Der 85-jährige Mann, der am Donnerstag bei einem Abbiegeunfall mit einem Lastwagen in Tessin (Landkreis Rostock) lebensgefährlich verletzt worden war, ist am Samstag im Krankenhaus gestorben. Wie die Polizei mitteilte, erlag der Senior zwei Tage nach dem Unfall seinen schweren Verletzungen. Der Mann war mit einem Krankenfahrstuhl auf der Straße unterwegs, als ein 62-jähriger Lkw-Fahrer beim Abbiegen nach links den von rechts kommenden Senior offenbar übersehen hatte.
Der Zusammenstoß ereignete sich den Angaben zufolge auf einer Straße in Tessin. Der Krankenfahrstuhl wurde von der Seite des Lastwagens erfasst, der 85-Jährige wurde unter dem Fahrzeug eingeklemmt. Rettungskräfte befreiten den Schwerverletzten und brachten ihn in ein Krankenhaus. Trotz intensivmedizinischer Behandlung starb der Senior am Samstag. Die Ermittler werten den Vorfall als tragischen Verkehrsunfall.
Ermittlungen gegen Lkw-Fahrer
Gegen den 62-jährigen Fahrer des Lastwagens wird nun wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung ermittelt. Das teilte die Polizei mit. Der Tatbestand der fahrlässigen Tötung ist im Strafgesetzbuch in Paragraf 222 geregelt. Er kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder mit einer Geldstrafe geahndet werden, wenn eine Person durch Fahrlässigkeit den Tod eines anderen Menschen verursacht. Ob der Lkw-Fahrer tatsächlich fahrlässig gehandelt hat, muss die Staatsanwaltschaft klären.
Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Alle relevanten Umstände werden derzeit geprüft, um den Unfallhergang zu rekonstruieren. Dazu gehört auch die Frage, ob technische Faktoren wie der tote Winkel des Lastwagens eine Rolle gespielt haben könnten. Nach Abschluss der Untersuchung wird der Fall an die Staatsanwaltschaft übergeben, die über das weitere Vorgehen entscheidet.
Krankenfahrstühle: Kraftfahrzeuge auf der Fahrbahn
In ihrer Mitteilung wies die Polizei darauf hin, dass Krankenfahrstühle zugelassene Kraftfahrzeuge sind. Das bedeutet, dass sie grundsätzlich auf der Fahrbahn gefahren werden müssen und nicht auf Gehwegen. Fußgänger sollen dadurch geschützt werden. Allerdings führt diese Einordnung dazu, dass sich Krankenfahrstühle im allgemeinen Fahrzeugverkehr bewegen müssen, wo sie auf Grund ihrer Größe und Geschwindigkeit schnell übersehen werden können.
Krankenfahrstühle, häufig auch Elektromobile genannt, werden vor allem von älteren Menschen mit Mobilitätseinschränkungen genutzt. Sie erreichen je nach Modell eine Höchstgeschwindigkeit von etwa 15 Kilometern pro Stunde. Anders als Autos verfügen sie nicht über eine schützende Karosserie. Bei einem Zusammenstoß mit einem Lkw haben die Insassen daher kaum eine Überlebenschance. Experten appellieren deshalb an alle Verkehrsteilnehmer, auf diese Fahrzeuge besonders zu achten.
Ein Unglück, das unter die Haut geht
Der tödliche Unfall in Tessin hat in der Region Bestürzung ausgelöst. Die Gemeinde im Landkreis Rostock ist geprägt von ländlicher Ruhe. Dass ausgerechnet ein Senior mit seinem Krankenfahrstuhl auf einer vertrauten Straße tödlich verunglückt, sorgt für Betroffenheit. Der Verstorbene war 85 Jahre alt und offenbar auf die Mobilitätshilfe angewiesen, um seinen Alltag zu bewältigen.
Nun müssen die Ermittlungen zeigen, ob der Lkw-Fahrer den Unfall hätte verhindern können. Entscheidend ist die Frage, ob ihm ein Aufmerksamkeitsfehler vorzuwerfen ist. Dies lässt sich anhand von Zeugenaussagen, Spuren und möglichen Fahrzeugdaten rekonstruieren. Bis zu einer rechtskräftigen Entscheidung gilt für den 62-Jährigen die Unschuldsvermutung. Der Fall könnte jedoch auch eine Debatte über die Sicherheit von Krankenfahrstühlen im Straßenverkehr anstoßen.
Die Straße, auf der sich der Unfall ereignete, wurde nach dem Vorfall für die Dauer der Rettungsarbeiten gesperrt. Inzwischen ist sie wieder befahrbar. Die Polizei hat keine weiteren Angaben zu möglichen Zeugen oder zur aktuellen Verfassung des Lkw-Fahrers gemacht.



