Ein mit einem Kleinwagen beladener Anhänger hat sich am Dienstagmorgen auf der A9 bei Kinding überschlagen. Der Fahrer des Gespanns blieb nach ersten Angaben der Polizei unverletzt, es entstand allerdings ein Schaden im unteren fünfstelligen Bereich. Die Fahrbahn musste für die Bergungsarbeiten zeitweise voll gesperrt werden.
Unfallhergang: Ins Schlingern geraten
Gegen 8.40 Uhr war der 47-jährige Fahrer aus dem Raum Nürnberg mit seinem SUV und dem geladenen Kleinwagen auf dem mittleren Fahrstreifen in Richtung München unterwegs. Aus noch ungeklärter Ursache geriet das Gespann ins Schlingern. Der Anhänger brach aus, kippte auf die rechte Seite und rutschte über zwei Fahrstreifen, ehe er auf dem Dach neben der Leitplanke zum Liegen kam. Der Pkw auf dem Anhänger wurde dabei abgerissen und blieb auf dem Standstreifen stehen.
Der Fahrer blieb unverletzt, stand aber sichtlich unter dem Eindruck des Geschehens. Die Feuerwehr Kinding, die mit rund zwanzig Einsatzkräften anrückte, sicherte die Unfallstelle und streute ausgelaufene Betriebsstoffe ab. Auch ein Rettungswagen war vor Ort, musste aber niemanden behandeln.
Vollsperrung und große Verkehrsbehinderungen
Die A9 war zwischen den Anschlussstellen Denkendorf und Kinding für etwa 90 Minuten nur einspurig befahrbar, später komplett gesperrt, während ein Abschleppunternehmen den Anhänger mit einem Kran wieder aufrichtete. In den Spitzenzeiten bildete sich ein Stau von mehreren Kilometern. Viele Autofahrer nutzten die Umleitungsstrecke über die B299 und das Gemeindegebiet von Kinding, was zu erhöhtem Verkehrsaufkommen in der Ortschaft führte. Die Polizei bittet um Verständnis: „Es gab keine Alternative, wir mussten die Unfallstelle räumen", sagte ein Beamter vor Ort.
Nach Angaben der Autobahnmeisterei sind die Aufräumarbeiten weitgehend abgeschlossen, der Verkehr fließt seit dem frühen Nachmittag wieder planmäßig. Zur Höhe des Sachschadens hieß es, der Anhänger habe einen Wert von rund 15.000 Euro, der Kleinwagen einen von etwa 8.000 Euro. Beide dürften einen wirtschaftlichen Totalschaden erlitten haben. Den entstandenen Straßenschaden schätzt die Polizei auf 2.000 Euro.
Häufige Ursache: mangelhafte Ladungssicherung
Unfälle mit Anhängern sind auf deutschen Autobahnen keine Seltenheit. Nach einer Erhebung der Bundesanstalt für Straßenwesen sind rund 30 Prozent aller Unfälle mit Gespannen auf mangelhafte Sicherung der Ladung zurückzuführen. Das Problem: Wenn die Ladung verrutscht, verändert sich das Fahrverhalten des Anhängers dramatisch. Der Schwerpunkt verschiebt sich, und das Gespann kann schon bei geringer Geschwindigkeit ins Schlingern geraten.
Experten raten deshalb, sich vor jeder Fahrt zu vergewissern, dass die Ladung mit geeigneten Gurten oder Spannstangen gesichert ist. Auch die korrekte Stützlast auf der Anhängerkupplung spielt eine entscheidende Rolle. Eine falsche Gewichtsverteilung kann die Fahrdynamik erheblich beeinträchtigen. Zudem sollten die Reifen des Anhängers den vorgeschriebenen Luftdruck haben und nicht älter als sechs Jahre sein.
Im konkreten Fall hat die Polizei ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Ein Sachverständiger soll klären, ob ein technischer Defekt oder ein Fahrfehler den Unfall ausgelöst hat. Die Beschädigungen am Dach des Kleinwagens deuten darauf hin, dass der Anhänger im Moment des Überschlags eine hohe Querbeschleunigung hatte. Zeugen, die den Unfallhergang beobachtet haben, werden gebeten, sich beim Verkehrsdezernat der Polizei Oberbayern Nord zu melden.
Die A9: Lebensader zwischen Nord und Süd
Die Autobahn A9 verbindet die Metropolregionen Berlin und München und zählt zu den meistbefahrenen Fernstraßen Deutschlands. Allein im Abschnitt durch Oberbayern nutzen im Schnitt mehr als 120.000 Fahrzeuge pro Tag die Autobahn. Bei Unfällen wirken sich selbst kurze Sperrungen sofort auf das gesamte überregionale Netz aus. Umso wichtiger ist es, dass Fahrer von Gespannen besonders vorsichtig unterwegs sind. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit für Anhängerbetrieb liegt in Deutschland bei 80 km/h beziehungsweise 100 km/h, wenn das Gespann die Voraussetzungen für die Tempo-100-Zulassung erfüllt. Höhere Geschwindigkeiten erhöhen das Risiko des Aufschaukelns – ein Phänomen, das auch unter dem Begriff „Pendeln" bekannt ist.
Die Polizei appelliert an alle Verkehrsteilnehmer, bei der Begegnung mit einem schlingernden Gespann vorsichtig abzubremsen und genügend Abstand zu halten. „Wir hatten Glück, dass hier niemand verletzt wurde", sagte ein Polizeisprecher. „Wir erleben bei solchen Unfällen immer wieder Schwerverletzte, weil Anhänger sich auf der Fahrbahn überschlagen und andere Fahrzeuge gefährden."
Der Unfall bei Kinding ist damit der jüngste Vorfall in einer Reihe von Zwischenfällen rund um die Fahrt mit Anhängern. Erst im vergangenen Monat war auf der A9 bei Ingolstadt ein Wohnwagen verunglückt, der ebenfalls auf die Seite kippte. In beiden Fällen spielte vermutlich die relativ schmale Aufstandsfläche der Reifen eine Rolle. Fachleute empfehlen deshalb, beim Kauf eines Anhängers auf die Ausstattung mit einem elektronischen Stabilisierungssystem zu achten, das ein Aufschaukeln aktiv dämpft.
Die Ermittlungsakte zu dem aktuellen Unfall ist noch offen. Sobald das Gutachten des Sachverständigen vorliegt, wird es vermutlich eine Weile dauern, bis die genaue Ursache feststeht. Bis dahin bleibt die Frage, wie ein so schwerer Unfall mit einem vergleichsweise kleinen Anhänger passieren konnte, für viele Pendler auf der Strecke unbeantwortet.



