterstützung, wofür ich ausgesprochen dankbar bin. Trotzdem muss das alles koordiniert werden, und dafür braucht es auch bestimmte Zustimmungen, die wir vor Ort erteilen mussten.“

Die Lage war bis in die Freitagnacht unübersichtlich, die Feuerwehr befürchtete zunächst Vermisste in dem betroffenen Gebiet. Ein Sprecher der Bergwacht berichtete, er habe den Eindruck gehabt, „dass ein Teil des Hanges abgerutscht ist und mehrere Bäume ins Tal gestürzt sind“. Er fügte hinzu: „Es scheint eine sehr lokal begrenzte und sehr starke Unwetterzelle gewesen zu sein.“

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Bild der Verwüstung: Bäume wie Streichhölzer

Die Zerstörung konzentriert sich laut Rolof auf die Felsenbühne und den Amselsee, den Ausläufer des Amselgrundes. „Die Bäume lagen in der Gegend wie umgeknickte Streichhölzer“, beschreibt er. Das Unwetter habe nicht länger als 15 Minuten gedauert und dennoch ein „verheerendes Bild der Verwüstung“ hinterlassen.

„Gott sei Dank muss man sagen, dass vor allem die Felsenbühne und der Amselsee betroffen sind – also der Ausläufer des Amselgrundes. Andere Bereiche wurden nur geringfügig beschädigt“, so der Bürgermeister. „Deshalb sind wir inzwischen auch wieder relativ gut aufgestellt. Der Weg zur Bastei soll noch in dieser Woche wiedereröffnet werden.“

Warum Rathen immer wieder betroffen ist

Auf die Frage, ob solche Unwetter vorhersehbar seien, verweist Rolof auf die Fachleute: „Ein Meteorologe hat bereits gesagt, dass dieses konkrete Wetterereignis des Downbursts in keinem der öffentlich zugänglichen Wetterberichte vorhergesagt worden war. Für ein solches Ereignis kann man keinen konkreten Notfallplan machen – man kann sich letztlich nur in Sicherheit bringen.“

Rathen ist durch frühere Katastrophen krisenerprobt: Das schwere Elbehochwasser 2013, der verheerende Waldbrand 2022 und nun die Unwetter-Katastrophe. „Unsere geografische Lage im Elbtal begünstigt natürlich, dass es zu solchen Ereignissen kommen kann“, erklärt Rolof. „Gemeinsam mit dem Landratsamt haben wir deshalb entsprechende Pläne entwickelt. Durch die Erfahrungen mit früheren Krisen sind wir inzwischen relativ gut darauf eingestellt.“

Hilfe und Aufräumarbeiten: Wege bis Ende des Monats

Die Koordination habe dank der Erfahrungen aus dem Waldbrand 2022 schnell funktioniert: „Die Erfahrungen aus dem Waldbrand von 2022 haben uns dabei sehr geholfen, alles schnell zu organisieren und unter Dach und Fach zu bringen.“

Die Aufräumarbeiten dauern an. Wie Rolof mitteilt, soll der Weg zur Bastei über das Amselgrundschlösschen am Freitag gemeinsam mit der Staatsministerin wiedereröffnet werden. „Nach vorsichtiger Einschätzung gehen wir davon aus, dass dann alle Wege Ende des Monats wieder begehbar sein werden und das Waldbetretungsverbot aufgehoben werden kann.“

Die Schäden an der Felsenbühne und am Amselsee werden allerdings noch nicht vollständig beseitigt sein. Für die Felsenbühne habe man bereits ab morgen einen neuen Veranstaltungsort gefunden: „Das Programm geht also weiter. Allerdings nicht hier vor Ort, sondern in Dresden. Aber – und das ist das Wichtigste – die Kultur bleibt am Leben.“

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