Zerlegehalle für DDR-AKW-Teile wird erst 2027 fertig
Zerlegehalle für DDR-AKW-Teile erst 2027 fertig

Die geplante Zerlegehalle für Großkomponenten der ehemaligen DDR-Atomkraftwerke in Lubmin und Rheinsberg wird später fertig als ursprünglich vorgesehen. Nach aktuellen Angaben des bundeseigenen Entsorgungswerks für Nuklearanlagen (EWN) soll die Halle nun im Jahr 2027 fertiggestellt werden, die Inbetriebnahme ist für 2028 geplant. Damit verschiebt sich der Zeitplan um etwa zwei Jahre: Anfang 2025 war noch von einer Fertigstellung Ende 2025 und einem Betriebsbeginn Ende 2026 die Rede.

Gründe für die Verzögerung

Eine Sprecherin des EWN nannte auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa mehrere Gründe für die Verzögerung. „Ein wesentlicher Faktor sind die derzeit branchenweit spürbaren Herausforderungen im Bauwesen, auf die wir als Auftraggeber nur begrenzt Einfluss haben“, erklärte sie. Dazu zählen der anhaltende Fachkräftemangel, Verzögerungen in den Lieferketten sowie die Verfügbarkeit von Materialien und Komponenten. Auch die besonderen technischen und sicherheitsrelevanten Anforderungen der Halle stellten hohe Ansprüche an Planung und Ausführung, so die Sprecherin weiter. Für einzelne Gewerke, etwa die Krananlage, sei hochspezialisiertes Know-how erforderlich.

Was in der Halle passieren soll

In der Zerlegehalle sollen später unter anderem Dampferzeuger und Druckgefäße aus den stillgelegten Atomkraftwerken zerlegt werden. Diese Komponenten wurden in den Kraftwerken genutzt, um mittels Wärme Dampf für Turbinen zu erzeugen. Die Teile sollen so zerkleinert und aufbereitet werden, dass sie entweder in den Schacht Konrad in Salzgitter (Niedersachsen) gebracht werden können, das künftige Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle, oder vollständig von Kontamination befreit und konventionell entsorgt werden.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Technische Details der Halle

Das Kernstück des riesigen Komplexes ist eine etwa 30 Meter hohe, 60 Meter lange und 40 Meter breite Halle mit großen Stahltoren. Die Krananlage soll Hunderte Tonnen Gewicht heben können. In der Mitte befindet sich ein Becken, in dem später Teile unter Wasser ferngesteuert zerlegt werden sollen – zum Schutz vor Strahlung. Auch 90 Zentimeter dicke Betonwände dienen der Abschirmung. Das Zerlegebecken ist mit Edelstahl ausgekleidet, und die 44 Tonnen schweren Flügel des großen Tores sind mit Beton gefüllt. Böden und Teile der Wände sind speziell beschichtet, um einer etwaigen Kontamination vorzubeugen. Die Abluft wird gefiltert und kontrolliert.

Sicherheitsvorkehrungen auch für Personal

Selbst die körperlichen Bedürfnisse der künftig in dem Bau beschäftigten Menschen unterliegen den Sicherheitsvorkehrungen. So darf später nur in einem einzigen Raum gegessen werden, wegen der Gefahr, anderswo mögliche Kontamination aufzunehmen. Auch Toiletten wird es im Kontrollbereich nicht geben, weil das Abwasser ansonsten speziell behandelt werden müsste.

Kostensteigerung erwartet

Die Verzögerungen werden sich auch auf die Kosten auswirken. „Selbstverständlich bleiben Verzögerungen bei einem Projekt dieser Größenordnung nicht ohne Auswirkungen auf die Kosten“, sagte die Sprecherin. Jeder zusätzliche Bautag verursache Mehraufwendungen. „Insofern ist davon auszugehen, dass sich die Gesamtkosten erhöhen werden.“ Eine belastbare Bezifferung sei derzeit nicht möglich. Auch 2025 hatte EWN keine Schätzung abgegeben. 2018 war einmal von mehr als 40 Millionen Euro die Rede.

Bisheriger Bauverlauf

Die Gründungsarbeiten für die Zerlegehalle hatten Ende 2018 begonnen, der Rohbau startete im Sommer 2020. Unter anderem hatte die Coronapandemie wiederholt zu Verzögerungen geführt. Trotz der aktuellen Probleme betonte die Sprecherin: „Die baulichen Maßnahmen sind in vollem Gange und schreiten auch zusehends voran.“

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration