Wasser-Stasi? Wer in Deutschland jetzt Bußgeld riskiert
Wasser-Stasi: Wer in Deutschland Bußgeld riskiert

Deutschland geht das Wasser aus! Wenig Schnee im Winter, kaum Regen im Frühjahr, dazu immer neue Hitzewellen. Mehr als 100 Städte und Landkreise haben in den vergangenen Wochen Beschränkungen für die Wassernutzung erlassen. Ziel ist es, den Wasserverbrauch in Trockenperioden zu senken und Engpässe bei der Trinkwasserversorgung zu verhindern. In vielen Kommunen betreffen die Regeln vor allem die Gartenbewässerung. Häufig darf tagsüber kein Rasen gesprengt werden, teilweise gelten Einschränkungen für die Entnahme von Wasser aus Brunnen, Flüssen und Seen.

München zieht die Daumenschrauben an

Besonders weit gegangen ist in den vergangenen Wochen München: Dort waren das Befüllen privater Pools, das Rasensprengen und das Autowaschen tabu. Wer gegen die Regeln verstieß, musste mit Bußgeldern von bis zu 50.000 Euro rechnen. Doch wer kontrolliert eigentlich, ob jemand trotz Verbots heimlich seinen Rasen bewässert? BILD machte den Test und rief bei der Münchner Polizei an.

Der Beamte reagierte zunächst etwas überrascht. Auf die Frage, wer zuständig sei, wenn man den Nachbarn beim Gießen erwische, sagte er: „Wir können eine Streife rausschicken, wenn das gerade stattfindet.“ Außerdem könne man mögliche Verstöße bei der Stadt melden. Mit patrouillierenden Wasser-Kommissaren muss man laut BILD-Anwältin Nicole Mutschke im Alltag aber eher nicht rechnen. „Es ist durchaus möglich, dass kommunale Außendienstmitarbeiter oder die Polizei gezielt kontrollieren“, sagt sie. Eher setzen die Behörden auf Meldungen aus der Nachbarschaft.

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Beweise liefern? Das sagt die Anwältin

Muss man eigentlich Beweise liefern, wenn man den Nachbarn bei den Behörden meldet? Nein. Für die Meldung braucht es laut der BILD-Anwältin aber konkrete Angaben mit Ort, Zeitpunkt und Art der Wassernutzung. Von Film- oder Fotoaufnahmen rät Mutschke ab: „Filmen ist problematisch, weil Aufnahmen einer erkennbaren Person in ihrem privaten Garten in deren Privatsphäre und Persönlichkeitsrecht eingreifen. Insbesondere eine gezielte oder wiederholte Überwachung kann unzulässig sein, heimliche Tonaufnahmen sogar strafbar.“

Bußgelder bis 100.000 Euro – aber nur im Extremfall

Wer gegen ein Wasserverbot verstößt, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Je nach Verordnung können Bußgelder von einigen Hundert Euro bis zu 100.000 Euro verhängt werden – etwa in Stuttgart. „Das sind allerdings Höchstgrenzen und nicht die übliche Strafe für einmaliges Rasensprengen“, sagt BILD-Anwältin Nicole Mutschke. Seinen unliebsamen Nachbarn wird man so auch nicht los: „Wegen des unerlaubten Gießens wird niemand verhaftet“, sagt Mutschke. Nur wenn man das Bußgeld nicht zahlt, droht im Extremfall eine Erzwingungshaft von bis zu sechs Wochen.

Was Experten zum Wassermangel sagen

Doch warum ist die Lage so ernst? „Diese Extremereignisse: zu heiß, zu wenig Niederschläge und dann wieder zu viele Niederschläge, das ist leider das neue Normal“, sagt Jörg Drewes (63), Professor für Siedlungswasserwirtschaft an der Technischen Universität München. Er mahnt: „Wenn alle Leute gleichzeitig duschen oder den Garten gießen, ihren Pool befüllen, kommt ein Trinkwassersystem an die Leistungsgrenze.“

Langfristig müsse Deutschland mehr tun, um sein Trinkwasser zu retten. „Wir leisten uns in diesem Land einen extremen Luxus“, sagt Drewes. Überall werde Trinkwasser eingesetzt – in der Toilettenspülung, bei der Gartenbewässerung, beim Autowaschen. Dafür könnte auch anderes Wasser genutzt werden, nämlich „wiederaufbereitetes Abwasser“. In vielen südeuropäischen Ländern wie Spanien, Italien und Griechenland werde das schon gemacht.

Rettungsideen: Abwasser-Recycling und Milliarden-Investitionen

Sein Lehrstuhl betreut gegenwärtig ein Projekt in der bayerischen Stadt Schweinfurt (55.000 Einwohner). Ab 2028 soll eine neue Reinigungsstufe in der Kläranlage ausreichend sauberes Wasser zur Verfügung stellen. Doch das kostet. „Natürlich braucht es dafür ein neues Verteilnetz“, sagt Drewes. Parallel zu den Abwasserkanälen müssten neue Rohre für die Nutzwasserversorgung gelegt werden. „Man muss nicht jeden Haushalt anschließen. Für städtisches Grün oder Löschwasser der Feuerwehr ist es aber eine Lösung.“

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Was laut Drewes ebenfalls helfen könnte: Leitungen zur Versorgung von Trockengebieten aus wasserreichen Landesteilen. Drewes: „Wir werden in Deutschland nicht verdursten, wir werden aber lokale Engpässe haben.“ Brandenburg, Bayern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz – die meisten Bundesländer haben ein oder mehrere Gebiete, in denen Grundwasser fehlt. Das große Problem an diesen Lösungen: „Die Investitionen sind erheblich. Das sind viele Milliarden über einen längeren Zeitraum.“